Markanter Reibeisen-Rock

„AnnenMayKantereit“ rockt das textsichere Publikum in Halle 7

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Die markante Reibeisen-Stimme von Henning May ist das tragende Element der Kölner Band „AnnenMayKantereit“, die am Dienstagabend die ausverkaufte Halle 7 auf der Bürgerweide rockte. 

Bremen - Von Jörg Esser. Die Prozedur beginnt: eine halbe Stunde Vorgruppe, eine halbe Stunde Umbaupause. Dann geht's los. Die vier Musiker aus Köln in unauffälligen Outfit stürmen die unauffällige Bühne. Und legen einen Blitzstart hin. Von Null auf 100 in fünf Sekunden mit „Wohin Du gehst“: „AnnenMayKantereit“ (AMK) rockt die mit rund 5 000 Besuchern ausverkaufte und unbestuhlte Halle 7. 90 Minuten Vollgas. Handgemachter Rock.

„AnnenMayKantereit“ – das sind vier Kölner, alle so um die Mitte 20 – „Jungs von mittendrin“. Der Bandname setzt sich aus den Nachnamen der drei Gründungsmitglieder zusammen. Ganz einfach. Aber nicht einfallslos. Reduktion auf das Wesentliche eben. Christopher Annen, Henning May und Severin Kantereit haben mittlerweile den Bassisten Malte Huck an Bord geholt. Das passt. Die Band lebt von der markanten Reibeisen-Stimme Henning Mays. „Ein so junger und schmächtiger Typ mit einer so rauen Stimme, einfach geil“, sagt eine Mitvierzigerin – mit Glanz in den Augen. Mays Brummen trifft ins Mark. Wunderbar rau eben. Das klingt nach einer verrauchten Bar. Nach Whiskey. Oder doch nur nach WG. Was soll’s.

„Moin. Lange nicht hier gewesen. Zuletzt drüben imSchlachthof“, sagt May. „Aber wir kriegen das schon hin, dass es irgendwie schön wird.“ Weiter im Takt – mit „Es geht mir gut“. Das Publikum ist textsicher. Das belebt das Zusammenspiel zwischen Bühne und Saal. Nach 20 Minuten verstärkt erstmals der 19-jährige Kölner Trompeter Ferdinand Schwarz die Band. Für einen Song, später für weitere. Wow. Ein furioser Auftritt. Ein Volltreffer.

„Wir schreiben unsere Lieder selbst“, betont May. Sie handeln immer wieder von Liebe, vom WG-Leben, von Zukunftsängsten. „Wir treffen uns seit Tagen nur noch in deinem Bett. Ich vermisse deine Fragen und du bist viel zu nett. Und das mit uns tut mir nicht gut und ich würd mich so gern endlich von dir entfernen.“ Nichts Tiefschürfendes. Und viele Rumpelreime. Macht ja nichts. „AMK“ trifft den Zeitgeist. Mit den Texten. Und mit der Mischung aus Mundharmonika-Blues und Kuschelrock. Mainstream ohne Rebellencharme, ohne politische Attitüden. Mit Ukulele, Gitarre, Klavier, Schlagzeug und Cajon. Kurze Songs, wenig länger als drei Minuten. Die Kölner sind angekommen in der Musikszene. Zwei „Echos“ haben sie jüngst gewonnen. Sie füllen die Hallen auf ihrer Tournee. Die großen Hallen mittlerweile. „Wir machen seit fünf Jahren Musik, seit zwei Jahren können wir davon leben. Dafür möchten wir uns bedanken“, ruft May in die Halle. Das kommt gut an.

Zum Kaffeetrinken nach Bremen 

Nach Bremen reist Henning May immer gerne. Sagt er. Nicht nur zum Singen, auch zum Kaffeetrinken bei Oma. Da ist Papa nicht weit. Und der Song „Oft gefragt“ natürlich auch, Mays Liebeserklärung an seinen Vater. „Du hast mich abgeholt und hingebracht. Bist mitten in der Nacht wegen mir aufgewacht. Ich hab in letzter Zeit zu oft daran gedacht“, heißt es da. Und: „Zu Hause bist immer nur du. Du bist zu Hause für immer und mich.“

Das Publikum feiert. Die Lieder. Die eigene Textsicherheit. Die Band. Und als Zugabe gibt es den aktuellen Hit „Barfuß am Klavier“: „Ich hab mit dir gemeinsam einsam rumgesessen und geschwiegen. Ich erinner mich am besten als gemeinsam einsam liegen.“ Ein Song ohne Happyend. Schließlich sitzt der Held schon wieder barfuß am Klavier. Und träumt Liebeslieder. „Und singt dabei von dir.“

Demnächst träumen und singen die vier Kölner wohl in der Stadthalle. Vor noch mehr Fans, die dann brüllen: „Sing was. Ich will Deine Stimme hören.“

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