Marco Klock und Philipp Harsleben gründen erfolgreiches Start-up – eigentlich ungeplant

Plötzlich Unternehmer

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Philipp Harsleben (l.) und Marco Klock entlasten Anwaltskanzleien – mit einem digitalen Geschäftsmodell.

Bremen - Von Burkhard Peters. Nein, geplant hatten Marco Klock und Philipp Harsleben das alles nicht. Die beiden Jurastudenten wollten sich eigentlich nur ein paar Euro dazuverdienen.

Und plötzlich sind die jungen Männer erfolgreiche Unternehmensgründer. Ihr Geschäftsmodell – eine Online-Plattform, über die Anwälte Routinearbeiten auslagern können – finden Geldgeber so attraktiv, dass 256 Investoren innerhalb von 25 Tagen 200000 Euro bereitgestellt haben. Solch eine große Summe habe noch kein junges, innovatives Bremer Unternehmen – Neudeutsch Start-up – mittels Schwarmfinanzierung (Crowdfunding) in so kurzer Zeit einsammeln können, freuen sich die Firmengründer.

Die Erfolgsgeschichte beginnt als ganz normaler Nebenjob. „Wir haben in Kanzleien gejobt, um uns das Jurastudium finanzieren zu können“, berichtet Klock. Er und sein Kommilitone sind gut ausgelastet. Da kommt ihnen die Idee, überzählige Aufträge an Mitstudenten weiterzuvermitteln. Sie richten dazu eine Internetseite ein und nennen das Projekt „edicted.“. Die Studenten werfen Handzettel in die Briefkästen Bremer Anwaltskanzleien. „Wir wussten gar nicht, ob überhaupt jemand reagiert“, erinnert sich Marco Klock. Doch der erste Auftrag lässt nicht lang auf sich warten. Und immer mehr Anfragen trudeln ein, die Klock und Harsleben zunächst manuell über E-Mail an Kommilitonen vermitteln.

Mit ihren ersten Einnahmen frischen die jungen Männer ihre Internetseite auf und verschicken bundesweit Werbebriefe an Anwaltsbüros. Bis dahin alles noch als Nebenjob. Ihre Kunden ermuntern die Studenten, das Angebot auf eine professionelle Grundlage zu stellen. Gemeinsam mit einer Wirtschaftskanzlei aus Frankfurt, einem Rechtsdozenten aus Hamburg Kanzleien und einer IT-Agentur heben sie Anfang vorigen Jahres die „edicted GmbH“ aus der Taufe. Schon im ersten Jahr registrieren sich mehr als 350 Anwälte und Kanzleien als Auftraggeber und auf der anderen Seite mehr als 2800 Bearbeiter – Jurastudenten, Referendare und zugelassene Rechtsanwälte, die für die Kunden in unterschiedlichen Rechtsgebieten recherchieren.

Zahlen, die auch Anleger beeindrucken. Die Bremer Beteiligungs- und Managementgesellschaft investierte bereits Anfang 2015 einen sechsstelligen Betrag in das Bremer Start-up. Auf der Internetplattform Seedmatch, die kreative Jungunternehmer und Investoren zusammenführt, warben die Hanseaten um weiteres Kapitel. Und bekommen die angepeilte Summe von 200000 Euro in Rekordzeit zusammen. Das Geld wollen die Jungunternehmer vor allem in die Technologie investieren. Damit Bearbeiter und Auftraggeber noch schneller und präziser zusammenfinden.

Ein Beispiel: Eine Kanzlei benötigt eine Recherche zum Thema Familienrecht der „Bearbeiterstufe Student“. Eine Studentin, die sich besonders gut in diesem Rechtsgebiet auskennt, hat ihre Daten und ihr Profil bei „edicted.“ hinterlegt. An diesem Punkt beginnt die Technologie: Durch die automatisierte Auswertung der Daten von Auftrag und Profil wird genau dieser Studentin der Auftrag zur Bearbeitung zur Verfügung gestellt. Das spart Zeit, Geld und sichert die Qualität.

Während das so genannte Legal Outsourcing in den USA schon gang und gäbe sei, „ist es in Deutschland noch Neuland“, sagt Marco Klock. „Aber eines mit großem Potenzial“, betont er. So könnten Anwaltskanzleien fernab von Universitätsstädten, die bisher kaum Studenten als Aushilfen gewinnen konnten, von „edicted.“ profitieren. Und wegen der recht hohen Anwaltsdichte sei der Wettbewerb unter den Kanzleien groß, sagt Klock. Die Auslagerung helfe, Kosten zu sparen und Fachleute zu gewinnen. Die Jungunternehmer sehen eine große Zukunft für ihr Unternehmen.

Nur für das eigene Jurastudium bleibt ihnen im Moment keine Zeit.

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