Ein Schweden-Schwerpunkt im neuen „Bremischen Jahrbuch“: Gustav-Adolf-Denkmal und Schriftsteller-Tod

Mächtiges Strandgut für die Domsheide

Schwedenkönig Gustav II. Adolf an der winterlichen Domsheide – Postkarte aus der Zeit um 1900.

Bremen - Von Thomas Kuzaj· Einen Schweden-Schwerpunkt hat die neue Ausgabe des „Bremischen Jahrbuchs“. Der einmal mehr vom Staatsarchiv gemeinsam mit der Historischen Gesellschaft herausgegebene Band ist soeben erschienen.

Das Buch beginnt mit einer Studie zur Statue des schwedischen Königs Gustav II. Adolf, die von 1856 bis 1942 an der Domsheide stand. Die Historikerin Dr. Sylvelin Wissmann beschäftigt sich mit dem mächtigen Bronzedenkmal, das den Platz auch dann noch beherrschte, nachdem Bremen ihm 1878 die Kaiserliche Post und 1895 das nicht gerade zierliche Landgerichtsgebäude zur Seite gestellt hatte. Das Standbild nach einem Entwurf des schwedischen Bildhauers Bengt Erland Fogelberg war durchaus umstritten, wirkten doch Körperhaltung und Geste so, als deute der Herrscher an, auf eigenem Grund zu stehen.

Er stand aber nun mal in Bremen! Das allerdings war gewissermaßen ein Versehen. Denn eigentlich war die Statue, in München gegossen, für Göteborg gedacht. Doch der schwedische Schoner „Hoppet“ strandete mit dem Standbild an Bord, wie Wissmann exakt vermerkt, „auf der Fahrt von Hamburg nach Göteborg am 20. November 1851 bei Schnee und Nebel auf der Helgolander Düne und brach drei Tage später bei einem weiteren Sturm auseinander“. Der König lag im Sand. Strandgut. Die Helgoländer bargen die Statue, was teuer war. So teuer, dass die Göteborger sich lieber einen neuen Abguss bestellten. Die Zeit verging, der Preis sank – und schließlich kauften 13 Bremer Mäzene den Helgoländern den König ab, um ihn in Bremen aufzustellen. Warum? Sie waren, zitiert Wissmann aus zeitgenössischen Dokumenten, überzeugt, „ihrer geliebten Vaterstadt eine neue Zierde“ zu verschaffen. 1942 wurde das Standbild der „Metallspende“ für Rüstungszwecke geopfert.

Zweites Schweden-Thema im neuen „Bremischen Jahrbuch“ ist der Schriftsteller Carl Jonas Love Almqvist, dessen umfangreiches Werk als erstaunlich modern gilt und in den vergangenen Jahren in Deutschland neu entdeckt wurde – Bücher wie „Die Woche mit Sara“ erschienen in deutscher Sprache. Almqvist wurde 1793 in Stockholm geboren – und er starb 1866 in Bremen. Für das „Bremische Jahrbuch“ hat Jan Osmers einen „literarischen Kriminalfall aufgedeckt“, sagt Professor Konrad Elmshäuser, der Leiter des Bremer Staatsarchivs. Nämlich: „Die spektakulären Todesumstände des schwedischen Nationalschriftstellers und die Umstände seiner Überführung nach Schweden.“ Nicht zuletzt wegen etlicher Umbettungen des Toten ein höchst makabrer Stoff.

Weitere Schwerpunkte des „Bremischen Jahrbuchs“ sind die internationalen Beziehungen Bremens in Spätmittelalter und früher Neuzeit. Außerdem stehen traditionsreiche Unternehmen im Fokus – so gibt es beispielsweise einen Beitrag über 200 Jahre Wilkens Bremer Silberwaren.

· „Bremisches Jahrbuch“, Band 89. Selbstverlag des Staatsarchivs, 356 Seiten auf alterungsbeständigem Papier. Ladenpreis: 25 Euro; ISBN: 978-3-925729-66-9.

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