„Mein Kunst-Stück“ mit Achim Locke: „Boatpeople“

Bewegtes Format

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Achim Locke hat für die „Boatpeople“ das Panorama-Format auf den Kopf gestellt.

Bremen - Von Ilka Langkowski. „Boatpeople“ heißt Achim Lockes Bild, das er in unserer Serie „Mein Kunst-Stück“, vorstellt. Es besteht aus zwei schmalen hochformatigen Ölbildern. Gemalt wurde es schon vor einigen Jahren, als die ersten Flüchtlinge über das Mittelmeer nach Europa kamen.

„Das schwarze Bild, das etwas Bedrohliches hat, habe ich zuerst gemalt“, sagt Achim Locke. An Bord eines offenen Bootes sieht man dicht gedrängt Menschen in Rettungswesten. Eine schwache Lichtquelle erzeugt eine Spiegelung des Bootes auf dem Wasser. Ob und wo das Wasser aufhört, schluckt das Schwarz. Ein schwach erkennbarer Farn in einer der unteren Bildecken weist auf Land hin. „Das helle Bild mit seiner ruhigen, friedlichen Atmosphäre steht dazu im Kontrast“, sagt Locke. Es ist fast weiß, klar strukturiert, mit einem Vorder- und einem Hintergrund. Unbekümmert wirken die Menschen im seichten Wasser am Strand. Im Hintergrund sieht man ein Segelboot. „Ich möchte den Betrachter möglichst in diese Atmosphäre hineinziehen“, sagt ihr Maler, „und auf den riesigen Abstand hinweisen, den wir zu dem haben, was Flucht bedeutet.“

Die Arbeit an dem schwarzen Bild „Boatpeople“ begann mit einem blauen Himmel und einem klar abgesetzten Meer. Dann hat der Künstler das Bild immer weiter reduziert, um diese beunruhigende Stimmung zu erzeugen. Dabei habe sich der malerische Prozess über das eigentlich von ihm erdachte Konzept hinweggesetzt. Später entwickelte Locke die Idee zum zweiten Bild, das ebenfalls mit Meer, Menschen, Boot und Land ausgestattet, eine komplett andere Situation zeigt. „Ich möchte die Lust des Betrachters wecken, sich mit dem Bild und dem Thema auseinanderzusetzen.

Bekannt ist der Bremer Maler und Objektkünstler unter anderem für seine farbintensiven und extrabreiten Panoramabilder, auf denen er auf faszinierende Weise Bewegung darstellt. Locke verwendet am liebsten Ölfarbe auf Leinwand. Öl bringe die maximale Transparenz und Leuchtkraft in seine Bilder, sagt er. Außerdem lasse sich Ölfarbe auch nach zwei Tagen noch mischen, weil sie langsam trocknet. Die Zeit nutzt Locke, um parallel an mehreren Werken zu arbeiten und zwischendurch verschiedene Techniken auszuprobieren, um eine optimale Wirkung zu erreichen. „Im Malprozess steigt auch immer der Erkenntniswert“, sagt Locke. Dabei veränderten sich die Dinge. Das geschehe nur durchs Malen, nicht übers Nachdenken.

Sein künstlerisches Leben wurde schon früh durch den Maler, Bühnenbildner und Regisseur Volker Benninghoff beeinflusst. Lockes Eltern waren mit Benninghoff befreundet und so betrat Locke mit acht oder neun Jahren in Marburg zum ersten Mal ein Atelier. Anfang der 70er Jahre begann er ein Studium für „Visuelle Kommunikation“, wozu auch Film und Fotografie gehörten. Die klassischen Kunstakademien waren zu jener Zeit verpönt, erzählt Locke und lacht. Obwohl er außerdem ein Lehramtsstudium absolvierte, zog Locke die Kunst dem Klassenzimmer vor.

Der Wunsch nach finanzieller Unabhängigkeit sollte die Kunst nicht beeinflussen, findet Locke. Im Vordergrund stehe die Herausforderung, seine eigene Wahrnehmung in künstlerischen Ausdruck umzusetzen. „Wenn man sich mit Kunst auseinandersetzt, ob als Künstler oder Betrachter, birgt dies in sich einen Erkenntnisprozess“, sagt der Wahl-Bremer. Das betreffe sowohl die eigene Person als auch gesellschaftliche Fragen.

Künstler, die Locke besonders beeindrucken, sind unter anderem der schottische Maler Peter Doig, der ähnlich wie Locke zur Gedächtnisstütze fotografiert, sowie der deutsche Maler Daniel Richter. Wenn Locke jemandem ein Bild schenken sollte, dann würde er die „Boatpeople“ an Bayerns CSU-Ministerpräsident Horst Seehofer adressieren: „Damit er vielleicht noch mal ins Grübeln kommt.“

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