Live im Lockdown

„Club 100“: Konzerte mit Milliarden, Madsen und Co. trotzen Corona

Als „Club 100“ wird das „Pier 2“ in Gröpelingen zur Bühne für die Bremer Veranstalter-Branche.
+
Als „Club 100“ wird das „Pier 2“ in Gröpelingen zur Bühne für die Bremer Veranstalter-Branche.

Bremen – Bühne frei! Mitten im Lockdown hat in Bremen ein neuer Club eröffnet, der „Club 100“ im Gröpelinger „Pier 2“. 19 Veranstalter – von der kleinen Agentur bis zum großen Unternehmen – haben sich für die „solidarische Gemeinschaftsaktion“ verbunden. Bis Ende Mai bieten sie gut 45 Konzerte im „Pier 2“ an. Eine Aktion für das Publikum, aber auch für die Branche selbst. „Damit wir wieder in Arbeit kommen“, wie die Kulturmanagerin Julia von Wild vom Verein „Clubverstärker“ sagt.

Konzerte im Lockdown – wie soll das gehen? Zunächst einmal ohne Publikum. Aber eben live auf der Bühne des „Pier 2“. Musiker treten auf, das „Club-100“-Team filmt – und streamt die Konzerte live via Internet. Späteres Abspielen von Aufzeichnungen soll nicht möglich sein, das Ganze ist ja gerade als virtuelles Pendant zum Live-Erlebnis gedacht. „Wir wollen Club-Kultur digitalisieren“, sagt der Medienunternehmer Christian Tipke, im „Club 100“ für die Streaming-Technik zuständig.

Wer den Stream sehen möchte, muss (online) ein Ticket dafür kaufen und bekommt dafür den entsprechenden Link. Das Geld im „Club-100“-Topf reicht für das Übertragen von 25 Konzerten, hieß es am Donnerstag im „Pier 2“. Streaming ist teuer, sprich: personalintensiv. „Da sind bis zu 20 Leute im Einsatz“, so die Auskunft. Aber ohnehin hofft der „Club-100“-Verbund auf bessere Zeiten, sprich: auf Publikum nicht nur zu Hause am Bildschirm, sondern auch im Saal.

Natürlich nicht wie einst mit bis zu 2 800 Zuschauern im „Pier 2“. Wohl aber mit „bis zu 521 Personen“, so Sven Rolfes, der das Hygienekonzept für den Verbund ausgetüftelt hat. Im Konzept gibt es Abstufungen der zulässigen Zuschauerzahlen, die sich an den jeweils geltenden Corona-Verordnungen und den aktuellen Sieben-Tage-Inzidenzwerten orientieren. 521 Besucher sind erst erlaubt, wenn der Inzidenzwert zwischen Null und 35 liegt. Momentan nicht absehbar.

Möglich sind auch Hybrid-Veranstaltungen – ein paar Leutchen im Saal, die meisten Zuschauer via Stream dabei. Die Preise für die Streaming-Tickets sollen sich an den Preisen echter Konzertkarten der jeweiligen Künstler orientieren, dabei aber „40 bis 50 Prozent günstiger sein“, hieß es.

Bremen gibt 1,1 Millionen Euro zum „Club-100“-Projekt dazu

Apropos Geld – möglich ist der Verbund, weil Bremen ihn unterstützt. Aus dem insgesamt 2,8 Millionen Euro umfassenden Veranstaltungsförderungsprogramm fließen 1,1 Millionen Euro in das Projekt „Club 100“, sagte Wirtschaftssenatorin Kristina Vogt (Linke) am Donnerstag im „Pier 2“. „Wir wollen nicht allein die Schließung subventionieren, sondern den Betrieb unter Coronabedingungen finanzieren“, so die Senatorin. „Was wir in Bremen machen, hat hoffentlich bundesweite Wirkung.“

Das „Pier 2“ in Gröpelingen wird wieder zum Konzert-Schauplatz. Für die Auftritte gibt es Streaming-Tickets. Nachdem Lockdown soll schrittweise Publikum zugelassen werden. Unser Bild zeigt einige der „Club-100“-Organisatoren und Wirtschaftssenatorin Kristina Vogt (Mitte).

Denn es gehe ja nicht allein um die Aufrechterhaltung eines Kultur- und Freizeitangebots, es gehe auch um viele Branchen, die mit Konzerten und Veranstaltungen verbunden sind – Ton- und Lichttechniker ebenso wie Cateringunternehmen, Hotellerie, Gastronomie. Und so weiter, und so fort.

Auftritte von Pohlmann, Selig und „Versengold“

Das Projekt „Club 100“ sei in dieser Form „bundesweit einzigartig“, so Julia von Wild. Das erste Konzert, für das Streaming- und Vor-Ort-Tickets angeboten werden, ist der Auftritt des Sängers Pohlmann („Wenn jetzt Sommer wär“) am Freitag, 12. Februar. Lasse die Infektionslage einen Besuch doch nicht zu, werde der Ticket-Grundpreis (sprich: bis auf Vorverkaufs- und Systemgebühren) erstattet, hieß es. Pohlmann-Live-Karten kosten 27,10 Euro. Auf dem „Club-100“-Plan stehen unter anderem Sofia Portanet (26. Februar), Dota (8. März), „Selig“ (13. März), „Versengold“ (10. April), „Madsen“ (8. Mai) und Funny van Dannen (28. Mai).

Das könnte Sie auch interessieren

elona ist da. Ihre lokalen Nachrichten.

Mehr zum Thema:

«Felsbrocken vom Herzen»: Skisprung-Mixed erobert Gold

«Felsbrocken vom Herzen»: Skisprung-Mixed erobert Gold

UN: Mindestens 18 Tote bei Protesten in Myanmar

UN: Mindestens 18 Tote bei Protesten in Myanmar

Nordische Ski-WM 2021 in Oberstdorf: Die Bilder zum Saisonhighlight

Nordische Ski-WM 2021 in Oberstdorf: Die Bilder zum Saisonhighlight

S04-Debakel nach Wirbel um Gross - RB bleibt an Bayern dran

S04-Debakel nach Wirbel um Gross - RB bleibt an Bayern dran

Meistgelesene Artikel

Neue Bremer Straßenbahn: BSAG führt Lärm-Probleme auf Probebetrieb zurück

Neue Bremer Straßenbahn: BSAG führt Lärm-Probleme auf Probebetrieb zurück

Neue Bremer Straßenbahn: BSAG führt Lärm-Probleme auf Probebetrieb zurück
Angriff in der Neustadt: Jugendlicher will Bruder helfen und wird brutal zusammengeschlagen

Angriff in der Neustadt: Jugendlicher will Bruder helfen und wird brutal zusammengeschlagen

Angriff in der Neustadt: Jugendlicher will Bruder helfen und wird brutal zusammengeschlagen
Bremer Grüne wollen Führerschein für Haustierhalter

Bremer Grüne wollen Führerschein für Haustierhalter

Bremer Grüne wollen Führerschein für Haustierhalter
Fahrlehrerin erwischt ihn am Steuer: Fahrschüler fährt mit Auto zur Prüfung

Fahrlehrerin erwischt ihn am Steuer: Fahrschüler fährt mit Auto zur Prüfung

Fahrlehrerin erwischt ihn am Steuer: Fahrschüler fährt mit Auto zur Prüfung

Kommentare