Matjes-Saison startet im „Epizentrum Bremen“ auf „Plattdüütsch“

Marzipan aus Holland

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Der Matjes aus Holland ist da: Sommelier Mike Wöbke aus Travemünde testet ihn. Moderator Yared Dibaba wartet schon auf sein Urteil. Bürgerschaftspräsidentin Antje Grotheer schaut gebannt zu.

Bremen - Von Martin Kowalewski. „Hochdüütsch oder Plattdüütsch“, fragt Yared Dibaba. Die Antwort aus dem Publikum ist eindeutig: „Plattdüütsch“. Der Moderator ernennt Bremen zum „Matjes-Epizentrum vonne Welt“. Auf dem Domshof, neben dem Wochenmarkt, ist es am Mittwochmittag mit mehreren hundert meist älteren Zuschauern prallvoll, als mit der Veranstaltung „Moin Moin, Matjes“ die Matjessaison eröffnet wird.

Acht Fischfreunde sitzen vor der Veranstaltungsbühne an einem Tisch und werden mit dem frisch aus Holland eingetroffenen Matjes verwöhnt. Fischsommelier Mike Wöbke (53) aus Travemünde schwelgt: „Innen sieht er aus wie Marzipan.“ Bei einem ersten Happen vor der Verkostung schwärmt er: „Der Matjes hat so viel Fett, dass er im Mund cremig wird.“

Nach dem traditionellen holländischen Matjes folgen neue Kreationen: Matjes-Sushi und Matjes-Tacos. „Ausgesprochen gut. Sushi lieb ich sowieso“, sagt Karin (64) aus Bremen. Nebenan sagt Dietmar: „Die Tacos mit Rote-Bete-Soße sind eine gute Kombination. Das ist mal eine neue Idee.“ Moderator Dibaba geht mit einer Platte Matjes durchs Publikum und bietet ein paar Snacks an, herzlich und direkt: „Sie fallen gleich vom Fleisch, junger Mann. Packen Sie ihn am Schwanz, ich meine den Hering.“

Matjes steckt auch im Nachtisch. Es wird Rhabarber serviert. Ramon Locker (Nomena Struß) vom „Golden City“, der mit seinen Kollegen während der Veranstaltung mehrere Seemannslieder spielt, sagt: „Das ist eine Geschmacksexplosion. Richtig gut.“ Nach dem Matjes-Menü sind die acht Probe-Esser um einige Erfahrungen reicher. „Das Sushi war ganz nett. Der Rhabarber war nicht so mein Ding“, sagt Jutta Heinke (72) aus Stuhr.

„Moin Moin, Matjes“ auf dem Domshof

„Moin Moin, Matjes“ auf dem Domshof
 © Martin Kowalewski
„Moin Moin, Matjes“ auf dem Domshof
 © Martin Kowalewski
„Moin Moin, Matjes“ auf dem Domshof
 © Martin Kowalewski
„Moin Moin, Matjes“ auf dem Domshof
 © Martin Kowalewski
„Moin Moin, Matjes“ auf dem Domshof
 © Martin Kowalewski
„Moin Moin, Matjes“ auf dem Domshof
 © Martin Kowalewsk i
„Moin Moin, Matjes“ auf dem Domshof
 © Martin Kowalewski
„Moin Moin, Matjes“ auf dem Domshof
 © Martin Kowalewski
„Moin Moin, Matjes“ auf dem Domshof
 © Martin Kowalewski
„Moin Moin, Matjes“ auf dem Domshof
 © Martin Kowalewski
„Moin Moin, Matjes“ auf dem Domshof
 © Martin Kow alewski
„Moin Moin, Matjes“ auf dem Domshof
 © Martin Kowalewski
„Moin Moin, Matjes“ auf dem Domshof
 © Martin Kowalewski

Sommelier Wöbke sagt: „Der Rhabarber hätte ruhig noch süßer gekocht werden können. Das hat man sich noch nicht getraut. Es gibt den Trend, Matjes mit süßen Sachen zu kombinieren. Die Tacos kannte ich nicht. Die waren toll.“ Es sei an der Zeit, dem Matjes ein neues Kleid zu geben, um junge Käufer besser zu erreichen.

Die Zuschauer erfahren viel über Matjes, als Dibaba Matthias Keller vom Hamburger Fischinformationszentrum zu Matjes-Fakten befragt. Der sagt, dass das Wort Matjes vom holländischen Wort für Mädchen, die eben zart sind, kommt. Bei Föten im Mutterleib sei Matjes gut für die Entwicklung von Gehirn und Augen, bei Älteren sei er gut für die Pumpe. „Anfang Juni ist der Fettgehalt des Herings besonders hoch. Deshalb verschluckt sich keiner, wenn man ihn oral aufnimmt“, sagt Keller. Dibaba ergänzt: „Oral heißt mit dem Mund.“

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