Bremer Heimstiftung und Uni erproben gemeinsam mit Senioren den Einsatz von Computern

Per Mausklick bei Freunden

Johann Dohrmann schaut sich mit Melanie Rehberg sein Fotoalbum an.

Bremen - Von Sandra Wagner· Noch ist es ungewöhnlich, doch vielleicht gehören diese Bilder schon bald zum Alltag: In der Wohnküche der Stiftungsresidenz St. Ilsabeen der Bremer Heimstiftung steht ein Laptop. Auf dem Bildschirm ist das Gesicht einer Frau zu sehen. Gegenüber hat Luise Otte, Bewohnerin des Hauses, Platz genommen.

Schnell ist sie mit ihrer Betreuerin am anderen Ende der Leitung im Gespräch und plaudert angeregt. „Es ist schön, den anderen zu sehen – als säßen wir hier zusammen“, sagt Luise Otte. Einige Zimmer weiter dient der Laptop dazu, sich Fotos anzusehen. Der 102-jährige Johann Dohrmann nutzt die Technik, um in seinem virtuellen Familienalbum zu blättern. Enkel, Kinder, die Ehefrau und Familienfeiern wechseln auf dem Bildschirm einander ab. Ein Pflegeschüler schaut vorbei und setzt sich dazu.

Hintergrund dieser Szenen ist ein Pilotprojekt mit dem Namen IT-Assist, das die Heimstiftung jetzt gemeinsam mit dem Technologie-Zentrum Informatik und Informationstechnik (TZI) der Uni Bremen und der Rehavista GmbH in der Stiftungsresidenz St. Ilsabeen in Bremen-Nord umsetzt. Erstmals werden hier gemeinsam mit Bewohnern für ältere und an Demenz erkrankte Menschen entwickelte Computer und Programme erprobt. Sie weisen eine vereinfachte, vergrößerte Bildschirmdarstellung mit bildhaften Symbolen auf. Ein Klick auf einen breiten, auch von zittrigen Händen zu bedienenden Button ermöglicht es den Benutzern unter anderem, Fotobücher anzuschauen, Spiele zu spielen oder ganz individuell das Gedächtnis zu trainieren.

Damit aber nicht genug: Über eine installierte Kamera ist es möglich, sich via Bildtelefon mit Angehörigen weltweit auszutauschen. „Mit dem Projekt IT-Assist verfolgen wir zwei Ziele: Zum einen dem Gehirn von älteren Menschen über Computerangebote neue Aufgaben und Anregungen zu bieten, zum anderen ihre sozialen Kontakte aufrechtzuerhalten. Viele sind aufgrund körperlicher Einschränkungen nicht mehr in der Lage, die Lieben zu besuchen. Über das sogenannte Skypen bekommen sie die Möglichkeit, das Familienleben weiterhin zu verfolgen. „Der Computer holt die Welt ,draußen‘ für sie in die Einrichtung“, erklärte Prof. Dr. Michael Lawo vom TZI.

Lawo hat mit seinem Institut das vorbereitet, was nun im Rahmen einer Schülerstation in einem Praxistest durchgeführt wird. Rund 20 Schüler aus der Schule für Altenpflege des Bildungszentrums der Heimstiftung organisieren derzeit den Alltag im Pflegebereich der Stiftungsresidenz St. Ilsabeen. Dazu gehört auch die Auseinandersetzung mit dem Computer. Vorab haben sich die Schüler ausführlich über die Senioren informiert und mit deren Angehörigen gesprochen. So genannte „Schatzkästchen“ halten nun Wissenswertes zu Beruf, Lebenslauf, Familie, Vorlieben oder Abneigungen bereit. Mit diesen Infos wurde das Computerprogramm auf jeden einzelnen Bewohner zugeschnitten.

Johann Dohrmann nutzt den Laptop nun fast täglich. „Ich schaue mir am liebsten die Bilder an, die ich Ewigkeiten nicht mehr gesehen habe. So groß auf dem Bildschirm entdecke ich immer wieder Neues auf ihnen“, so der 102-Jährige. Schüler Waldemar Geng, der die Bewohnerin Gisela Gerads beim Gedächtnistraining begleitet, berichtet von ersten Erfolgen: „Sie ist schon nach einer Woche schneller und aufmerksamer geworden.“

Auf lange Sicht soll der IT-Assist in allen 25 Einrichtungen der Heimstiftung Einzug halten.

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