„Mach’ Dich nicht abhängig“

„Mutmacherinnen“: Rubina Ordemann hat den „perfekten Job“ - und strebt nach mehr

+
Pinkfarbenes Sakko, freundliches Lächeln: Rubina Ordemann in ihrem Büro an der Universitätsallee.

Bremen - Von Steffen Koller. Eine 5 in Mathe – und „viele Türen waren zu“, erinnert sich Rubina Ordemann. Die 42-Jährige berichtet in unserer Serie „Mutmacherinnen“, wie sie es trotz schlechter Noten, fehlenden Abiturs und eines „sehr kaputten“ Elternhauses zur Geschäftsführerin des Fortbildungsinstituts der Zahnärztekammer Bremen (FIZAEK) geschafft hat und als Dozentin und Selbstständige tätig ist.

Im hellen Büro des Instituts an der Universitätsallee sitzt Rubina Ordemann mit einem breiten Lächeln. Auf ihrem Schreibtisch, immer in Sichtweite, ein kleine Karte mit dem Satz: „Wer aufhört, besser werden zu wollen, hört auf, gut zu sein.“ Sie hat sich diesen Spruch ganz bewusst dort aufgestellt – es umschreibt ganz passend ihr Lebensmotto – im Privaten wie im Beruf. „Das Leben hat es, bis ich 15 Jahre alt war, nicht gut mit mir gemeint“, erzählt die 42-Jährige.

„Mein Leben war ein Scherbenhaufen, aber es sollte kein Scherbenhaufen bleiben“, das war dem damaligen Teenager recht schnell klar. Es folgten eine Ausbildung zur Zahnarzthelferin, viele Nebenjobs und das Credo: „Ich habe alles genommen, Hauptsache Kohle.“ Sechseinhalb Jahre arbeitete Ordemann in einer Zahnarztpraxis, Geld für Kurse und Weiterbildungen wollte sie verdienen. Sie ging putzen, trug Zeitungen aus.

Heute, knapp 20 Jahre später, darf sie sich „Ökonom Projektmanagement“ (abgelegt an der Verwaltungs- und Wirtschaftsakademie, kurz VWA) nennen, ist „Businesscoach“, Dozentin und bringt als selbstständige Beraterin andere wieder in die richtige Spur. Bis es soweit war, folgten Jahre als Sachbearbeiterin und verschiedene Spezialisierungen auf die Schwerpunkte Prophylaxe und Verwaltung. Beendete Ordemann eine Etappe ihres Berufslebens, stand sie oft vor der Frage: „Und jetzt? Das kann doch nicht alles gewesen sein“, sagt sie.

„Den Posten will ich haben“

Dann, 2005, kam der Moment, der ihr die Chance ihres Lebens bescherte. Am Institut wurde der Bereich Fortbildung frei und Rubina Ordemanns erster Gedanke war: „Den Posten will ich haben.“ Sie bewarb sich und bekam ihren eigenen Verantwortungsbereich. 2014 wurde sie zur Geschäftsführerin ernannt. Heute ist sie Chefin von sechs Festangestellten und acht Servicekräften. Fragt man die 42-Jährige, warum gerade dieser Beruf, sprudelt es nur so aus ihr heraus: „Ich organisiere gerne, ich plane gerne.“ Außerdem: „Ich bin gerne Führungskraft. Ich habe den perfekten Job.“ 

Ordemann weiß, dass sie es ohne ihren „Mentor“, Hauptgeschäftsführer Jörg Bauer von der FIZAEK, wohl nicht soweit geschafft hätte und ist dankbar für die langjährige Unterstützung. „Es gibt viele da draußen, die haben keinen Herrn Bauer“, sagt sie. Sie sagt: „Wer immer wieder aufsteht, kann es schaffen.“ Sollte sie anderen einen Tipp mit auf den Weg geben, würde dieser lauten: „Mach’ Dich nicht abhängig.“ Eigenständigkeit, so Ordemann, sei der „höchste Wert“.

Man müsse Mut haben, sich nicht ausbremsen zu lassen – egal ob Hauptschulabschluss oder Abitur. „Abitur spielt keine Rolle. Ich bin das beste Beispiel. Ich weiß, dass ich anderen Mut mache.“ Trotz der vielen Erfolge in ihrem Leben sagt sie: „Ich bin immer noch nicht fertig.“ Ihr aktuelles „Projekt“: der Berner Sennenhund „Ole“, der „einfach wunderbar“ sei. Als Kommunikationstrainerin ein ganz neues Terrain. Aber: „Er lockt einen aus der Komfortzone. Das mag ich.“

Neue Serie 

Sie arbeiten in Männerdomänen, haben sich trotz widriger Umstände durchgesetzt und sind stets ihren Weg gegangen – in unserer Serie „Mutmacherinnen“ porträtieren wir Frauen, die durch ihre Biographien anderen ein Vorbild sein können. Die Serie entsteht in Teilen in Zusammenarbeit mit der Gleichstellungsstelle.

Das könnte Sie auch interessieren

elona ist da. Ihre lokalen Nachrichten.

Mehr zum Thema:

Hallo-Verden-Festival in der Stadthalle

Hallo-Verden-Festival in der Stadthalle

Band Aha spielt vor ausverkaufter Bremer Stadthalle

Band Aha spielt vor ausverkaufter Bremer Stadthalle

Löw-Team bucht EM-Ticket - "Sehr zufrieden"

Löw-Team bucht EM-Ticket - "Sehr zufrieden"

Jahrestag der Proteste: "Gelbwesten" demonstrieren in Paris

Jahrestag der Proteste: "Gelbwesten" demonstrieren in Paris

Meistgelesene Artikel

Gefängnisbesuch bei Clan-Chef Ibrahim Miri endet mit Strafanzeige

Gefängnisbesuch bei Clan-Chef Ibrahim Miri endet mit Strafanzeige

Nachbar wirft Blumenkübel nach Einbrechern - Täter ergreifen die Flucht

Nachbar wirft Blumenkübel nach Einbrechern - Täter ergreifen die Flucht

Millionendefizit: Geno-Chefin Jutta Dernedde muss gehen

Millionendefizit: Geno-Chefin Jutta Dernedde muss gehen

Bremens Zentrale für linke Revolutionäre: „Lila Eule“ wird 60

Bremens Zentrale für linke Revolutionäre: „Lila Eule“ wird 60

Kommentare