Neue Abstellflächen in den Straßenbahnen / BSAG-Chef handelt schnell

Mehr Platz für Kinderwagen

BSAG-Vorstand Wilfried Eisenberg schiebt den Krippenwagen der „Kükengruppe“ zur neuen Abstellfläche in der Bahn. ·

Bremen - Von Corinna Laubach. Der Mann fackelt nicht lange. Kaum sechs Wochen im Amt, sorgt der neue Vorstand der Bremer Straßenbahn AG (BSAG), Wilfried Eisenberg, für frischen Wind – und soziales Engagement im Unternehmen. Gerade erst ließ er bei der Kältewelle Obdachlose umsonst mitfahren, jetzt sein jüngster Coup:

Mehr Abstellflächen für sogenannte Mehrfachkinderwagen, Krippenwagen und Rollatoren.

„Zukünftig ist das in jeder Bahn völlig normal, eine ausreichend große Abstellfläche vorzufinden“, verspricht der 43-Jährige, während er eigenhändig einen Krippenwagen mit sechs Steppkes aus dem deutsch-italienischen Kindergarten „Girotondo“ in eine Straßenbahn bugsiert. Neben den bisherigen Plätzen am vorderen Einstieg gibt es ab sofort in den Bahnen auch hinten eine weitere Fläche. 2,30 Meter mal einen Meter misst die und heißt im Firmendeutsch jetzt Multifunktionsfläche. Gedacht ist sie vor allem für die großen Kinderwagen, Trollys, Bollderwagen oder eben auch Rollatoren. „Wir haben vier Schrauben gelöst und eine Haltstange entfernt, das war‘s“, erläutert der Vorstand. Sukzessive würden alle Bahnen umgerüstet.

Der kleine Eingriff ist ein wirksames Invest in die Zukunft. Dass Kinder einen Platz in der Bahn finden, daran liegt dem fünffachen Vater nicht nur aus unternehmerischer Sicht. Doch, auch wenn man dem Unternehmer die sozial getriebenen Aktionen durchaus abnimmt – bei seinem vorherigen Arbeitgeber der Rostocker Straßenbahn AG hat er bereits ebenfalls solche zusätzlichen Abstellflächen durchgesetzt – die schöne Geschichte hat einen unschönen Hintergrund. Und den wollte Eisenberg als neuer Chef eines Verkehrsbetriebes für jedermann nicht auf sich sitzen lassen.

Im Dezember vergangenen Jahres wollte die „Kükengruppe“ des „Girotondo“ von Schwachhausen zum Weihnachtsmarkt fahren. Mitsamt des großen Krippenwagens natürlich. Doch in der Bahn war kein ausreichender Platz  – der Gruppe wurde das Einsteigen verweigert. Gemäß der Fahrbahnbestimmungen war dies korrekt. Ärgerlich aber allemal. Die Geschichte landete in den Medien, und Eisenberg beschloss zügiges Handeln. Seine sofortige Reaktion: „Wir bauen zwei Sitze aus.“ Auch damit solche Geschichten sich nicht wiederholen.

Erzieherin Birgit Pentzik ist nicht nachtragend und zeigte sich gestern vollauf zufrieden. „Die BSAG ist sehr schnell auf uns eingegangen und hat von sich aus die Initiative ergriffen“, sagte Pentzik. Wilfried Eisenberg stellte der kleinen Gruppe nicht nur persönlich die neue Abstellfläche vor, er hatte auch noch einen Buchgutschein für die Kinder mit dabei. Die Gruppe und jeder andere mit Kindern besetzte Bollerwagen wie Großkinderwagen sei jederzeit willkommen. Nur eine Gruppe muss Eisenberg enttäuschen: Für die Bollerwagen der Kohlfahrer ist der Raum nicht gedacht. Der wird weiterhin gezogen.

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