CORONA Gastwirte und Hoteliers kämpfen ums Überleben

Lokal wird zum Supermarkt

Kreativ werden in Zeiten der Corona-Krise Gastwirte und Hoteliers: Carlos Martinez (28, r.) und sein Betriebsleiter Juan Carlos (34) haben das Restaurant Muchos Más“ kurzerhand zum Supermarkt umfunktioniert. Der Name: „Muchos Markt“. Foto: KOWALEWSKI
+
Kreativ werden in Zeiten der Corona-Krise Gastwirte und Hoteliers: Carlos Martinez (28, r.) und sein Betriebsleiter Juan Carlos (34) haben das Restaurant Muchos Más“ kurzerhand zum Supermarkt umfunktioniert. Der Name: „Muchos Markt“.

Bremen - Vom Restaurant zum Einkaufsmarkt: Carlos Martinez hat während der Corona-Sperrzeit sein Restaurant „Muchos Más“ (Am Wall) zu „Muchos Markt“ gemacht. Hier sind nun 150 verschiedene spanische Lebensmittel kaufen. Eine gute Idee, doch der normale Umsatz wird nicht erreicht, sagt er. Die Corona-Krise hat für die Bremer Gastronomie, für Restaurants, Kneipen und Hotels katastrophale Auswirkungen.

Martinez und sein Team haben sogar die Etiketten für die Lebensmittel übersetzt. Im nächsten Schritt sollen fertig zubereitete Tapas zum Aufwärmen in der Mikrowelle angeboten werden. 80 Prozent der Mitarbeiter von „Muchos Markt“ seien studentische Aushilfen und Minijobber. „Für die ist das Kurzarbeitergeld keine Lösung“, sagt Martinez. Darunter seien auch Menschen aus dem Ausland, etwa aus Chile und Kolumbien, die zu 100 Prozent von ihren Einnahmen abhängig seien. „Es ist genug Bewegung drin, dass die Studenten hier und da etwas zu tun bekommen“, sagt Martinez.

Nathalie Rübsteck (49), Hauptgeschäftsführerin der Dehoga, sagt zur Lage im Gastro- und Hotelbereich: „Der überwiegende Teil der Branche ist in Kurzarbeit.“ Es gäbe keine Neuanstellungen, und es werde teilweise versucht, Arbeitsverhältnisse, etwa im Rahmen der Probezeit, zu beenden. Ob es zu Pleiten kommen wird, kann sie nur schwer abschätzen. „Die Zeit bis nach Ostern schaffen noch viele“, sagt Rübsteck. Dafür würden die angebotenen Hilfen reichen. Die müssten aber schnell kommen.

Rübsteck beklagt, dass zwar viel für Solo-Selbständige, Kleinbetriebe und Großbetriebe gemacht werde, aber zu wenig für den Mittelstand, für Betriebe mit 20 bis 100 Mitarbeitern. Auch für sie solle Förderungen geben, die nicht zurückzuzahlen seien. Teilweise müssten die Betriebe beispielsweise Kredite tilgen, etwa für Umbauten.

Das italienische Restaurant „Due Fratelli“ setzt derweil auf Außer-Haus-Verkauf. Der Geschäftsführer, schlicht als „Elvis“ (33) bekannt, schätzt, dass er 20 Prozent des normalen Umsatzes macht. Das Verfahren für Kurzarbeit laufe. Er und sein Team leisten auch Hilfe: Sie gehen einkaufen für Menschen, die das nicht können. „Wir wollen unsere Solidarität gegenüber den Gästen und der Stadt zeigen“, sagt er.

Auch das „Bellini“ an der Schlachte setzt notgedrungen auf Außer-Haus-Verkauf. „Es gibt die ganze Speisekarte plus Mittagstisch“, sagt Geschäftsführer Agim Selimaj (33). Von elf Mitarbeitern arbeiten im Moment nur noch zwei. Der Rest ist in Kurzarbeit. Er hofft aber, den Ausfall in zwei bis drei Monaten wieder reinzuholen, wenn die Menschen nach dern Ausgangsbeschränkungen wieder rausgehen.

Derweil haben sich 200 Bremer Gastronomen in einem offenen Brief an die Politik gewandt. Sie fordern: „Bitte sprecht mit uns.“ Die Gastro-Branche sei ein „Penny Business“ mit geringen Margen, das die Ausfälle nur schwer verkrafte, heißt es in dem Schreiben. Ohne Soforthilfe stehe Bremens Gastroszene vor dem Aus. Einer aus der Szene ist Oliver Trey (36), Mitbetreiber der Schlachthof-Kneipe und weiterer Gastrotomien. In der Schlachthof-Kneipe arbeiten 16 Festangestellte und mehrere Aushilfen. „Wir haben niemandem gekündigt und wollen das auch nicht“, sagt Trey. „Wir sind ein Team.“

Der Antrag für Kurzarbeit laufe, aber er habe noch keine Rückmeldung, sagt Trey. Er habe da auch von den seinen Kollegen nichts anderes gehört. Er fürchtet, dass sich die Zahlungen weiter verzögern. Das Problem sieht auch Rübsteck. Sie sagt: Im Notfall müsse es Teilauszahlungen geben.

Die meisten Bremer Hotelbetten sind leer. Die Atlantic-Hotels Airport, Galopprennbahn und Universum haben seit Montag geschlossen. Das Atlantic Grand Hotel und das Atlantic-Hotel Vegesack haben geöffnet – mit eingeschränktem Service. Die Regelungen gelten zunächst bis 19. April. „Von Auslastung kann man nicht reden“, sagt Sprecher Holger Römer. Er erzählt aber auch von positiven Erfahrungen: „In vergangenen Krisen haben wir gemerkt, dass im Anschluss Nachholbedarf da ist.“ Die Verluste würde das aber nicht ausgleichen.

Die drei Häuser der Dorint-Gruppe, darunter das Park Hotel, sind geöffnet, die Auslastung gehe aber gegen Null, sagt Sprecherin Birgit Borreck. Es werden Zimmer als Hotel-Office angeboten, ein Ersatz für – genau, Home-Office. Einige Zimmer seien schon so belegt, sagt Borreck. Dennoch werde es lange dauern, bis die Folgen der Krise ausgeglichen sind.

Das könnte Sie auch interessieren

elona ist da. Ihre lokalen Nachrichten.

Mehr zum Thema:

Bürgerrechtler verklagen Trump - "Marsch auf Washington"

Bürgerrechtler verklagen Trump - "Marsch auf Washington"

Corona in Göttingen: Nach Massenausbruch wurde ein Testzentrum errichtet

Corona in Göttingen: Nach Massenausbruch wurde ein Testzentrum errichtet

Sonnenschutz im Auto nachrüsten

Sonnenschutz im Auto nachrüsten

Brettspiele für die ganze Familie

Brettspiele für die ganze Familie

Meistgelesene Artikel

Ab ins Wasser

Ab ins Wasser

„Fachkräftemangel bleibt“

„Fachkräftemangel bleibt“

Clowneske Einparkhilfe

Clowneske Einparkhilfe

„Einfach machen“

„Einfach machen“

Kommentare