CORONA Kommunikationsexperte: Viele Anfragen von Unternehmen

„Mehr Krise geht nicht“

Gemütliche Talk-Atmosphäre bei einem ernsten Thema: Kommunikationsexperte Frank Lenk. Foto: KOWALEWSKI

Bremen - Von Martin Kowalewski. Corona macht Angst. Auch unter Arbeitnehmern. Sie fürchten um ihre Gesundheit und mitunter auch um die eigene Existenz. Unternehmer sollten in diesem Fall ein Gefühl der Sicherheit geben und klar kommunizieren. Was hier wichtig ist, erzählt der Bremer Kommunikationsexperte Frank Lenk im Interview.

Herr Lenk, Sie erleben gerade viele Anfragen zur betriebsinternen Kommunikation vor dem Hintergrund der Corona-Epidemie. Wie stark ist der Anstieg?

Normal haben wir eine Anfrage zur Krisenkommunikation im Monat, wobei es im Allgemeinen um betriebliche Umstrukturierungen geht. Jetzt hatten wir zwölf Anfragen in zehn Tagen zur Corona-Pandemie. Dabei ist viel gehobener Mittelstand mit 500 oder 600 Mitarbeitern. Aber auch kleinere Firmen mit zehn Leuten fragen an.

Was empfehlen Sie als Kommunikationsexperte?

Der Arbeitgeber muss schnell, offen und klar kommunizieren. Es ist in so einem Fall wichtig, zeitnah zu reagieren. Nur so kann man die Mitarbeiter mitnehmen und für eine klare Informationslage sorgen.

Was muss der Arbeitgeber kommunizieren?

Wichtig ist eine klare Handlungsanweisung, Hände waschen, Zimmer belüften, Abstand halten, Begrüßung ohne Händeschütteln. Der Arbeitgeber muss erklären, wie die Struktur verändert wird, etwa Arbeit im Home-Office oder ein Team kommt ins Büro, ein anderes arbeitet von zu Hause am Rechner. Nach zwei Wochen wird dann getauscht. Die PCs werden abends mit nach Hause genommen, damit auch von zu Hause gearbeitet werden kann. Die Handlungsanweisungen betreffen nicht nur die Prävention, sondern sind erst recht wichtig, wenn ein Akut-Fall da ist.

Was ist dann zu tun?

Der Arbeitgeber muss den Fall genau analysieren. Das ist seine unternehmerische Verantwortung. Wo hat die Person gesessen und mit wem war sie im Austausch? Der Unternehmer muss sein Biotop im Griff haben. Da liegt bei dem Unternehmen eine Riesenverantwortung.

Was sollten Arbeitgeber dabei im Hinterkopf haben?

Der Arbeitgeber muss die Formel ausgeben, die Gesundheit steht über allem. Der Arbeitgeber gibt den Rahmen vor, der Mitarbeiter muss verstehen, dass er eigenverantwortlich handeln und auch seine Entscheidungen an den Unternehmer herantragen muss.

Die Arbeitnehmer haben möglicherweise Angst um ihre Existenz und die ihrer Familien. Sie fürchten, unverschuldet von jetzt auf gleich entlassen zu werden. Der Unternehmer muss seine Mitarbeiter zu jeder Zeit mitnehmen. Er muss Gerüchten entgegenwirken. Er muss den Mitarbeitern sagen: „Wir wollen das Schiff durch schwere See in ruhiges Fahrwasser bringen, und dafür brauchen wir die und die Maßnahmen.“ Es geht immer nur um Lösungen. Im Moment schlagen die Wellen ja tatsächlich sehr hoch.

Wie beurteilen Sie die Kommunikation, die wir seitens der Politik erleben?

Die Ausgangssituation ist eine Faktenlage, die sich fast stündlich ändert. Die Politik versucht, angemessen damit umzugehen. Ich finde, dass denen das gut gelingt. Es bedarf eines ausbalancierten Verhaltens. Es darf keine Hysterie geben, die Leute dürfen die Situation aber auch nicht auf die leichte Schulter nehmen. Es ist eine Situation, wie wir sie noch nie gehabt haben. Sie hat eine brutale Dynamik. Es gibt keine Erfahrungswerte dazu. Es ist eine internationale Krise. Alle Märkte sind betroffen. Es kommt zur Existenznot unter Betrieben und Mitarbeitern. Mehr Krise geht gar nicht. Mit Krediten und den Regelungen zur Kurzarbeit hat die Politik klare Signale gegeben.

Sollten sich auch Vereine aus dem Freizeitbereich ähnliche Gedanken wie Unternehmen über ihre Kommunikation in der Corona-Krise machen?

Ja. Alle Institutionen, wo Menschen zusammenkommen, um ein Ziel zu verfolgen, brauchen eine ähnliche Kommunikation und haben ja auch zum Teil ähnliche Strukturen und in ihnen sind ähnliche Aufgaben zu bewältigen. Wenn es in einem Verein eine Ansteckung gibt, spricht sich das schnell rum. Man muss schon den ersten Fall klar und offen kommunizieren. Es ist wichtig, die Sorgen aufzufangen und sprechfähig zu bleiben. Auch, wenn keine Vereinsaktivität stattfindet, muss die Kommunikation fortgesetzt werden.

Zur Person 

Frank Lenk, geboren 1959 in Wolfenbüttel, studierte Kommunikationswissenschaften in Dortmund und Betriebswirtschaftslehre in Bremen, war geschäftsführender Gesellschafter bei dem Software-Unternehmen Team Neusta und gründete dann die Kommunikationsagentur Lenk-Communications. Die fusionierte vor eineinhalb Jahren mit der Bremer Unternehmensberatung Orbitak AG. Dort leitet Lenk als Spezialist für Change-Management und Krisenkommunikation den Bereich Kommunikationsberatung.

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