Pflegekräfte fürchten um ihre Gesundheit

Mehr Personal, mehr Schutz

Kundgebung mit Sicherheitsabstand: Die Gewerkschaft Verdi und das Bremer Bündnis für mehr Personal im Krankenhaus fordern mehr Geld, Schutzausrüstung und Personal. 
Foto: KOWALEWSKI
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Kundgebung mit Sicherheitsabstand: Die Gewerkschaft Verdi und das Bremer Bündnis für mehr Personal im Krankenhaus fordern mehr Geld, Schutzausrüstung und Personal. Foto: KOWALEWSKI
  • Martin Kowalewski
    vonMartin Kowalewski
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Bremen – Um fünf vor zwölf beginnt die Kundgebung. Etwa 70 Menschen aus der Krankenpflege sind dem Aufruf der Dienstleistungsgewerkschaft Verdi und dem Bremer Bündnis für mehr Personal im Krankenhaus gefolgt und demonstrieren am Mittwoch vor dem Sitz der Gesundheitssenatorin. 100 hätten es sein dürfen. Ihre Forderungen: ein besserer Personalschlüssel, 1 500 Euro Einmalzahlung steuerfrei, 500 Euro mehr im Monat sowie eine Infektionszulage und ausreichende Schutzausrüstung.

Roman Fabian (56), Betriebsratsvorsitzender im Klinikum Links der Weser, berichtet von einem Mangel an Atemschutzmasken. Diese hätte ein fürsorglicher Arbeitgeber bevorraten müssen. „Wir können unterstellen, dass eine Krankenhausleitung weiß, was im Pandemiefall passiert.“ Stattdessen habe sein Arbeitgeber diese zu Pandemiebeginn verknappt, sagt Fabian. „Heute bekommen sie nur die Kollegen, die aktiv am Patienten arbeiten, obwohl alle im Krankenhaus sie tragen müssten, weil dieses in den Verordnungen so vorgesehen ist.“

Das Ganze sei kein Spaß gewesen, immerhin seien 40 Mitarbeiter in der Belegschaft mit Corona infiziert worden. „Nach meiner Rechtsauffassung hätten alle FFP2- und FFP3-Masken ausgegeben werden müssen, bis keine mehr da sind. Oder der Bund hätte den Krisenfall ausrufen müssen.“

Nullrunde

Jörn Bracker, Verdi-Gewerkschaftssekretär für Gesundheit, soziale Dienste, Wohlfahrt und Kirchen in Bremen, berichtet über Gehaltsverhandlungen. Man habe den Arbeitgebern angeboten, auf eine klassische Tarifrunde inklusive Streik zu verzichten und einen Vertrag für ein halbes Jahr zu machen. „Wir wollen nicht die Kita bestreiken, wo doch die Eltern ihre Kinder gerade wieder abgeben können, und auch nicht Krankenhäuser, wo aufgeschobene Operationen stattfinden sollen“, sagt er. „Die haben uns geantwortet, eine Nullrunde könnt Ihr haben.“

Unter anderem nimmt er sich den Fachkräftemangel vor. „Die Arbeitgeber schieben alles auf den Fachkräftemangel. Aber sie verheizen die Azubis und weigern sich, sie zu übernehmen.“ Stellen würden monatelang nicht ausgeschrieben. „Die Arbeitgeber führen den Fachkräftemangel selbst herbei“, sagt Bracker.

Ein Krankenpfleger erzählt von 30-Jährigen, die körperlich und psychisch keine ganze Stelle mehr schaffen, und Krankenpflegern, die nach der Ausbildung den Beruf wechseln. Krankenpflegerin Ariane Müller (65), seit 1974 im Beruf, arbeitet auf der Intensivstation im Klinikum Mitte. Sie sieht die Einführung der Fallpauschale als einen wichtigen Wendepunkt. Die Pauschale sehe je nach Krankheit ein festes Budget vor. Eine Folge: Es würden möglichst viele Patienten „durchgeschleust“, um Geld zu verdienen.

Senatorin freut sich über Demo

Gesundheitssenatorin Claudia Bernhard (Linke) kommt und betont, sie freue sich über die Demo. Auf eine Bundesratsinitiative zur Änderung der Personalbemessung angesprochen, sagt sie: „Wir würden gerne eine Bundesratsinitiative auf den Weg bringen, wo das ein Teil ist. Da geht es auch um die Tarifanhebung.“ Der Auftritt der Senatorin wird wohlwollend aufgenommen.

Von Martin Kowalewski

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