„Mein Kunst-Stück“ mit Andrea Imwiehe: „Anamnesis 01“

Erinnerungsschichten

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Manch eine Erinnerung ist vage. Andrea Imwiehe deutet sie in zarten Linien an.

Bremen - Von Ilka Langkowski. „Anamnesis 01“ heißt Andrea Imwiehes Bild, das sie für diese Folge von „Mein Kunst-Stück“ ausgesucht hat. Kind und Gans begegnen sich auf dem ersten Bild ihrer Anamnesis-Reihe. Das Werk markiert einen neuen künstlerischen Schaffensabschnitt.

Das aus dem Griechischen stammende Wort Anamnesis heißt „Erinnerung“. „Was kann ich erinnern und was nicht?“ lautet auch Imwiehes thematische Fragestellung. Aus der Perspektive eines Kindes zeigen ihre Bilder beispielsweise Bäume vor angedeuteten Häusern oder fotorealistisch gemalte Gegenstände in skizzenhaft dargestellten Zimmern. „Anamnesis 01“ ist in mehrerer Hinsicht etwas Besonderes, sagt die Bremer Künstlerin aus der Galerie „Kunstmix“ im Schnoor. Zum einen sei es von vornherein in ihrer Vorstellung komplett gewesen, während sie sonst an mehreren Bildern einer Reihe parallel arbeite und sich die Bilder Schritt für Schritt entwickelten. Zum anderen würden Tiere und Menschen integriert.

Als Vorlage dienen Imwiehe alte Fotos aus ihrem eigenen Fundus. „Manchmal betrachtet man so ein altes Foto von sich selbst und denkt zwar: Ah ja, das bin ich. Aber an die auf dem Bild festgehaltene Situation kann man sich nicht mehr erinnern“, erzählt die Künstlerin. Deswegen arbeite sie einige Bilddetails vollständig aus, während die Umgebung lediglich in zarten Konturen angedeutet werde. „Es ist wie mit einer Erinnerung, die manchmal flüchtig oder vage ist“, sagt sie. Automatisch würden beim Betrachter eigene Erinnerungen und Emotionen geweckt, die den skizzierten Raum füllten. Die Komposition eines Bildes gestaltet Imwiehe völlig frei und unabhängig von der fotografischen Vorlage. „Ich konstruiere Erinnerung, die es in der Realität so nicht gab.“ Imwiehe malt in mehreren übereinanderliegenden Farbschichten mit Acryl auf Holz. Jedes Objekt bekommt einen eigenen Farbhintergrund zugeordnet. Die unterste Schicht ist die dunkelste. Sie wird sichtbar, wenn die Malerin die Konturen der angedeuteten Gegenstände, Menschen oder Tiere in die Farbschichten ritzt. „Das ist wie mit der Erinnerung, die freigelegt wird“, merkt die Künstlerin an.

Als Jugendliche stellte sich Imwiehe die Frage, was sie am Ende ihres Lebens wirklich gemacht haben möchte. Schon damals war ihr klar, dass die Antwort „Kunst“ lauten musste, denn gemalt hatte sie schon immer. Die größte Herausforderung im realen Künstlerleben sei es, einen Einklang von Schaffen und Präsentieren hinzubekommen. Man müsse sich sowohl in die Welt hinausbegeben, um Ausstellungen zu machen, erklärt Imwiehe, als auch die Zeit nehmen, sich zurückzuziehen und in Ruhe die neuen Arbeiten zu konzipieren. Um Ausstellungen vorzubereiten, sei sie viel unterwegs. Dabei entstünden Netzwerke, die unabhängig davon seien, wo man arbeitet und lebt.

Kunst ist für Imwiehe etwas Essentielles. „Stellen Sie sich eine Welt ganz ohne Kunst vor. . . Man braucht Kunst, um seine Gedanken schweifen zu lassen und zur Ruhe zu kommen“, sagt sie. Ein Künstler, dessen Werke sich Imwiehe selbst immer wieder gern anguckt, ist der italienische Renaissance-Maler Sandro Botticelli. „Ich mag es, die alten Meister zu betrachten und zu sehen, wie sie damals gearbeitet haben, zum Beispiel, um Textilien und Stoffe darzustellen.“

Wenn Imwiehe jemandem ein Bild schenken sollte, dann würde sie es an ein Seniorenheim geben: „Ältere Menschen besitzen viele Erinnerungen aus ihrem Leben und könnten an einem Bild vielleicht große Freude haben.“

www.andrea-imwiehe.de

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