„Meilenstein“ der Digitalisierung

Bremen führt elektronische Rechnung ein

Bremen -  Als erstes Bundesland führt Bremen Ende November die E-Rechnung ein. Damit kommt das neue Abrechnungsformat der Bremer Finanzbehörde zufolge ein Jahr früher, als von der EU gefordert. Die Einführung des neuen Standards und elektronischen Verfahrens wird durch ein Informations- und Fortbildungsangebot für Handwerksbetriebe begleitet. Finanzsenatorin Karoline Linnert (Grüne) und Handwerkskammer-Präses Jan-Gerd Kröger haben am Donnerstag einen entsprechenden Vertrag unterzeichnet.

Bremen will den Betrieben den Umstieg auf die E-Rechnung – Linnert zufolge ein „Meilenstein unserer Digitalisierungsstrategie“ – erleichtern und damit die Akzeptanz steigern. Gemeinsam mit den Fachleuten der Handwerkskammer sollen Experten aus dem Finanzressort den Handwerkern „mit Rat und Tat zur Seite stehen – auch individuell vor Ort in den Betrieben“, so Linnert. In Bremen (Land und Stadt) gehen laut Behörde jährlich rund 300.000 Rechnungen bei der öffentlichen Verwaltung ein.

„Gerade für kleinere Betriebe kann die Einführung eines neuen E-Standards zur Herausforderung werden. Niemand soll aus Angst vor einer vermeintlich schwierigen Abrechnung vor öffentlichen Aufträgen zurückschrecken“, so Kröger. Die korrekte Anwendung der Software garantiere dem Präses zufolge, die in wenigen Jahren europaweit vorgeschriebenen Standards zu erfüllen. Kröger: „Einmal eingeübt, werden nervende, zeitraubende Nachfragen und Korrekturen vermieden.“

Martina Jungclaus, Hauptgeschäftsführerin der Handwerkskammer Bremen, erklärt die Herausforderungen: „Die Vielfalt der eingesetzten Softwarelösungen, der Schnittstellen und der möglichen Übertragungswege sowie die Einflüsse der technischen Lösungen auf die betriebswirtschaftlichen Prozessabläufe machen eine individuelle Beratung der Handwerksbetriebe hinsichtlich einer möglichen Verwendung des Standards XRechnung notwendig.“ Vermittelt werden daher Grundlageninformationen und konkrete Handlungshilfen über die elektronische Rechnungstellung für Handwerksunternehmen.

Der Kontrakt wurde laut Finanzressort für die Jahre 2018 und 2019 geschlossen. Eine Verlängerung für das Jahr 2020 sei vorgesehen, heißt es. Geplant sind Infoveranstaltungen für Betriebe, Beratung vor Ort bei Firmen und Gespräche mit branchenspezifischen Software-Anbietern über Schnittstellenfragen. Jährliche Berichte sollen die Ergebnisse dokumentieren, heißt es.

Handwerksbetriebe sind der Finanzbehörde zufolge wichtige Partner der öffentlichen Auftraggeber. Rainer Heldt, Projektleiter E-Rechnung im Finanzressort: „Die praktischen Erfahrungen bei der Anwendung der E-Rechnung werden wir nutzen, um die Software bei Bedarf weiterzuentwickeln.“ Den Angaben zufolge bieten ab Ende November alle Verwaltungsdienststellen den Service an. Ab 2020 sind alle Lieferanten zur Ausstellung elektronischer Rechnungen verpflichtet. Laut Finanz-Staatsrat Henning Lühr gibt es auf Bundesebene großes Interesse an der Einführung der E-Rechnung in Bremen und dem von der Behörde entwickelten Programm. 

vr

Rubriklistenbild: © dpa

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