„Tag des offenen Denkmals“

Eine Stippvisite in der Bremer Baumwollbörse

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Marmor, Stuck, verschnökelte Treppengeländer, Terrazzo-Fußboden und die Lampe eines Kopenhagener Künstlers – die Baumwollbörse bietet mächtige und prächtige Einblicke.

Bremen - Von Jörg Esser. Architektur ist ein Herrschaftszeichen. Sie verweist auf die gesellschaftliche Stellung der Auftraggeber. Eben dieses Zusammenspiel will auch das Motto des Denkmalstags deutlich machen – „Macht und Pracht“. Im Land Bremen öffneten am Sonntag 59 Denkmäler ihre Pforten. Unter anderem die Baumwollbörse.

„Wirtschaftliche, politische und religiöse Macht spiegeln sich in Kunst und eben Architektur wider“, sagt Prof. Dr. Georg Skalecki, Bremens oberster Denkmalschützer. Üppiger Fassadenschmuck ziert noch heute markante und bekannte Bauwerke wie das Rathaus und das Haus Schütting, die Machtzentrale der Kaufmannschaft, und diverse Bankhäuser am Domshof. Prächtige Gebäude stammen aus der Zeit des Historismus und der Gründerzeit, als es das Bürgertum zu Wohlstand brachte und als der Handel weiter aufblühte.

Erste Ballen wurden 1784 an der Schlachte umgeschlagen

Die Hansestadt ist seit jeher Handelsstadt. Und die Kaufleute setzen unter anderem auf Baumwolle. 1784 werden die ersten vier Ballen an der Schlachte umgeschlagen. Mitte des 19. Jahrhunderts blüht der Baumwollhandel auf. Und Bremen ist mittendrin – wird neben Liverpool, Manchester und Le Havre zum größten europäischen Handelsplatz. 1872 dann schließen sich die am Baumwollhandel beteiligten Firmen zum „Bremer Verein Baumwollbörse“ zusammen, der noch heute besteht.

Kurz vor der Jahrhundertwende beschließt der Verein, ein neues Verwaltungsgebäude zu errichten. Beauftragt wird der Architekt Johann Georg Poppe, der auch den Firmensitz des Norddeutschen Lloyd und das Wasserwerk auf dem Stadtwerder („umgedrehte Kommode“) entwarf.

An der Wachtstraße entsteht ein opulenter Prachtbau, der schließlich 1902 bezogen wird. Und der bis heute kaum etwas von seiner Anziehungskraft verloren hat. „Für Bremen war es ein sensationeller Bau“, sagt Gästeführerin Monika Kunze von der Bremer Touristik-Zentrale, die am Denkmalstag just zum fünften Mal eine Besucherschar durchs Gebäude führt. Die Baumwollbörse ist ein Eisenskelettbau. Das heißt unter anderem: Die Innenwände sind flexibel verschiebbar. Der Mainzer Stein an der Fassade ist mittlerweile Oberkirchener Sandstein gewichen. Und die Fassade ist nach dem Zweiten Weltkrieg, als das Gebäude zu 60 Prozent zerstört wurde, auch entschnörkelt worden. Schlichte Eleganz eben.

Einer der letzten Paternoster in Bremen

Wer das Gebäude betritt, trifft im Portal auf Hermes. Der Götterbote ist sichtbar in die Jahre gekommen. Die Zeit auf dem Dach des Gebäudes haben an ihm genagt – Grünspan, Einschusslöcher. Was soll’s. Das Portal ist mit Lünettenmosaiken verziert, geschaffen nach Plänen des Künstlers Hermann Prell. Sie zeigen Allegorien des Baumwollhandels. „Die Schönheit“ beispielsweise enthält ein bayerisches Wappen. Muss man ja nicht mögen.

Weiter geht’s. Ins Treppenhaus des sechsstöckigen Gebäudes. Marmor, Terrazzo-Fußboden, wunderbar geschnörkelte Geländer. Und die Lampe eines Kopenhagener Künstlers (1958 aufgehängt) als Blickfang. Es gibt einen Lastenaufzug. Und noch fährt auch ein Paternoster, einer der letzten in Bremen. In der Baumwollbörse lagern immer noch jede Menge Baumwollproben. Das Haus wird aber vor allem als Bürogebäude genutzt.

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