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„Mein erster Dreh in Bremen“

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Von: Jörg Esser

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Dirk Martens spielt im Bremer „Tatort“ mit dem Titel „Liebeswut“ Schulhausmeister Joachim Conradi. Mit im Szenenfoto: die Töchter der Film-Toten (gespielt von Ella und Ava Bieleke).
Dirk Martens spielt im Bremer „Tatort“ mit dem Titel „Liebeswut“ Schulhausmeister Joachim Conradi. Mit im Szenenfoto: die Töchter der Film-Toten (gespielt von Ella und Ava Bieleke). © Radio Bremen/Claudia Konerding

Im Bremer „Tatort“ sind am 29. Mai Liv Moormann (Jasna Fritzi Bauer) und Linda Selb (Luise Wolfram) als Duo im Einsatz. Gegenspieler sind unter anderem Dirk Martens und Aljoscha Stadelmann.

Bremen – Der nächste „Tatort“ von Radio Bremen ist am Sonntag um 20.15 Uhr im Ersten zu sehen. In der Episode „Liebeswut“ haben es die Bremer Kommissarinnen auf den ersten Blick mit dem Selbstmord einer psychisch Kranken zu tun.

Nach einem Wohnungsbrand wird eine Leiche in einem hermetisch abgedichteten Schlafzimmer gefunden. Die Frau im Hochzeitskleid ist an einem Kopfschuss gestorben, an der Wand steht eine kryptische Nachricht: Der Teufel spreche durch die Wände und wolle jemanden holen, heißt es.

An der Seite von Bauer und Wolfram spielen unter anderem Matthias Matschke, Ulrike Krumbiegel, Aljoscha Stadelmann und Dirk Martens. Regie führt Anne Zohra Berrached. Gedreht wurde der „Tatort“ vom 26. Oktober bis 24. November 2021 in Bremen und Umgebung. Der in Berlin lebende Schauspieler Dirk Martens spielt Joachim Conradi, einen Schulhausmeister, der verzweifelt mit seiner pädophilen Neigung kämpft. Der Berliner Schauspieler äußert sich im Interview über den Dreh und seine Rolle.

Von Stöver über Ballauf bis Boerne

Sie haben schon reichlich „Tatort“-Erfahrung gesammelt, mit Stöver und Brocki in Hamburg, mit Schenk und Ballauf in Köln, zuletzt mit Thiel und Boerne in Münster. Wie ordnen Sie den Bremer „Tatort“ da ein?

Martens: Es war extrem angenehm, mit dem Bremer Team zu drehen. Das mag daran liegen, dass die beiden Protagonistinnen (Luise Wolfram und Jasna Fritzi Bauer als Linda Selb und Liv Moormann, d. Red.) am Anfang ihrer Rolle stehen und immer noch gefordert sind, ihre Figuren zu finden. Bei Darstellern, die schon 20 Jahre ihren Part spielen, verlässt man sich auf diese, wenn sie stimmig sind. Und das sind sie nach 20  Jahren. Hier in Bremen waren alle gefordert, abzuliefern.

Sie spielen häufig schwer durchschaubare und zwielichtige Typen. Auch Hausmeister Conradi ist ein Außenseiter...

Ohne Zweifel ist Conradi ein Außenseiter. Aber ich drehe übrigens auch Komödien. Andererseits macht es mir großen Spaß, Außenseiter und widersprüchliche Typen zu spielen.

Das ist aber auch etwas schwerer ...

Ich will das nicht zu groß machen. Letztlich erlauben zwielichtige Typen viel mehr Interpretationsfreiheit. Die Zuschauer müssen sich damit zufriedengeben, was der Schauspieler aus der Rolle macht, weil sie auch nicht wirklich wissen, wie so ein Typ tickt. Ich kenne keine einzige zwielichtige Person in meinem Umfeld.

Was erwartet die Zuschauer in diesem neuen Bremer „Tatort“?

Bei den zwei Ermittlerinnen spielt Macho-Gehabe schon mal keine Rolle. Der Regisseurin Anne Zohra Berrached ist es außerdem gelungen, die Aufarbeitung einer persönlichen Geschichte (von Liv Moormann, d. Red.) per Rückblende in die Story einzuarbeiten. Und es gibt in dem Krimi ein paar Wendungen, die wirklich überraschen und nicht vorhersehbar sind. Das betrifft auch meine Figur.

Überraschende Wendungen

Haben Sie vorher schon einmal in Bremen gedreht?

Nein. Das ist das erste Mal in meinem Leben, dass ich in Bremen gedreht habe. Ich war vorher auch noch niemals in Bremen. Während eines Drehs bleibt übrigens keine Zeit für Sightseeing. Da steht man als Schauspieler permanent unter Strom.

Mal etwas Anderes. Bedauern Sie, dass die Serie „Neues aus Büttenwarder“ nach 97 Folgen jetzt beendet wurde, wo doch Jürgen Seute just zum Bürgermeister gewählt worden ist?

Ja. Natürlich finde ich das schade. Ich habe den Jürgen Seute gerne gespielt, obwohl das zuerst gar nicht so einfach war, weil er ja seine Rolle in Büttenwarder finden musste. Aber nach dem Tod von Jan Fedder war das Ende der Serie absehbar. Es gehört als Schauspieler dazu, sich von einer liebgewordenen Rolle zu trennen. Eine Tür geht zu, eine andere auf. Man muss sich neuen Prüfungen stellen. Das tut gut, das holt einen raus aus der Gemütlichkeit.

Wann und in welchen Rollen sind Sie demnächst zu sehen?

Ich werde häufig zu sehen sein. Man wird mich auch mal wieder als Kommissar sehen – nach fast 20 Jahren. Und dann ist ein sechswöchiger Dreh in Frankfurt. Da spiele ich die Hauptrolle in einer leicht komödiantischen Geschichte. Ich bin sehr gut dabei. Und voller Demut, dass ich so viel drehen darf.

Gibt es Ihren Waschsalon in Berlin noch?

Klar. Es gibt keinen Grund, warum es den nicht mehr geben soll. „Freddy Leck sein Waschsalon“ geht ins 15. Jahr. Und es gibt ihn womöglich auch noch, wenn ich nicht mehr lebe.

Waschsalon in Berlin

Schauspieler Dirk Martens (geboren am 2. Juli 1964 in Mühlheim an der Ruhr) lebt in Berlin, wo er auch unter dem Künstlernamen „Freddy Leck“ einen Waschsalon betreibt. Martens ist ein Dauergast auf dem Bildschirm, ist seit Anfang der 90er Jahre unter anderem in Serienrollen und häufig in Krimiklassikern wie „Tatort“, „Polizeiruf 110“ und „Der Alte“ zu sehen. So spielte er zuletzt 2018 in der Münsteraner „Tatort“-Folge „Schlangengrube“ einen zwielichtigen Zootierarzt, der schließlich auch bei Professor Boerne auf dem Seziertisch landete. Von 2002 bis 2005 war er in der Krimiserie „SK Kölsch“ als Kriminalhauptkommissar Falk von Schermbeck zu sehen. Und von 2014 bis 2021 mimte er im NDR-Klassiker „Neues aus Büttenwarder“ den Frisörmeister Jürgen Seute, der zum Serienende noch zum Bürgermeister gewählt wurde.

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