Listen aus dem Mittelalter: Staatsarchiv legt wissenschaftliche Edition des ältesten Bremer Bürgerbuchs vor

Die Namen der Neuen

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Blick ins Original – in Bremens ältestes Bürgerbuch. Die Handschrift verzeichnet die Neubürger der Jahre 1289 bis 1519. Das Staatsarchiv hat jetzt die erste wissenschaftlich-kritische Edition der wichtigen mittelalterlichen Quelle vorgelegt.

Bremen - Von Thomas Kuzaj. „Eine Quelle, die in Deutschland ihresgleichen sucht“, sagt Professor Konrad Elmshäuser, der Direktor des Bremer Staatsarchivs, geradezu schwärmerisch. Er spricht von einem Buch, in dem lauter Namen stehen – vom „Bremer Bürgerbuch“ für die Jahre von 1289 bis 1519. Das Staatsarchiv hat jetzt die erste wissenschaftlich-kritische Edition dieses ersten bremischen Bürgerbuchs vorgelegt.

Das Original bildet den Anfang einer ganzen Reihe von Handschriften – laut Elmshäuser insgesamt „fünf Regalmeter“ –, in denen bis in die 20er Jahre des vorigen Jahrhunderts hinein die Namen der Bremer Neubürger verzeichnet worden sind.

Im Fall des ersten Bürgerbuchs stehen zudem die Namen jener Bremer dabei, die für die neuen Bürger bürgten. Und die Namen der Ratsmitglieder in der jeweiligen Zeit. „Einen Großteil der mittelalterlichen Ratsmitglieder kennen wir fast nur aus dieser Quelle“, sagt Elmshäuser. Und: „Viele Straßennamen sind hier zum ersten Mal erwähnt.“ Entwicklung von Familiennamen und Berufsbezeichnungen – vieles lässt sich hier nachvollziehen. Kurzum, es ist eine zentrale Quelle zur Entstehung der Bremer Bürgergesellschaft.

Etwa 30000 Namen von Bürgern stehen in der Handschrift, 15500 davon sind neue Bürger. „Eine Quelle zur Sozial-, Bevölkerungs- und Migrationsgeschichte“, sagt Ulrich Weidinger, der dreieinhalb Jahre an der wissenschaftlichen Edition der Handschrift gearbeitet hat. „Wie kann der Fremde zum Einheimischen werden – ein ganz aktuelles Thema“, so Elmshäuser. Mit dem Bürgereid machten sich die Neubürger einst dem Rat der Stadt untertan.

Der gedruckte Band, zugleich „eine Fundgrube für Familienforscher“, hat 704 Seiten und kostet 45 Euro (ISBN: 978-3-925729-75-1). Weidinger hat ein Register erarbeitet, das dabei hilft, das umfangreiche Namenswerk zu erschließen.

„Koch“ in

16 Schreibweisen

Beinahe eine Sisyphusarbeit, allein schon wegen der vielen unterschiedlichen Namensschreibweisen. „Der Name Koch taucht in 16 verschiedenen Varianten auf“, nennt Weidinger ein Beispiel. „Ein bisschen eine Arbeit für jemanden, der Vater und Mutter erschlagen hat“, sagt Elmshäuser über die Erschließung der Quelle. „Weidinger hat das bravourös gelöst.“

Doch warum hat es so lange gedauert, bis eine wissenschaftliche Edition des ältesten Bremer Bürgerbuchs vorgelegt wurde? Elmshäuser verweist auf eine fehlerhafte, „teilweise groteske“ Abschrift aus dem 19. Jahrhundert, die gleichwohl benutzt wurde.

Im Zweiten Weltkrieg wurde das Original dann – wie viele andere Archivalien auch – ausgelagert. Nach dem Krieg landete es in der damaligen Sowjetunion, unter anderem in Leningrad, zum Schluss in Moskau. Anfang der 90er Jahre kam es im Zuge der Restitution nach Bremen zurück. Als die Historische Gesellschaft im Jahr 2012 die 150. Wiederkehr ihrer Gründung feierte, fiel der Entschluss zur Edition. Die Gesellschaft finanzierte Weidingers Transkription. Verschiedene Stiftungen beteiligten sich an den Druckkosten.

Das erste Bremer Bürgerbuch ist das zweitälteste Deutschlands – das Augsburger Bürgerbuch ist ein Dreivierteljahr älter, sagt Elmshäuser. Bürgerbücher Hamburgs und Lübecks sind nicht erhalten. In Oldenburg wiederum beginnen die Eintragungen erst im Jahr 1601. „Da sind wir schon im dritten Band.“

In Bremen sind alle Bände erhalten, nur der zweite – für die Jahre 1519 bis 1599 – fehlt. Er ist verschollen. Elmshäuser hofft, dass er eines Tages wieder auftaucht.

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