Bremer Kabarett-Ensemble wirft einen spöttischen Blick auf die Kirche

Luther aus dem Hexenkessel

Phantasien zur Auferstehung des Reformators Martin Luther gehören zum neuen Programm des Bremer Kirchenkabaretts. Foto: sell/epd

Bremen - Von Dieter Sell. Im Kessel auf der Bühne brodelt es, Dampf hüllt die Scheinwerfer ein. Drei Hexen tanzen und springen um den zischenden Topf. Noch ein paar Zutaten, vor allem eine DNA-Spur von Luthers Tintenfass, mit dem er nach dem Teufel geworfen hat. Dazu Schierlingswurz und Unkenzehe. Schon springt er aus der Brühe, der neue Reformator. Er fängt gleich an zu schimpfen: „Was habt Ihr Weiber hier zu schaffen? Schweigt, geht nach Hause, kocht und putzt und kriegt Kinder.“ Die Rückkehr Luthers und sein Verhältnis zu Frauen gehören zum neuen Programm des Bremer Kirchenkabaretts, das heute, Sonnabend, um 18 Uhr in der St.-Remberti-Gemeinde an der Friedhofstraße Premiere feiert. Weitere Vorstellungen sind ebendort morgen, Sonntag, um 18 Uhr sowie am Sonnabend, 23. Februar, um 19 Uhr zu sehen.

Die Frau gebärt die Kinder und ist dem Mann untertan - so sieht Luthers (1483-1526) Rollenbild aus. Seine Logik: Männer und Frauen sind vor Gott gleich. Aber Männer sind eben doch gleicher. „Ihr seid dämlich wie die meisten Frauen, die sowieso nur Unsinn reden“, ätzt Luther alias Pastor Rolf Blanke die Hexen auf der Bühne an und streckt den Zeigefinger in den Himmel. Denen platzt der Kragen und sie befehlen den Kirchenmann zurück in den Kessel. „Marsch, marsch“, rufen sie. Und der Spuk hat ein Ende.

90 Minuten dauert der Kabarettabend, mit dem das elfköpfige Ensemble um Regisseur Erik Roßbander nicht nur einen spöttischen Blick auf die Kirche wirft. Auch gesellschaftliche Themen wie das Leben im Altenheim, die Bestattungskultur und die Mülltrennung werden aufgespießt. Es ist ein „Best-of“ aus 17 Jahren Kabarettarbeit, das die Gruppe unter der Überschrift „Ausgefaked“ einstudiert. Lampenfieber vor der großen Premiere? „Ich sterbe“, gesteht Ensemble-Mitglied Hanni Steiner, lässt einen Seufzer hören und schiebt gleich nach: „Ich repetiere den Text noch nachts im Bett.“

Mit klarer Hand führt Roßbander, Schauspieler bei der Bremer Shakespeare-Company, die Laiengruppe durch die dreistündige Probe. „Du bist eine Verkäuferin, keine Seelsorgerin“, korrigiert er den allzu empathischen Unterton der Bestatterin, die ihre Kunden berät. Und wenig später unterbricht er, wenn sich die Kabarettisten im Spiel zu wenig auf die Zuschauer vor der Bühne beziehen: „Habt den Mut, frontal ins Publikum zu sprechen“, mahnt der Theatermann.

Roßbander habe der Gruppe „einen echten Schub gegeben“, lobt Peter Schmaltz, der das Kabarett mit gegründet hat. „Er setzt unsere Texte in Bilder um und hat eine unbestrittene Autorität, die uns viele Diskussionen erspart.“ Das sei hilfreich, denn das Programm mit insgesamt 15 Szenen sei schnell, ohne Pause, ohne Vorhang. Normalerweise sind die Ensemblemitglieder (41 bis 80 Jahre alt) als Lehrer, Ärzte, Finanzexperten, Juristen und Journalisten unterwegs. Hier schauen sie gemeinsam auf den Puls der Kirche und sind davon überzeugt: Vital kann die Institution nur bleiben, wenn sie kritische Geister akzeptiert. Tatsächlich habe es nach bislang acht Produktionen keinen Ärger mit Kirchenoberen gegeben, sagt Schmaltz. „Die haben Humor“, meint er. Und auch Hanni Steiner ist überzeugt: „Die Kirche braucht das Kabarett, den Blick auf Ecken, Kanten und Schrägheiten.“

Und davon gibt es in der Kirche reichlich, davon ist auch Regisseur Roßbander überzeugt. „Das hier ist eine tolle Truppe, gut organisiert, uneitel, selbstständig. Sie gibt mir die Gelegenheit, in eine Welt reinzuhorchen, die ich so nicht kenne.“ Und zu dieser Welt gehört wie so oft bei „Kirchens“ der freie Eintritt - mit einer kleinen Einschränkung, merkt Hanni Steiner verschmitzt an: „Umsonst rein. Aber ohne Spende für einen guten Zweck kommt hier keiner raus.“    epd

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