„Mein Kunst-Stück“ mit Siegmund Schneider

Mächtige Formen

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Übergroße Säulen und Stufen – Siegmund Schneiders Bild „Ministerium“ wirkt imposant.

Bremen - Von Ilka Langkowski. „Ministerium“ heißt Siegmund Schneiders Bild, das er in unserer Serie „Mein Kunst-Stück“ vorstellt. Im Großformat zeigt es ein architektonisches Bauwerk. Seine übergroßen Säulen und Stufen wirken imposant, faszinierend und etwas bedrohlich.

Mit Öl auf Leinwand schuf der Bremer Künstler Siegmund Schneider sein farbstarkes Bild „Ministerium“. „Es sieht aus wie ein Kraftwerk oder ein sowjetisches Ministerium, so monumental“, sagt Schneider. Architektur sei ein Ausdruck von Machtästhetik. Dieses Bild ist exemplarisch für eine Reihe von großformatigen Werken, in denen Schneider architektonische und technische Formen als gewaltige Konstrukte in Szene setzt. Reduziert zu Form und Farbe, erscheinen sie monumental.

Den Bremer Künstler fasziniert die Verbindung von Macht und Ästhetik sowie Schönheit und Abschreckung. Die symbolisierte Macht und Gewalt betont der Künstler durch den herabgesenkten Horizont, der den Betrachter in die Froschperspektive versetzt. Schneider unterstreicht die Kälte dieser Architektur durch sehr fein gemalte Flächen, exakte Geraden und Kurven. 

Die unbelebte Szenerie erscheint im Mittagslicht mit scharfen Schatten. In „Ministerium“ verwendete der Maler ein leuchtendes Orange, durchzogen von feinsten Strukturen, violetten Schatten und vor blaugrünem Grund. In anderen Bildern setzt Schneider Objekte in warmen Ockertönen vor grelles Zitronengelb oder ein bedrohliches Monument in Rosa vor babyblauen Hintergrund.

Seit Schneider mit etwa zehn Jahren ein Lexikon der Architektur in die Hand bekam, ist sie sein Steckenpferd. Ludwig Mies van der Rohe, Architekt der Moderne, hatte ihn gleich gefesselt. Mit der Malerei hat Schneider einen Weg gefunden, Architektur und Skulptur zu verbinden. „Und das deutlich kostengünstiger und mit weniger Aufwand“, sagt er lachend.

Obwohl Schneider aus einer Malerfamilie kommt und gezeichnet hat, „seit er einen Bleistift halten konnte“, wurde er Fernmeldetechniker. Der Weg zur Fachhochschule für Gestaltung führte über eine Nichtabiturientenprüfung. Heute arbeitet der Künstler auf Teilzeit und geht drei weitere volle Tage ins Atelier. „Ich betrachte es als meinen Beruf und arbeite kontinuierlich.“

Verkauf und Marketing als Herausforderung

Die größte Herausforderung an der Kunst ist für den Bremer das Marketing und der Verkauf der Bilder. „Am liebsten möchte ich nur vor meiner Leinwand sitzen und mit dem Rest nichts zu tun haben“, sagt er. Trotzdem gehöre das Marketing dazu. Ebenso wie der Umstand, dass man sein eigener Richter oder auch Henker sei. Dann müsse man einsehen, dass man gescheitert ist, 90-prozentige Bilder gebe es schließlich nicht. „Entweder es passt oder es muss weg.“

Ob wir Kunst brauchen? „Wenn man kein Leben führen will, das rein materialistisch ist, ja. Ich brauche Kunst, wie andere Religion brauchen. Als etwas, das über das Alltägliche hinausgeht. Es ist die Suche nach Erkenntnis. Gesellschaftlich brauchen wir Kunst unbedingt, weil man durch sie über sich selbst nachdenken kann.“

Zu den Künstlern, die für Schneider besonders bedeutend sind, zählen Gerhard Richter und der Renaissancemaler Matthias Grünewald (15./16. Jahrhundert). Richter hat für Schneider eine besondere Art, mit Farbe umzugehen. „In seinen abstrakten Bildern ist er genial. Ich habe viel von ihm gelernt.“ Und Grünewald hat für Schneider mit seinem Isenheimer Altar das stärkste erreicht, was ein Künstler erreichen kann. Sein prachtvoller, aufklappbarer Wandelaltar zeigte Bilder für die todkranken Patienten des Hospitals und Hospiz eines Klosters.

Wenn Schneider jemandem ein Bild als Botschaft schicken sollte, dann ginge sein rosafarbener „Minotaurus“ an den Bundestag: „Als Mahnung vor der Wiederauferstehung des Rechtsradikalismus, während die ganze Welt durchdreht.“

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