Grüne greifen Kulturressort an

Geplantes Mahnmal an der Schlachte: Zank um den Zeitplan

Bremen - Von Thomas Kuzaj. Das geplante Mahnmal zur Erinnerung an den Raub jüdischen Eigentums in der NS-Zeit („Arisierungsmahnmal“) wird in Höhe der Zweiten Schlachtpforte in die Schlachte-Stufen integriert. Ein Baubeginn in diesem Jahr ist – Stand jetzt – unwahrscheinlich.

Den Grünen dauert die Umsetzung zu lange. Sie kritisieren die von ihrem Koalitionspartner SPD geführte Kulturbehörde. Die Gestaltung des Mahnmals orientiert sich an der Ursprungsidee, nach der das Mahnmal am Sitz des Speditionsunternehmens Kühne und Nagel entstehen sollte. 

Der Entwurf stammt von der Künstlerin Angie Oettingshausen. Nach den Plänen, die am Dienstag Thema in der Kulturdeputation waren, geben zwei Sichtfenster Blicke aus unterschiedlichen Perspektiven auf den Raum mit der eigentlichen Kunstinstallation frei. Geguckt werden kann von oben und von vorn.

Leerer Raum an prominenter Stelle

Die Installation ist ein in die Wand zwischen Weserpromenade und Schlachte eingelassener leerer Raum mit einer Grundfläche von 15 Quadratmetern. Die Sichtfenster sind jeweils vier Quadratmeter groß. Der Raum symbolisiert „Teile einer ehemals bewohnten Wohnung“, heißt es in einer Erläuterung des Entwurfs. 

„Helle und dunkle Schattierungen auf den leeren Betonwänden verweisen auf die ausgeräumte Einrichtung. Diese Leerstellen stehen für die enteigneten Möbel der jüdischen Bevölkerung.“ Und: „Die beiden Betrachtungsebenen unterstreichen die Vielschichtigkeit der Auseinandersetzung mit dem Nationalsozialismus.“

Während der Entwurf vorliege, bleibe das Ressort „einen Kosten- und Zeitplan schuldig“, kritisieren die Grünen. „Die überschaubaren Kosten für das benötigte Statik-Gutachten von etwa 5 000 Euro sollten hierbei für das Kulturressort kein Hemmnis darstellen. Die Grünen-Fraktion erwartet, dass die Kulturbehörde dieses Gutachten nun endlich in Auftrag gibt“, hieß es in recht scharfem Ton in einer vor (!) der Sitzung verbreiteten Erklärung.

Statiker sind beauftragt

Rein sachlich betrachtet, handelt es sich um eine „Baumaßnahme in einem Hochwasserschutzbauwerk“, so Dr. Andreas Mackeben vom Kulturressort. Der Statiker sei „selbstverständlich“ inzwischen beauftragt worden – nämlich: am Montag. Aus der Statik ergebe sich dann eine Kostenschätzung, danach könne ein Architekt einen Zeitplan vorlegen. „Das geht nicht einfach mal eben so schnell.“ 

Kultur-Staatsrätin Carmen Emigholz bat die Deputierten um Planungszeit bis zur ersten Sitzung nach den Sommerferien. Da ab Herbst wegen zu erwartender Hochwasser nicht mehr gebaut werden kann, ist eine Umsetzung in diesem Jahr nicht wahrscheinlich.

Rubriklistenbild: © Guido Menker

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