„Verschwunden“: Das „Luxus-Klo“ auf dem Domshof

„Palazzo Pisso“: Bundesweit in den Schlagzeilen

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Die umstrittene Toilette auf dem Domshof im Jahr 2011. 

Bremen - Von Thomas Kuzaj. Wenn eine öffentliche Toilette bundesweit für Schlagzeilen sorgt, dann kann es keine ganz gewöhnliche Toilette sein. Und das war sie auch nicht, die öffentliche Toilettenanlage auf dem Domshof. Sie wurde unter der ironischen Bezeichnung „Palazzo Pisso“ weit über Bremens Grenzen hinaus bekannt. Heute ist sie Thema unserer Serie „Verschwunden“.

Pinkeln in bester Innenstadtlage, direkt vor dem Eingang der Bremer Landesbank. Oben ein Kiosk, unten – Treppe runter – die Toiletten. Das war er, der „Palazzo“, der 2013 abgerissen worden ist.

Über Jahrzehnte hatte es die neben einem Bunker gebaute Toilettenanlage schon gegeben, bevor sie Anfang der 90er Jahre für 870 000 Mark renoviert wurde – das war übrigens 60 Prozent teurer als ursprünglich geplant, wie Kritiker damals schnell vorrechneten. Viel, viel Geld! Danach war schnell der eingängige Name „Palazzo Pisso“ aufgekommen. Und der Bund der Steuerzahler sprach von einem Musterbeispiel für die Verschwendung öffentlicher Gelder.

Aber das war ja noch nicht alles. Denn es kamen die Unterhaltskosten hinzu. Anfang 2011 beliefen sie sich auf eine halbe Million Euro jährlich – viel Geld, besonders für ein Haushaltsnotlageland. Noch zu Zeiten der großen Koalition war das so festgelegt worden, in einem Pauschalvertrage mit Hansewasser – bezogen allerdings auf die unterirdische Anlage am Domshof und die Toiletten im Brill-Tunnel. Der Tunnel aber war zwischenzeitlich geschlossen worden. Dennoch floss das Geld weiter, Pauschale ist Pauschale. 2011 einigten sich Behörde und Betreiber auf einen Kompromiss – Bremen musste erst einmal 100.000 Euro weniger zahlen.

„Palazzo“-Geschichte endete 2013

2013 war der „Palazzo Pisso“ dann Geschichte. Bremen hatte vom kostspieligen Betrieb öffentlicher Toiletten mehr und mehr Abschied genommen – geblieben sind Ausnahmen wie die gut genutzte Anlage an der Schlachte und Experimente wie das Freiluft-Urinal in Hotel-Sichtweite zwischen Hauptbahnhof und Cinemaxx.

Daneben setzt Bremen auf Lokale und Geschäfte, die ihre WCs allen Bürgern zur Verfügung stellen (Aktion „nette Toilette“). Am Domshof wurde eine öffentliche Toilette im Gebäude der „Markthalle Acht“ eingerichtet. Touristen weist Bremen zudem auch auf die öffentlichen Klos im Kontorhaus Langenstraße hin – in dem Gebäude liegt auch die Tourist-Information.

Der „Palazzo Pisso“ ist 2013 im Zuge der Arbeiten für den Neubau der Bremer Landesbank verschwunden. Dabei ging es nicht um die unterirdischen Toiletten, eher um den gekachelten Überbau mit Kiosk. Er hätte den Blick auf Fassade und Eingang des Neubaus versperrt.

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