Lösung für insolventen Konzern / Bremer Familienstiftung springt ein

Zech übernimmt Imtech

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Firmenzentrale der Zech-Gruppe in der Vahr: Eine Tochtergesellschaft der Bremer Gustav Zech Stiftung übernimmt jetzt das insolvente Hamburger Unternehmen Imtech.

Bremen - Eine Tochtergesellschaft der Bremer Gustav Zech Stiftung übernimmt den insolventen Bautechnik-Konzern Imtech (Hamburg). Die meisten der noch 3 600 Arbeitsplätze sollen erhalten werden, 600 Menschen werden jedoch gehen müssen. Die Zech-Gruppe mit weltweit rund 6 000 Mitarbeitern hat ihre Zentrale in der Bremer Vahr. Wie berichtet, führt Imtech einen 25-Millionen-Euro-Auftrag beim Bau des KlinikumsMitte aus.

Die Tochtergesellschaft der Stiftung werde den Geschäftsbetrieb und das wesentliche Vermögen zu einem ungenannten Kaufpreis übernehmen, teilte der vorläufige Insolvenzverwalter Peter-Alexander Borchardt gestern in Hamburg mit. Der Verkauf werde nach Eröffnung des Insolvenzverfahrens Anfang November vollzogen. „Wir sind froh, bereits knapp acht Wochen nach dem Insolvenzantrag den intensiven und anspruchsvollen Verkaufsprozess weitgehend abgeschlossen zu haben“, sagte Borchardt.

Zech habe von zuletzt fünf ernsthaften Interessenten das ganzheitlichste und wirtschaftlich lukrativste Angebot abgegeben und werde den Großteil der Arbeitnehmer übernehmen. Zusammen mit mehreren bereits verkauften Tochtergesellschaften und Geschäftsbereichen blieben 3 000 von zuletzt 3 600 Arbeitsplätzen erhalten. Rund 400 Beschäftigte hatten den Konzern zuvor bereits freiwillig verlassen. Unter dem Strich beschäftigen die Imtech-Gesellschaften damit nach der Insolvenz rund 1 000 Arbeitnehmer weniger als zuvor.

Für den Bau des Berliner Flughafens seien keine weiteren Verzögerungen zu erwarten. Die Imtech-Insolvenz hatte vor allem auch deshalb große öffentliche Aufmerksamkeit gefunden, weil der Bauausrüster wesentliche Leistungen für den unfertigen Flughafen zu erbringen hat und zeitweise nicht mit voller Kraft arbeiten konnte, was zu Verzögerungen führte.

Die Zentrale der Baufirma Imtech in Hamburg.

Imtech hatte am 6. August Insolvenz angemeldet. Das Unternehmen war durch Missmanagement schon 2012 in Turbulenzen geraten und wird mit Korruption, überhöhten Forderungen, unerlaubten Absprachen und undurchsichtigen Transaktionen in Verbindung gebracht. Verschiedene Staatsanwaltschaften ermitteln gegen Imtech. Auch die niederländische Muttergesellschaft Royal Imtech ist insolvent und teilweise bereits verkauft. Ihr gegenüber machte die deutsche Tochter Forderungen in Höhe von 21 Millionen Euro geltend. Der Imtech-Umsatz in Deutschland und Osteuropa betrug zuletzt 860 Millionen Euro, der Verlust (Ebitda) 126 Millionen Euro.

Die rund 500 von einst 950 Baustellen, auf denen Imtech arbeitet, würden ab der Eröffnung des Insolvenzverfahrens von dem Investor weitergeführt, heißt es beim vorläufigen Insolvenzverwalter. Das gelte auch für mehr als 4 000 Wartungs- und Serviceaufträge. Zech wird damit auch auf die Baustelle des Klinikums Mitte zurückkehren, auf der die Tochter Kamü ihre Arbeiten bereits vor geraumer Zeit abgeschlossen hat. Imtech führt hier einen Auftrag über etwa 25 Millionen Euro aus, der nach dem Insolvenzantrag Anfang August ins Stocken geraten war. Nach Angaben der Klinik-Holding Gesundheit Nord (Geno) hat Imtech für die Arbeiten Elektrik, IT und Kabelverlegung die Projektleitung. Ansonsten sind hier Subunternehmer eingesetzt. Diese fürchteten um ihre Bezahlung. Mehr als die Häfte der 70 Arbeiter blieb daher zunächst der Baustelle an der St.-Jürgen-Straße fern. Innerhalb weniger Tage fand die Geno-Leitung jedoch mit dem Insolvenzverwalter eine Lösung, so dass die Arbeiten fortgesetzt wurden. Gezahlt wird seitdem auf ein Sonderkonto, von dem direkt die Subunternehmer ihr Geld bekommen (wir berichteten).

Unterdessen haben sich die Gesamtkosten für den Klinik-Neubau von einst 230 über zuletzt 290 auf jetzt rund 300 Millionen Euro erhöht, wie gestern eine Geno-Sprecherin auf Nachfrage bestätigte. Das habe der neue Risikobericht ergeben. Unter anderem sei das auf Probleme mit dem Trockenbau 2014 zurückzuführen. Seitdem sieht der Zeitplan vor, dass Teilbereiche im zweiten Halbjahr 2016 in Betrieb genommen werden. Ende 2018 soll alles komplett sein.

Zurück zur Zech-Gruppe: Das Familienunternehmen (Umsatz: 1,4 Milliarden Euro) wurde 1909 von Gustav Zech bei Breslau gegründet. Er baute es später mit Sohn Kurt in Bremen wieder auf. Seit 1978 führt der Enkel des Firmengründers, Kurt Zech, die Geschäfte. Imtech wird jedoch nicht an die Gruppe verkauft, sondern an eine Tochtergesellschaft der Stiftung.

Dabei handele es sich um eine Familienstiftung. Warum diese Konstruktion gewählt wurde, dazu gab es gestern keine Angaben. Der Kauf werde erst im November endgültig vollzogen. Dann soll es auch weitere Informationen geben, erklärte ein Zech-Sprecher.

gn/dpa

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