VERSCHWUNDEN Der Freimarkt des 19. Jahrhunderts

„Lustig, lustig stets im Kreise“

Das Bremer Freimarktstreiben im ausklingenden 19. Jahrhundert – auf einer zeitgenössischen Postkarte.
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Das Bremer Freimarktstreiben im ausklingenden 19. Jahrhundert – auf einer zeitgenössischen Postkarte.

Bremen – „Lustig, lustig stets im Kreise / Nach des Lebens toller Weise. . .“ So reimte man anno 1825 in Bremen mit Blick auf ein besonderes Vergnügen, nämlich: auf die Fahrt in einem „Caroussel“. Dieses Vergnügen war vergleichsweise neu auf dem Volksfest. Der Freimarkt im 19. Jahrhundert, er ist heute Thema in unserer Serie Verschwunden.

Denn im 19. Jahrhundert, da hat sich der Bremer Freimarkt so stark und einschneidend verändert wie selten zuvor. Das bürgerliche Zeitalter hatte begonnen, die Industrialisierung veränderte nach und nach sämtliche Lebensbereiche (wie es in unseren Tagen die Digitalisierung macht). Und der industrialisierte Lauf der Zeit, er brachte auch den Freimarkt in Schwung.

Und damit wurde der Freimarkt auch mehr und mehr zu einem Vergnügungsspektakel. Vergnügen, für das es nun mehr Platz gab. Nicht mehr das Königreich Hannover erhob Ansprüche auf den Domshof, Bremen konnte nun selbst darüber verfügen. Das war eine Folge des wachsenden französischen Einflusses auf die deutsche Kleinstaaterei.

Pfauenfedern und Veilchensträuße für die jungen Damen

Nun war auf dem Domshof Platz für Buden, Schaukel und „Caroussels“. Der Freimarkt, er war in jenen Tagen eine Mischung aus Verkaufsmarkt und Jahrmarktsvergnügen. Mehr Platz, neue Technik, das bedeutete eben: der Anteil des Vergnügens wuchs. Andernorts wurden in dieser Zeit Feste gegründet, die gleich vollkommen auf Vergnügen ausgerichtet waren – wie das Oktoberfest in München (1810).

Doch zurück an die Weser. 1809 ist die Existenz eines Karussells in Bremen nachzuweisen, heißt es im Standardwerk „Freimarkt in Bremen“ von Fritz Peters (1962; Neuauflage 1985). Es stand im Bereich des Herdentors. Schnell kamen auch andere Geschäftsleute auf den Geschmack. Sie priesen das „Carousselreiten“ als „angenehme Belustigung der Jugend“ an. Und der Jugend gefiel das auch! Lustig, lustig, stets im Kreise. . . Die jungen Herren verehrten den jungen Damen, die sie sonst nicht unbedingt mit wehenden Röcken zu Gesicht bekamen, hier gerne Veilchensträuße und Pfauenfedern.

Im „Caroussel“ geht‘s mit Manneskraft rund

So drehten sich 1832 schon sechs „Caroussels“ auf dem Freimarkt. Dabei ist Manneskraft vonnöten. Die hölzernen Pferde und Kutschen auf dem Karussellboden, zum Teil mit echten Sätteln und Zaumzeug ausgestattet, werden von kräftigen Männern in Schwung gebracht. Lustig im Kreise? Anstrengend dürfte es auch gewesen sein. . . Spätere (und auch größere) Karusseltypen wurden von Pferden in Gang gesetzt. Und schließlich eroberten die „Dampfkarussels“ den Bremer Freimarkt. Dank Elektrizität war es im ausklingenden 19. Jahrhundert zudem auch noch möglich, die kreisende Vergnügungsstätte bei Dunkelheit effektvoll zu beleuchten.

So eine Attraktion war ab 1881 beispielsweise ein „Schiffskarussel“ mit vor- und rückwärts schwenkenden Schiffen, das auf dem Liebfrauenkirchhof stand. Bis 1890 die dampfgetriebene Berg- und Talbahn als allerneueste Jahrmarktsattraktion die Blicke der bremischen Jugend auf sich zog. Die Veilchensträußchen musste man hier schon gut festhalten!

Tunnel- und Stufenbahnen, Glühlampenzauber und kreisende Podien – zum Ende des 19. Jahrhunderts löste eine Erfindung die nächste ab; jedes Jahr kamen neue und spektakuläre Attraktionen heraus.

Große Tierschau und „Sudelzelte“ mit Alkoholausschank

Das Jahrhundert hatte aber auch mit manch anderer Neuerung den Freimarkt vom Verkaufs- in einen Vergnügungsmarkt verwandelt. „So erscheinen auf dem Freimarkt 1800 die Kunstglasbläser, 1802 das Panorama, 1810 die große Tierschau“, heißt es in dem Ausstellungsbegleitband „950 Jahre Bremer Freimarkt“ von 1985. Anno 1834 stehen zur Freimarktszeit bereits vier Schaukeln auf dem Domshof. Ab Mitte des 19. Jahrhunderts tauchen die ersten Schießbuden auf. 1866 können Freimarktsbesucher sich zum ersten Mal fotografieren lassen. In welchem Zustand? Seit 1812 waren mehr und mehr „Sudelzelte“ mit Alkoholausschank aufgestellt worden. „Lustig, lustig stets im Kreise. . .“

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