Abi-Wohngemeinschaft: Junge Leute leben und lernen gemeinsam

Mehr als nur ein Gag

Die Bremer Abiturienten Alp Inançli (v.l.), Pascal Haupt, Kaj Neumann und Michael Zimmer (im Hintergrund) probten in der Abi-WG das Lernen und Zusammenleben. Dabei gab‘s auch Leckeres wie Tomaten auf Mozarella. ·
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Die Bremer Abiturienten Alp Inançli (v.l.), Pascal Haupt, Kaj Neumann und Michael Zimmer (im Hintergrund) probten in der Abi-WG das Lernen und Zusammenleben. Dabei gab‘s auch Leckeres wie Tomaten auf Mozarella. ·

Bremen - Von Ulf BuschmannAlp Inançli ist hochkonzentriert. Der 20-Jährige füllt Champignons mit einer leckeren Paste. Michael Zimmer schneidet derweil Gurken in Scheiben. Neben ihm steht bereits eine Schüssel, die bis zum Rand mit Mais gefüllt ist.

Das gemeinsame Abendessen steht unübersehbar vor der Tür. So sah es in den vergangenen Wochen mehrfach in dem Haus an der Meierhofstraße in St. Magnus aus. In der von der evangelischen Kirchengemeinde St. Martini gemieteten Immobilie lebten sechs junge Leute, um sich in einer Wohngemeinschaft auf Zeit auf das Abitur vorzubereiten.

Lena Baustert, Michael Zimmer, Pascal Haupt, Kaj Neumann, Maike Mader und Alp Inançli hatten sich dafür entschieden. Wenn die Schulzeit auf die unweigerliche Zielgerade gehe, sei es einfacher, sich gemeinsam auf die Prüfungen vorzubereiten, lassen sie ihre gemeinsame Motivation durchblicken. So ganz nebenbei konnten die Nord-Bremer, die bis auf Maike Mader das Gymnasium Vegesack besuchen, am eigenen Leib testen, ob sie vom „Hotel Mama“ Abschied nehmen können.

So ganz auf sich gestellt waren die Abiturienten nicht. Hilfe vor allem bei den Abi-Aufgaben gab es von jungen Leuten aus der Kirchengemeinde: Jan Timo Bäumler, 23 Jahre, und Maike Baumheier waren dafür zuständig. Die 19-Jährige leistet in der Gemeinde gerade ein Freiwilliges Soziales Jahr (FSJ). Jan Timo Bäumler leitete die WG ehrenamtlich.

Zu Hause sei wirklich produktives Lernen des Stoffes kaum möglich, hatten die sechs ihre Teilnahme am Experiment begründet. „Ich würde mich sehr leicht ablenken lassen“, sprach Maike Mader ihren WG-Bewohnern bei einem Besuch unserer Zeitung aus dem Herzen. In der Abi-WG war alles etwas anders: Die Bremer konnten sich gegenseitig helfen und die Zeit bis zum Beginn des Studiums oder der Berufsausbildung noch gemeinsam verbringen. Es war eine Kombination von Lernen und Spaß.

Das Bremer Abi-WG-Projekt war in dieser Form bislang einmalig in der Bundesrepublik. Selbst Reinhard Mawick, Pressesprecher der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), musste zugeben, dass er noch nie gehört hat, „ob es im Bereich der EKD ähnliche Projekte gibt“. Ob junge Leute mit solchen und ähnlichen Angeboten dauerhaft an die Kirche gebunden werden können, weiß Mawick nicht: „Das ist von sehr vielen Faktoren abhängig.“ Nur eines ist laut EKD-Mann klar: Damit Jugendliche am Gemeindeleben teilnehmen, müsse man spezifische Angebote machen.

Dass die jungen Leute mit klassischer Gemeindearbeit längst nicht mehr hinter dem Ofen hervorzulocken sind, wissen die meisten Kirchenvertreter längst. Nicht umsonst machen sich Gemeinden wie St. Martini in Bremen verstärkt Gedanken darüber, wie sie Jugendliche erreichen können. „Das Evangelium an Leute heranzubringen“ funktioniere am besten durch Alltagssituationen – und die ließen sich durch Projekte wie die Abi-WG erlebbar machen, so Dieter Niermann, Diakon der Gemeinde: „Wir können zeigen, wie man in einer christlichen Gemeinschaft leben kann.“ Übrigens, eine Konfi-WG für Konfirmanden gab es auch schon.

Dass die Abi-Wohngemeinschaft mehr als ein Gag war, davon zeigten sich St.-Martini-FSJlerin Baumheier und WG-Leiter Bäumler überzeugt. Sie sahen das Training in Sachen Selbstständigkeit als Angebot speziell für ältere Jugendliche und junge Erwachsene. In der Kinder- und Jugendarbeit gebe es nur Veranstaltungen für Jugendliche bis 16 Jahren. „Danach ist Schluss“, sagte Bäumler.

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