„Mein Kunst-Stück“ mit Barbara Deutschmann: „Lapis Cereus IX“

Marmor trifft Paraffin

Stein und Wachs verarbeitet Barbara Deutschmann zu Kunstwerken. - Foto: Langkowski

Bremen - Von Ilka Langkowski. „Lapis Cereus IX“ heißt Barbara Deutschmanns Plastik, die sie in unserer Serie „Mein Kunst-Stück“ vorstellt. Es ist eine Skulptur aus Marmor und Paraffin. Das lichtdurchlässige Paraffin erlaubt eine Ahnung von der inneren Form des Steins.

„Bei diesem Objekt ist mir das Zusammenspiel von innerem und äußerem Volumen ganz gut gelungen“, sagt Barbara Deutschmann. „Lapis Cereus“ (zu deutsch: „Stein Wachs“) ist in sich leicht gedreht. Nicht mehr als eine verhaltene Geste, sagt seine Erschafferin. Das gebe dem streng geometrischen Körper einen Moment der Bewegung. Die milchigen Teile sind aus Paraffin, die dunklen Schrägen, die aus im Inneren durchscheinen, bestehen aus Hartwachs.

Das Spannende an dem schweren Quader sind die gegensätzlichen Eigenschaften von weichem Wachs und hartem Stein, von warm und kalt. Der Schwerpunkt liegt allerdings auf der Transparenz des Paraffins. Es lässt Licht hindurch und hält zugleich die geschlossene Form des Quaders aufrecht. Das Paraffin wird zwar in die Form gegossen, ist aber deutlich stabiler als Kerzenwachs. Die Idee zu der Wachs-Stein-Kombination kam der Bremer Künstlerin, als sie versuchshalber den Raum zwischen einer Büste und der dazugehörigen Rückwand mit Kerzenwachs auffüllte. „Das wirkte irgendwie geheimnisvoll und warm“, sagt Deutschmann. „Kein anderes Material bietet mir diese Eigenschaften.“ Den gleichen Effekt mit Glas oder Kristall erzielen zu wollen, wäre technisch kaum umsetzbar und bedürfte vorab eines Lottogewinns, erzählt die Bildhauerin fröhlich.

Ihr künstlerischer Berufsweg startete mit einer Ausbildung zur Theaterplastikerin in Mannheim. Das fand Deutschmann hochinteressant. Als dann ihre Mitbewohnerin aus Bremen für ihre Heimatstadt warb, begann Deutschmann, Bildhauerei an der Hochschule für Künste (HfK) in Bremen zu studieren. Die größte Herausforderung des hauptberuflichen Künstlerlebens sieht sie in der Sicherung des Existenzminimums. Das Finanzielle lasse sich einfach nicht einschätzen, sagt sie. Nebenbei verdient die Bildhauerin unter anderem Geld durch Kurse, so zum Besipiel Ende Juli an der „Sommerakademie“ in Bremerhaven. „Da kann jeder mitmachen“, sagt sie. Obwohl die verschiedenen Aufgaben ihr Spaß machen, lenken sie doch jedes Mal von dem künstlerischen Produktionsprozess ab.

„Optimal wäre es, wenn man durchgehend an seiner Atelier-Arbeit dranbleiben könnte“, so die Künstlerin. „Diese Arbeit bedarf unheimlich viel Zeit und Ruhe.“ Deswegen erledigt Deutschmann meist vormittags die Büroarbeit. „Dann im Atelier open end zu haben, das ist das Beste.“ Wozu wir Kunst brauchen? Wenn wir keine Kunst hätten, würde alles ganz anders aussehen, sagt Deutschmann. Design und Architektur hätten ihren Ursprung in der Kunst, einfach alles Ästhetische in unserer Umwelt. Auch wenn uns das gar nicht bewusst sei. Ein einzelnes Kunstwerk sei ein Gegenstand ohne praktischen Zweck. Es stehe ganz für sich selbst. Dabei erzeuge es Emotionen und biete Reflexionsmöglichkeiten.

Zu den Künstlern, die für Deutschmann besonders bedeutend sind, zählen Max Beckmann (1884–1950), dessen „krasse Porträts und Szenerien in starken Kontrasten“ Deutschmann schon als Jugendliche faszinierten, sowie der Bildhauer Jens Trimpin aus Mannheim, mit dem die Wahl-Bremerin seit mehr als 30 Jahren befreundet ist.

Wenn Deutschmann jemandem eine Skulptur als Botschaft schicken sollte, dann ginge ein besonders schönes Exemplar an den Tenor Jonas Kaufmann: „Seine Musik hat mir schon so viel Freude gegeben.“

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