Der zukünftige Uni-Rektor Bernd Scholz-Reiter über seine neue Herausforderung

Mehr Qualität für die Lehre

Der Produktionswissenschaftler Bernd Scholz-Reiter wurde vom Akademischen Senat zum neuen Rektor der Universität Bremen gewählt. Er tritt sein Amt am 1. September an. ·

Bremen - Von Viviane Reineking - Im Dezember wählte der Akademische Senat (AS) Bernd Scholz-Reiter zum neuen Rektor der Universität Bremen. Der 54-Jährige gebürtige Niedersachse tritt sein Amt am 1. September an. Seit 2002 leitet der Professor für Produktionstechnik das Institut für Produktion und Logistik (Biba).

Wie bereitet sich ein zukünftiger Uni-Rektor auf die neuen Herausforderungen vor?

Scholz-Reiter: Momentan besuche ich die entsprechenden Gremiensitzungen, beispielsweise die des Akademischen Senates, die durch den Rektor geleitet werden. Dazu treffe ich mich mit dem Rektorat und dem Allgemeinen Studierendenausschuss, um mich in die Aufgaben und Verantwortungsbereiche einzuarbeiten.

Welches sehen Sie als die dringlichsten Aufgaben für Ihre Amtszeit an?

Scholz-Reiter: In der Exzellenzinitiative erfolgreich zu sein, bedeutet zusätzliches Geld, um die Universität strategisch weiterzuentwickeln und gute Leute an die Universität zu holen. Die Lehre ist dadurch, zumindest in der öffentlichen Wahrnehmung, etwas in den Hintergrund geraten. Aber die Universität war zum Beispiel erfolgreich bei der Auswahl ihres Lehrkonzeptes. Mit „Forsta“ soll die Lehre von Beginn an forschungsbegleitend sein – der Projektgedanke, den die Universität schon bei ihrer Gründung hatte, der aber durch die Reformen in der Lehre in den vergangenen Jahren mit der Umstellung von Bachelor und Master etwas in den Hintergrund gerückt ist. Der Gedanke wird durch das Konzept neu erfunden und umgesetzt.

Sie verfolgen eine ähnliche Politik wie die vom derzeitigen Rektor Wilfried Müller. Wo setzen Sie eigene Schwerpunkte?

Scholz-Reiter: Ich werde mich einzubringen, damit es den Universitäten in Deutschland wieder besser geht als in der jüngeren Vergangenheit. Viele Entwicklungen im Wissenschaftsbereich waren nicht förderlich für die Entwicklung der Universitäten. Durch den Pakt für Forschung haben außeruniversitäre Forschungseinrichtungen jährlich fünf Prozent Zuwachs ihres Budgets bekommen. Bei den Universitäten sind die Gelder nur über die drittmittelgeförderte Forschung der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) angekommen. Das ist zu Lasten der Hochschulen gegangen. Ein zweiter Punkt ist die aktuelle Frage, wie die Professoren in Deutschland bezahlt werden. Das betrifft auch die Bezahlung der wissenschaftlichen Mitarbeiter, die nicht mehr nach dem Tarifvertrag des Bundes, sondern der Länder bezahlt werden. Da zeigt sich ein Auseinanderdriften: Die Mehrzahl steht schlechter da. Das ist auch eine Frage der Konkurrenzfähigkeit der Universität gegenüber privaten Arbeitgebern.

Sie streben eine langfristige Grundfinanzierung der Universität an. Wie wollen Sie die Politik überzeugen?

Scholz-Reiter: Im Rahmen des Ernennungsverfahrens werde ich die Gelegenheit nutzen, auch die Finanzsenatorin und den Bürgermeister von der Wertigkeit der Uni zu überzeugen – sie nicht nur als Kostenfaktor zu sehen, sondern dass ein Vielfaches der Investitionen zurückkommt. Über Drittmittel, zusätzliche Mitarbeiter – rund 1 800 Stellen sind im wissenschaftlichen Bereich drittmittelfinanziert –, Studenten, über den Ausbildungsfaktor für die Wirtschaft und die Kultur, die die Wissenschaft auch in die Stadt bringt.

Wo sehen Sie die Universität in zehn Jahren?

Scholz-Reiter: In der öffentlichen Wahrnehmung wird sie eine der sogenannten „Spitzenuniversitäten“ in Deutschland sein. Wir werden die Lehrqualität wesentlich gesteigert haben. Sollte die Zahl der Studenten gesunken sein, würde das auch bedeuten, dass die Qualität in der Lehre durch eine bessere Betreuungsrelation steigen kann – wenn wir die Ressourcen auf dem heutigen Niveau halten.

Wie lässt sich die Lehrqualität außerdem steigern?

Scholz-Reiter: Wir werden die Evaluationsverfahren verbessern, die Grundlagen dafür sind schon gelegt: Es gibt eine permanente Evaluation der Studenten, die zurückfließen an die Lehrenden und die Dekane. Gleichzeitig müssen wir Anreize schaffen für eine gute Quantität und vor allem eine Qualität in der Lehre. Die Leistungsorientierung muss sich letztendlich auch in den Bezügen der Professoren und der Lehrenden wiederfinden.

Wie lässt sich das umsetzen?

Scholz-Reiter: Wenn die Grundgehälter angehoben werden müssen, wie es das Bundesverfassungsgericht festgestellt hat, muss eigentlich mehr Geld an die Universität fließen, damit wir immer noch in der Lage sind, leistungsorientiert zu belohnen. Die Lösung ist nicht, dass die Grundgehälter erhöht werden und es keinen Spielraum mehr in der leistungsorientierten Besoldung gibt.

Wo finden Sie Ausgleich zu Ihrem Beruf?

Scholz-Reiter: Im Alltag bekomme ich den Ausgleich, wenn ich draußen bin, spazieren gehe, Fahrrad fahre, wenn ich sehe, wie sich die Natur verändert. Und ich gucke mir sehr gerne die Welt an. Ich habe in New York gearbeitet. Seitdem liebe ich diese Stadt. Aber auch Neuseeland und Afrika reizen mich.

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