SWB forciert „Energiezukunft“

Bremer Meilensteine für den Kohleausstieg

Eine Visualisierung des neuen Blockheizkraftwerks am Standort Hastedt.
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Ausblick: Das erdgasbetriebene Blockheizkraftwerk am Standort Hastedt (vorne) ist im Bau. Die Visualisierung zeigt, wie das 140-Millionen-Euro-Projekt später einmal aussehen soll. VISUALISiERUNG: SWB

Der Energiedienstleister SWB hat einen Jahresüberschuss von 55,4 Millionen Euro erwirtschaftet. Und er hat die Weichen für eine Energiezukunft ohne Kohle gestellt.

Bremen – Der Bremer Versorger SWB (früher: Stadtwerke Bremen) hat das „sehr spezielle Corona-Jahr 2020“ mit einem ordentlichen Gewinn abgeschlossen. Der Jahresüberschuss beträgt 55,4 Millionen Euro und liegt damit knapp 17 Millionen Euro über dem Vorjahreswert (38,8 Millionen Euro). Und: Der Energiedienstleister hat „wesentliche Meilensteine für den Kohleausstieg und damit für die Energieerzeugung der Zukunft gesetzt“, sagte SWB-Vorstandschef Torsten Köhne am Freitag im digitalen Bilanz-Pressegespräch.

Um die Energiezukunft in Bremen voranzubringen, sei es wichtig, „konkrete Projekte auf die Straße zu setzen“, sagte Köhne. Und daran arbeitet die SWB: So ist im November 2020 der Grundstein für ein erdgasbetriebenes Blockheizkraftwerk am Standort Hastedt gelegt worden. In das Projekt werden insgesamt 140 Millionen Euro investiert, die Inbetriebnahme der neuen Anlage wird für 2022 anvisiert. Ist das Kraftwerk in Betrieb, dann soll „spätestens 2023“ auch der Kohleblock 15 und damit das letzte Kohlekraftwerk der SWB vom Netz gehen. Das sorgt dann laut Köhne für eine „massive CO2-Einsparung von rund 550 000 Tonnen pro Jahr“, was einer Reduzierung der Emissionen um etwa 70   Prozent entspricht.

Verknüpft ist der Bau des neuen Kraftwerks mit dem Bau einer Fernwärmeleitung vom Müllheizkraftwerk Findorff zum Heizkraftwerk Vahr, um die Fernwärmegebiete an der Uni und im Bremer Osten zu verbinden und weitere Haushalte anzuschließen. Die Investitionssumme für die Pipeline, die große Mengen heißen Wassers transportieren soll, beträgt 60 Millionen Euro. „Die Planungen sind bereits weit fortgeschritten“, heißt es. Erzeugt wird die Fernwärme im Müllheizkraftwerk aus der thermischen Verwertung von Abfällen.

Pipeline kostet 60 Millionen Euro

Endgültig vom Netz geht derweil der Kohleblock 6 im Kraftwerk Hafen – und zwar am 7. Juli, sagte Köhne. Den Zuschlag für die Stilllegung des Kohleblocks mit 303 Megawatt installierter Leistung hat die SWB bei der ersten Auktion der Bundesnetzagentur zum Kohleausstieg erhalten. „Wir waren als einziges Stadtwerk erfolgreich“, so der SWB-Chef. Die Höhe des Auktionserlöses „bleibt aus wettbewerblichen Gründen ungenannt“. Der kaufmännische Vorstand Olaf Hermes sagte: „Die finanziellen Mittel benötigen wir dringend für unser deutlich gesteigertes Investitionsvolumen zum Umbau der Erzeugung und zum Ausstieg aus der Verstromung von Steinkohle.“ Mit 160,4 Millionen Euro hat die SWB 2020 die Investitionen um 55 Prozent im Vergleich zum Vorjahr (103,4 Millionen Euro) erhöht.

Durch die Stilllegung des Steinkohleblocks sinken die CO2-Emissionen um rund 1,5 Millionen Tonnen jährlich. Das seien mehr als zehn Prozent der bremischen Gesamtemissionen. Und ein weiteres Zukunftsprojekt geht „auf die Straße“: Für eine geplante Klärschlamm-Monoverbrennungsanlage sind die Gründungsarbeiten erfolgt.

Erstmals Kurzarbeit

Noch einmal zurück ins Jahr 2020: Mit dem Beginn der ersten Pandemiewelle im Frühling hat die SWB erstmals in der 170-jährigen Unternehmenshistorie einen Teil der Mitarbeiter für einige Wochen in Kurzarbeit geschickt – wegen der rückläufigen Produktion in Bremer Betrieben und des damit verbundenen sinkenden Energiebedarfs. An eine Neuauflage werde derzeit trotz der erneuten Kurzarbeit bei Mercedes nicht gedacht, heißt es.

Der Konzernumsatz der SWB lag 2020 mit 1,144,5 Milliarden Euro unter dem Vorjahreswert von 1,238,5 Milliarden Euro. Die Ursachen dafür lagen den Angaben zufolge „vor allem in Preiseffekten bei Strom und Erdgas sowie Mengeneffekten bei der Stromproduktion und im Wärmebereich“. Dazu zählte der pandemiebedingte vorübergehende Stillstand der Automobilproduktion im Sebaldsbrücker Mercedes-Werk. Weitere Kennzahlen: Der Stromabsatz sank gegenüber 2019 von 13 977 auf 12 253 Millionen Kilowattstunden, der Wärmeabsatz von 1 060 auf 1009 Millionen Kilowattstunden. Der Erdgasabsatz lag mit 4 631 Millionen Kilowattstunden knapp über dem Vorjahreswert (4 622 Millionen kWh). Auch der Trinkwasserabsatz stieg leicht – von 37,1 auf 37,6 Millionen Kubikmeter. Die Marktanteile bei Privatkunden beziffert die SWB auf 80 Prozent in der Sparte Strom und 74 Prozent bei Erdgas. In der Müllverbrennungsanlage wurden 817 319 Tonnen Abfall verwertet und damit knapp 15 000 Tonnen mehr als 2019.

2285 Mitarbeiter

Die SWB beschäftigt derzeit 2 255 Mitarbeiter und damit 34 mehr als im Jahr zuvor. Darunter sind 121 Azubis. Den Personalaufwand bezifferte Personal-Vorstand Olaf Hermes auf 202,1 Millionen Euro gegenüber 193,1 Millionen Euro im Jahr 2019.

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