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Maskenlos einkaufen? Handel und Gastro setzen oft auf Freiwilligkeit

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Von: Martin Kowalewski

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Bittet um Maske beim Frühstücksbüfett: Detlef Pauls, Geschäftsführer im Hotel Munte am Stadtwald, zeigt sein Hinweisschild.
Bittet um Maske beim Frühstücksbüfett: Detlef Pauls, Geschäftsführer im Hotel Munte am Stadtwald, zeigt sein Hinweisschild. © Kowalewski

Bremen – Die Maskenpflicht in Geschäften und Gastronomie gilt nicht mehr, die meisten Schutzmaßnahmen gegen Corona sind aufgehoben – jedenfalls erstmal. Gesundheitssenatorin Claudia Bernhard (Linke) rät aufgrund der Infektionslage, Bremen zum Hotspot zu erklären und die Maskenpflicht beizubehalten. Das ist derzeit nur per Hausrecht möglich. Wie handhabt das der Bremer Einzelhandel?

Wie im Kaufhaus Galeria wird im Modehaus Ristedt keine Maske verlangt. Viele Kunden trügen aber freiwillig einen Schutz, sagt Geschäftsführer Jens Ristedt, der auch Vorsitzender der City-Initiative ist. In seinem Geschäft fänden eher Fachberatungen statt, als dass sich große Menschenansammlungen einfänden. Seine Mitarbeiter haben beschlossen, aus Eigenschutz eine Maske zu tragen.

Auch Björn Harste, Inhaber eines Edeka-Marktes in der Neustadt, will die Maskenpflicht nicht zwangsweise durchsetzen. Es gebe viele Beweggründe für Kunden, die gern Maske tragen wollten. Harste nennt beispielsweise die Entwöhnung des Immunsystems. Es blieben einige Maßnahmen im Supermarkt erhalten, etwa der Schutz an den Kassen. Auch gibt es einen Spender mit Desinfektionstüchern für Einkaufswagen und Körbe.

„Wir begrüßen es, wenn alle Personen, die sich im Markt aufhalten, eine Maske tragen“, sagt Sarah Schumacher, Marketing-Leiterin bei Lestra in Horn. Auch hier setzt man auf Freiwilligkeit. „Wir fühlen uns von der Politik alleingelassen. Wir hätten uns klarere Regeln gewünscht.“ Man könne den Kunden nicht erklären, warum man in einem Geschäft eine Maske tragen müsse, im anderen aber nicht. Die meisten Lestra-Kunden blieben bisher freiwillig bei der Maske.

Desinfektionstücher bietet Björn Harste in einem Edeka-Markt in der Neustadt weiterhin an.
Desinfektionstücher bietet Björn Harste in einem Edeka-Markt in der Neustadt weiterhin an. © Kowalewski

Unterschiedliche Regelungen finden sich in der Gastronomie. Ein Gang durchs Viertel zeigt: Gastronomen sind teilweise sehr vorsichtig. Da wird 3G verlangt, 2G, das Tragen eines Mundschutzes oder 2G samt Maske. Andere verzichten auf Vorgaben. Cyrill Plötz, Inhaber der Restaurants „Bandonion“ und „Toucan“, verlangt keine Maske und auch keine weiteren Nachweise. „Ich bin froh, dass ich die Schilder abreißen kann“, betont Plötz. Viele Gäste setzten freiwillig eine Maske auf. Plötz findet, die Menschen sollten das in Eigenverantwortung entscheiden.

Auf Freiwilligkeit setzt auch das Hotel Munte am Stadtwald samt seiner Gastronomien „Wels“ und „Trattoria del Bosco“. „Wir bitten unsere Mitarbeiter, eine Maske zu tragen – aus Eigenschutz“, sagt Detlef Pauls, Geschäftsführer und zudem Präsident des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbandes (Dehoga) Bremen. Er befürchtet, wie viele seiner Kollegen, das Szenario, in dem viele Mitarbeiter gleichzeitig in Quarantäne müssen. Zu solchen Szenarien sei es an der Ostsee gekommen. „Wir bitten darum, am Frühstücksbüfett eine Maske zu tragen“, sagt Pauls. Am Platz dürfe diese dann abgenommen werden. „Wir haben vernünftige Gäste. Die machen das“, bekräftigt Pauls. Jeder Gastronom müsse selbst entscheiden, wie er mit der Situation umgeht. „Einen Teil der Gäste wird er vor den Kopf stoßen.“

In der Gastronomie in Bremen ist Fingerspitzengefühl gefragt

Oliver Trey, Vorsitzender der Bremer Gastro-Gesellschaft (BGG), berichtet von unterschiedlichen Entscheidungen der Gastronomen. Viele verlangten weiterhin Masken, einige auch 3G, meist alternativ zur Maske. In Treys Gastronomien, dem Burgerladen „Little Butcher“ und dem Café „Ihretwegen“ in Findorff, soll situationsabhängig mit Fingerspitzengefühl reagiert werden.

Schon bald könnte die neue Wahlfreiheit hinfällig sein, sollte Bremen zum Hotspot erklärt werden. Als Pauls das am Freitag hörte, dachte er zunächst an einen Aprilscherz. Er vermisst Respekt gegenüber seiner Branche mit etwa zwei Millionen Beschäftigten (einschließlich Catering-Unternehmen), die sehr von Kurzarbeit betroffen war. Die Hospitalisierungsrate sei in Bremen bisher nicht so hoch. „Was bedeutet es für Geschäfte in Bremen, wenn Niedersachsen das nicht macht?“, fragt er sich. Im Umland wäre die gesetzliche Regelung dann lockerer als in Bremen. Hintergrund: Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) könnte sich durchaus eine Hotspot-Regelung vorstellen, befürchtet aber, dass diese gleich wieder vom OVG Lüneburg einkassiert wird.

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