Zurück zu den Ursprüngen: Böttcherstraße zeigt „50 Jahre Haase & Knels“

Marken und Briefmarken

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Bremen - Von Thomas Kuzaj. „Mensch, Kinners, könnt Ihr mir nicht mal ein Plakat für den großartigen Puppenspieler Albrecht Roser machen?“ Mit diesem Satz begann eine Zusammenarbeit, die Folgen haben sollte – für die Beteiligten und für die Böttcherstraße.

Sie ist Thema einer Ausstellung, die heute, Sonnabend, um 15 Uhr im Paula Modersohn-Becker Museum eröffnet wird. Hans Tallasch hatte den Satz 1961 ausgesprochen – in der Wohnung der Eltern von Fritz Haase. Die „Kinners“, das waren – eben – Fritz Haase, Jahrgang 1937, und Sibylle Knels (später: Haase), Jahrgang 1938. Die jungen Leute studierten an der, wie sie damals hieß, Staatlichen Kunstschule in Bremen. Hans Tallasch, Geschäftsführer der Böttcherstraße, brauchte gut gestaltete Plakate – für den Glas- und Porzellanladen der Werkschau, für die damalige Kunstschau Böttcherstraße, für die Crusoe-Halle. Geld für die Druckkosten? Gab es nicht. Das Plakat für den Puppenspieler entstand im Kartoffeldruck; Auflage: fünf Exemplare. Tallasch meldete sich wieder, brauchte ein Ausstellungsplakat. 20 Exemplare! Haase und Knels arbeiteten mit Pappschablonen. Handarbeit – kaum noch vorstellbar in digitalisierten Zeiten.

Schließlich überzeugten die „Kinners“ Tallasch, sie für 250 Mark eine Siebdruckanlage bauen zu lassen. Er brauchte ja mehr Plakate! Erster Siebdruck: das Plakat für eine Ausstellung mit Grafiken des Künstlers Horst Janssen in der Böttcherstraße, ebenfalls noch 1961.

Ein erhaltenes Exemplar des Janssen-Plakats hängt nun in der Ausstellung des Paula Modersohn-Becker Museums, die Sibylle und Fritz Haase bis zum 6. Oktober an ihre Ursprünge zurückbringt: „Alle Wege führen in die Böttcherstraße: 50 Jahre Haase & Knels – Atelier für Gestaltung“.

Sibylle und Fritz Haase mit Hans Tallasch (r.) in der Ausstellung. ·

50 Jahre? Ja, formal gegründet wurde das Atelier 1963. In der Böttcherstraße, das war naheliegend. Und die „Kinners“ machten sich mit ihrer Böttcherstraßen-Werbung einen Namen – international. Professor Fritz Haase: „Der Plakatdruck hat sich nie gerechnet. Aber wir wussten, wenn wir das machen können, werden wir schnell bekannt.“ Und: „Man muss viel investieren, damit man die nötige Freiheit hat.“ Die Zusammenarbeit reichte bis ins schon digitalisierte 21. Jahrhundert mit seinen veränderten Arbeitsformen, als die Böttcherstraßen-Geschäftsführerin Susanne Gerlach fortführte, was unter Tallasch begonnen hatte. Die Plakate des Gestalter-Paares wurden frühzeitig international beachtet, gewürdigt, ausgezeichnet – auch Ergebnis einer Zusammenarbeit, die vielleicht einzigartig, gewiss aber selten ist. Haase: „Die Böttcherstraße ist unser einziger Kunde, der uns jede Freiheit gewährt hat. Hier in der Böttcherstraße waren wir absolut frei.“

Einflüsse aus der Bildenden Kunst

Dieses Logo machte die Böttcherstraße zur Marke: Plakat von 1971 (oben). Eine der ersten Arbeiten des Gestalter-Paares – das Janssen-Plakat von 1961 (unten).

Die Böttcherstraße selbst profitierte davon ganz besonders. In den 70er Jahren entwickelten die Haases für sie die Werbung mit dem blauen Straßenschild, dem Pfeil und der Inschrift „Zur Böttcherstraße“. Mit diesem Logo gelang es, die Straße „zur Marke“ zu machen, sagt Dr. Frank Laukötter, Direktor der Kunstsammlungen Böttcherstraße. An Wochenenden juckelten die Haases mit ihrem R4 los, Kinder im Auto, Straßenschilder auf dem Dach. Auf Berggipfeln, im Watt, im Umland – überall wurde das Schild „Zur Böttcherstraße“ aufgestellt, aufgehängt, fotografiert. Längst nennt man so etwas „Guerilla-Marketing“. Fritz Haase: „In Kirchweyhe hängt heute noch ein Schild an einem Bauernhaus.“ Als Aufkleber erreichte es das Nordkap.

Die Ausstellung zeichnet das Bild einer klaren Schaffenslinie. Brüche, Unterbrechungen stehen nicht im Fokus – eher ist zu erkennen, wie die Bildende auf die Angewandte Kunst wirken kann. So lassen sich an den Plakaten nicht nur veränderte Arbeitsformen vor und nach der Digitalisierung ablesen, sondern auch Zeitströmungen und Einflüsse – die Pop Art nennt Laukötter als ein Beispiel.

Bekannt wurden die Haases auch für ihre Briefmarkenentwürfe. Als sie einmal, eine seltene Ehre, einen Motiv-Wunsch für die von ihnen gestaltete Dauerserie „Sehenswürdigkeiten“ äußern durften, fiel die Wahl – erraten! – auf die Böttcherstraße. Die Marke erschien 2001. Die nächste Haase-Marke erscheint am 1. Juli und zeigt Gerhard Richters Gemälde „Seestück“ von 1969.

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