Neuer Vorwurf: 22-Jähriger soll einen Mann zum Sex gezwungen haben

Massage oder Misshandlung?

Vor Gericht: Der 22-jährige Angeklagte kommt in den Saal. Im Vordergrund: Anwältin Barbara Kopp. Foto: KOLLER

Bremen - Von Steffen Koller. Messerattacken, Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte, Bedrohung – und jetzt noch der Vorwurf der Vergewaltigung. Die Liste der Straftaten, die einem 22-jährigen Mann vor dem Bremer Amtsgericht vorgeworfen werden, wird länger und länger. Am Donnerstag hat das Gericht ein weiteres Verfahren mit den bisherigen Vorwürfen verbunden. Während die Anklage von erzwungenem Oralverkehr sprach, hieß es vom 22-Jährigen, der Sex sei „höchst einvernehmlich“ geschehen.

Bereits zu Prozessauftakt Ende März stand der Vorwurf der Vergewaltigung im Raum. Doch weder, wann die mutmaßliche Tat passiert sein soll, noch, wer Opfer war und unter welchen Umständen es zum Missbrauch kam, wurde deutlich. Das hat sich geändert: So wirft die Staatsanwaltschaft dem 22-Jährigen, der nach eigenen Angaben als Waisenkind in der somalischen Hauptstadt Mogadischu aufwuchs, vor, Anfang Juli 2019 einen flüchtigen Bekannten in seiner Wohnung in Bremen vergewaltigt zu haben. Die Anklage sprach dabei von einer „angetäuschten Rückenmassage“, die der Somalier dazu genutzt haben soll, dass sich das mutmaßliche Opfer auszog. Doch zur Massage kam es nicht, so die Anklage. Stattdessen soll der 22-Jährige sein Opfer zunächst ans Geschlechtsorgan gefasst und ihn im Anschluss gegen dessen Willen oral befriedigt haben. Mehrfach habe der Mann „Nein“ gesagt, doch laut Staatsanwaltschaft drohte der Angeklagte mit folgenden Worten: „Mach’ mit, oder Du wirst sehen, was Du davon hast.“ Der 22-Jährige, der die Anklageverlesung zunächst äußerlich ohne Regung aufnahm, wollte sich wenig später umgehend zur Sache äußern – und tat dies nach kurzer Beratung mit seiner Verteidigerin auch. Seiner Auffassung nach sei der Sex „höchst einvernehmlich“ passiert, übersetzte ein Dolmetscher. Und nicht nur ein Mal. So hätten sich die beiden wenige Wochen später abermals getroffen, wieder sei es zum Sex gekommen, wieder sei alles freiwillig geschehen. Das Opfer hatte den Angeklagten nur um eins gebeten: Diskretion. Doch der 22-Jährige plauderte nach eigenen Angaben wenige Wochen danach „im betrunkenen Kopf“ die Sache aus. Darüber sei sein Sexualpartner wohl „sehr böse“ gewesen – kurz danach folgte die Anzeige.

Das Amtsgericht muss zudem zwei mögliche Messerattacken des Angeklagten verhandeln. Im Februar 2019 soll er einem Mann ein Messer in den Hals gestoßen haben. Hierzu hieß es vom Somalier, er habe den Mann zwar angegriffen, jedoch erst, als dieser ihm seine Halskette stehlen wollte. Statt mit einem Messer habe er mit einer abgebrochenen Flasche zugeschlagen. Kurz vor dem Angriff sei es zum Sex zwischen ihm und dem mutmaßlichen Opfer gekommen. Das war es dann auch vom Angeklagten. Zu einer weiteren Attacke, bei der ein Mann Kopfverletzungen und eine Schnittwunde am Hals erlitt, die mit 20 Stichen genäht werden musste, wollte er nichts sagen. Das mutmaßliche Opfer sei sein bester Freund gewesen, er am Tattag zudem „sehr betrunken“.

Licht ins Dunkel sollen jetzt Zeugen bringen. Die ersten sind für Donnerstag, 7.  Mai, geladen.

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