„Mein Kunst-Stück“ mit Birte Plutat

Mauerwerk auf Plakat

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Birte Plutat sucht noch einen Namen für ihr Werk aus der Reihe „Murals“.

Bremen - Von Ilka Langkowski. „Murals“ (englisch für Wandmalereien oder -gemälde) heißt die Werkreihe, aus der Birte Plutat ein Bild in unserer Serie „Mein Kunst-Stück“ vorstellt. Es ist eine Collage aus alten Plakat- und Ziegelschichten. Das Material fand die Künstlerin am Fuße einer Unterführung.

„Seit Jahren fahre ich immer wieder durch diese Unterführung“, erzählt Birte Plutat. „Irgendwann fand ich die abgefallenen Stücke und dachte ‚wow!‘.“ Inspiriert nahm Plutat den Müll mit. Auf der Rückseite der Papierfetzen hing eine fragile Schicht des Mauerwerks. „Offenbar war der Plakatkleber beständiger als die Ziegelwand“, sagt die Künstlerin.

Das abgebildete Werk, das noch keinen Namen hat, zählt zu ihrer Werkreihe „Murals“. In ihr verarbeitet Plutat Plakatreste, nacktes Papier, Mauerreste, Abdrücke, Verfärbungen und Schmutz zu Collagen. Deren Größe richtet sich nach dem verwendeten Material. Jede Schicht wird vorsichtig geleimt und getrocknet. Was direkt auseinanderzufallen droht, wird gleich fixiert.

Während einige ihrer „Murals“ in Ausstellungen zu sehen sind, bleibt das hier vorgestellte Bild noch im Atelier. „Ich traue mich nicht, es zu transportieren“, erklärt Plutat. „Es besitzt sehr feine Strukturen aus Mörtel und Spinnenwebresten, die beim Transport abfallen könnten.“ Außerdem sucht sie noch nach einem passenden Namen. Ein Titel gebe dem Betrachter einen Hinweis, was der Künstler ausdrücken möchte, erklärt die Malerin. „Trotzdem ist die Geschichte, die der einzelne darin liest, immer eine andere,“ sagt die Bremerin.

Blick für ungewöhnliche Dinge

Plutat hat einen Blick für ungewöhnliche Dinge im Alltag. Dinge, die einem erst auf den zweiten Blick auffallen. Etwa für eine Fliege, die, auf dem Bein der Malerin sitzend, vom Kuhgraben bis zum Stern mitradelte. Und Plutat fragt sich: Haben Fliegen ein Zuhause? Wie groß ist ihr Bewegungsradius? Aus diesen Gedanken entsteht dann eine Idee, zu der sich im Idealfall noch Ästhetik gesellt.

Obwohl Plutat bereits als Schülerin in einer kleinen Malgruppe war, wurde sie Bibliothekarin und studierte später Indologie. Eine Ausstellung in Köln vor rund zehn Jahren bescherte ihr ein Aha-Erlebnis. „Zuvor hatte ich moderne Kunst nie verstanden – und plötzlich hat es klick gemacht.“ Um den eigenen Wunsch, sich künstlerisch auszudrücken, umzusetzen, eignete sich Plutat das handwerkliche Können an, besuchte Seminare und die Hochschule für Bildende Künste.

Vier Tage für die Kunst

„Die Idee ohne das handwerkliche Werkzeug bringt einen nicht weit“, stellt sie lakonisch fest. Ihre Woche teilt sich in drei Tage zum Broterwerb und vier Tage für die Kunst. „Es ist herrlich, morgens ins Atelier zu gehen und zu gucken, was so entstanden ist.“ Voraussetzung sei es, dranzubleiben, durch Familie und Beruf den Faden nicht zu verlieren und gelassen zu bleiben, wenn etwas nicht hundertprozentig klappt.

Ob wir Kunst brauchen? „Oh, ja. Wir brauchen sie für unsere geistige Entwicklung, für die Möglichkeiten im Leben. Ich denke, dass sie wirklich notwendig ist. Sie ist eine universelle Sprache.“

Zu den Künstlern, die für Plutat besonders bedeutend sind, zählen der Bremer Maler Norbert Schwontkowski (1949 bis 2013) und die zeitgenössische Künstlerin Rosemarie Trockel. Schwontkowski war für Plutat eine Erleuchtung. „In seiner Ausstellung ‚Kino‘ stand ich mit offenem Mund. Seine Technik sieht ganz einfach aus, mit wenig Elementen. Und die Geschichten sind doch so schön, voller Humor und Tiefe.“ Trockel hingegen arbeite viel mit Textil und Garn. „Ihre Werke und Objekte sind jedoch völlig aus der Frauen- und Handarbeitsecke raus. Einfach toll.“

Wenn Plutat jemandem ein Bild als Botschaft schicken sollte, dann ginge ein Insektenbild an den Konzern „Monsanto“, der Saatgut und Herbizide herstellt. „Damit sie mal gucken, was sie durch Agrarindustrie, Monokulturen und Herbizide zerstören.“

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