Mammutprozess vor dem Ende

Landgericht schließt Beweisaufnahme im Totschlagsverfahren

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Angeklagt: Sipan G. (2.v.l.), seinem Onkel Hayrettin G. (2.v.r.) und Hayat G. (nicht im Bild) wird gemeinschaftlicher Totschlag zur Last gelegt. Am Montag will die Staatsanwaltschaft plädieren. 

Bremen - Von Steffen Koller. 70 Verhandlungstage, mehr als anderthalb Jahre Prozessdauer: Das Verfahren gegen drei Männer, denen der gemeinschaftliche Totschlag an einem 15-jährigen Jungen in der Silvesternacht 2016/2017 zur Last gelegt wird, steht vor dem Ende. Am Mittwoch hat das Bremer Landgericht die Beweisaufnahme geschlossen. Am Montag, 21. Januar, sollen die ersten Plädoyers folgen. Daran änderten auch zahlreiche Anträge der Verteidigung nichts.

Wäre es nach den Anwälten der drei Männer gegangen, die seit Mitte 2017 auf der Anklagebank sitzen, dann hätte das Schwurgericht unter Vorsitz von Richterin Andrea Schneider in den nächsten Wochen noch einiges zu tun.

Die Verteidiger sehen ihre Mandanten einem „Komplott“ ausgesetzt und sprachen von „gemeinschaftlich abgesprochenen Falschaussagen“ mehrerer Zeugen. Doch das Gericht schmetterte alle Anträge ab, die die Anwälte am Mittwoch stellten. Dabei ging es unter anderem um die mutmaßlichen Falschaussagen von insgesamt fünf Zeugen, gegen die die Staatsanwaltschaft mittlerweile auch ermittelt. Es ging um die Analyse von Textnachrichten, aber auch um medizinische Befunde, die die türkisch-stämmigen Angeklagten Hayat G. (37), seinen jüngeren Bruder Hayrettin G. (26) sowie den gemeinsamen Neffen Sipan G. (17, Deutsch-Armenier) womöglich noch entlastet könnten. Die Anklage wirft den Männern vor, den damals 15 Jahre alten Odai K. in der Silvesternacht 2016/2017 nach einem Streit in ein türkisches Café an der Lüssumer Heide in Blumenthal verfolgt und dort so schwer misshandelt zu haben, dass der Junge eine Woche später im Krankenhaus an seinen Verletzungen starb.

Bislang hat sich keiner der Angeklagten zu den Vorwürfen geäußert, umso mehr kam es im Prozess auf Zeugenaussagen an. Doch der gestaltete sich von Beginn äußerst schwierig, da einige Zeugen sich entweder nicht bei der Polizei meldeten oder vor Gericht nur mit Hilfe von viel Überredungskunst aussagten - und eben auch nicht immer die Wahrheit von sich gaben. Deshalb ermittelt mittlerweile auch die Staatsanwaltschaft gegen fünf Männer, die bei ihrer Aussage gelogen haben sollen.

Es ist einer dieser Umstände, die die Verteidiger am Mittwoch immer wieder hervorhoben. Das Gericht müsse dem „Konfrontationsvorhaben“ der Verteidiger „als Aufklärungsmöglichkeit entsprechen, wenn es sich nicht den Vorwurf zuziehen will, unfair zu praktizieren“, sagte Anwalt Martin Stucke. Den Sachverhalt weiter aufzuklären sei „mehr als notwendig“, so Stucke, der mit Blick auf seinen Mandanten Hayat G. ergänzte: „Ich streite für jemanden, der hier zu Unrecht sitzt.“ Alle drei Angeklagten sitzen seit Mitte Januar 2017 in Untersuchungshaft, zahlreiche Anträge, die Männer zu entlassen, wurden vom Gericht abgelehnt.

Der Prozess, um den es in den vergangenen Monaten ruhig geworden ist, hatte spektakulär begonnen. Am ersten Verhandlungstag prügelten mehrere Personen einen Zeugen vor dem Gerichtsgebäude nieder, an einem anderen Tag ging die Mutter des getöteten Jungen auf einen Angeklagten los. Auch der Vater von Odai K. musste von Justizbeamten in Schach gehalten und am Boden fixiert werden.

Der Prozess wird am Montag, 21. Januar, fortgesetzt.

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