Mehr Armut bei steigender Beschäftigung: DGB und Arbeitnehmerkammer Bremen formulieren Gegenmaßnahmen

Gemeinsame Gedanken zu „guter Arbeit“

+
Daniel Müller (v.l.), Ingo Schierenbeck, Annette Düring und Hartmut Tölle (Vorsitzender DGB Niedersachsen-Bremen-Sachsen-Anhalt) teilen ihre Gedanken zu „guter Arbeit“.

Bremen - Von Viviane Reineking. Trotz steigender Beschäftigung ist die Armut in den Bundesländern Bremen und Niedersachsen größer geworden. „Die Kluft zwischen guten und schlechten Löhnen und Arbeitsbedingungen wird größer“, sagte gestern Ingo Schierenbeck, Geschäftsführer der Arbeitnehmerkammer Bremen. „Es fehlt also an guter Arbeit.“

Gemeinsam mit Vetretern des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB) forderte er von den Regierungen der beiden Länder, sich mehr für „gute Arbeit“ einzusetzen, um prekäre Beschäftigung einzudämmen.

Unter den von 2004 bis 2014 mehr als 410 000 entstandenen sozialversicherungspflichtigen Arbeitsplätzen seien nur etwa 94 000 Vollzeitstellen. Den größten Teil machten Teilzeit- und Minijobs aus. Vor allem den Einzelhandel und das Hotel- und Gaststättengewerbe habe man „auf dem Kieker“, sagte gestern Annette Düring, Vorsitzende des DGB Bremen-Elbe-Weser.

Arbeitnehmerorganisationen forderten die Landesregierungen auf, sich enger abzustimmen und voneinander zu lernen. Gemeinsam zeigen die Organisationen Maßnahmen zur Förderung „guter Arbeit“ auf – „in Zeiten eines zunnehmenden Fachkräftemangels ein Standortvorteil“, so Schierenbeck. Der politische Wille scheine vorhanden, nun wollten die Vertreter den Landesregierungen Hilfestellung geben. Und haben sich deshalb überlegt: Entscheidungen in der Wirtschaftsförderung und offizielle Auftragsvergaben beispielsweise müssten sich an sozialen Kriterien orientieren. Öffentliche Mittel, so DGB und Arbeitnehmerkammer, sollten nur in tarifgebundene Unternehmen fließen. Förder- und Vergabekriterien sollten beide Länder eng miteinander abstimmen, um nicht gegeneinander ausgespielt zu werden. „Und in Bremen brauchen wir eine Leiharbeitsquote“, so Düring. Bei der Leiharbeit sei Bremen im Ländervergleich Spitzenreiter.

Weiter schlagen DGB und Kammer vor, sich bei den Ladenöffnungszeiten zu verständigen. „Eine Einschränkung ist in beiden Ländern notwendig“, so Schierenbeck. Beide Regierungen sollten eine Einschränkung der Ladenöffnungszeiten prüfen und über die Verbesserung der Rahmenbedingungen für die Beschäftigten im Einzelhandel sprechen. In Bremen und Niedersachsen ist laut DGB und Arbeitnehmerkammer nur noch jeder vierte Frauen-Arbeitsplatz im Einzelhandel existenzsichernd.

Lloyd-Werft-Betriebsratsvorsitzender Daniel Müller forderte wie die anderen Vertreter eine Beratungsstelle für mobile Beschäftigte nach niedersächsischem Vorbild. Arbeitern etwa aus Osteuropa ohne Sprachkenntnisse würde beim Werksvertrag nicht immer die Wahrheit gesagt, so Müller, der von einer „Parallelwelt“ und einem „System der Ausbeutung“ spricht. Man brauche die Beratungsstellen, „um den ganzen Umfang des Missbrauchs zu erkennen“. Das sei auch vor dem Hintergrund des Großauftrags der US-Reederei Crystal Cruises wichtig, weil ein Großteil der benötigten neuen Mitarbeiter Werkverträge erhalte. Müller forderte zudem gesetzliche Änderungen, so dass ein Betriebsrat für alle Beschäftigten auf einem Betriebsgelände zuständig sei. Das sei aktuell bei Beschäftigten mit Werkverträgen nicht der Fall.

Das könnte Sie auch interessieren

Jugend-Challenge in Verden - der Sonntag

Jugend-Challenge in Verden - der Sonntag

Stimmiges Ambiente und handfeste Livemusik im Rotenburger Ronululu

Stimmiges Ambiente und handfeste Livemusik im Rotenburger Ronululu

Selena Gomez zeigt sich bei ungewohnt ernsten American Music Awards blond

Selena Gomez zeigt sich bei ungewohnt ernsten American Music Awards blond

Wie werde ich Notfallsanitäter/in?

Wie werde ich Notfallsanitäter/in?

Meistgelesene Artikel

Drei Verletzte bei Brand in Bremerhaven

Drei Verletzte bei Brand in Bremerhaven

Polizei entdeckt Interessantes in der Unterhose eines Autofahrers

Polizei entdeckt Interessantes in der Unterhose eines Autofahrers

Superbillig leben! Dieses Selbstexperiment überrascht mit Ende

Superbillig leben! Dieses Selbstexperiment überrascht mit Ende

„Datenfestung“ im Bremer Westen

„Datenfestung“ im Bremer Westen

Kommentare