Finanzsenatorin überreicht Rechnungshofpräsident Spielhoff die Entlassungsurkunde / Rote Mappen, goldenes Wappen

Linnert: „Sind Sie jetzt wehmütig?“

Mit Humor bei der Urkundenübergabe: Finanzsenatorin Karoline Linnert und Lothar Spielhoff.

Bremen - Von Berufs wegen hat Lothar Spielhoff, wie man früher sagte, immer auf den Pfennig geguckt – bis heute als Rechnungshofpräsident. Bürgermeisterin und Finanzsenatorin Karoline Linnert (Grüne) muss ebenfalls mit dem Cent rechnen.

Sie ist so sparsam, dass sie die roten Mappen, in denen der Senat Urkunden zu überreichen pflegt, beim ersten Mal wieder mitnehmen wollte. Inzwischen weiß sie, dass der Empfänger der Urkunde auch die schöne Mappe mit dem goldenen Bremer Wappen behalten darf. Gestern aber bot ihr der Empfänger von sich aus an, das gute Stück wieder mitzunehmen. Denn: „Ich habe sechs oder sieben Stück davon.“

Natürlich nicht alle mit der gleichen Urkunde. Aber in einer langen Dienstzeit kommt eben allerlei an Dokumenten zusammen. Gestern im Rathaus lag die Entlassungsurkunde zwischen den roten Deckeln – die Entlassungsurkunde des Rechnungshofpräsidenten.

Lothar Spielhoff geht in den Ruhestand. Seit Mai 1989 war er am Rechnungshof, 1999 wurde er dessen Präsident. Große wie kleine Fälle von Geldverschwendung hat er in seinem jährlichen Rechnungshofbericht bemängelt – oder, sachlicher ausgedrückt, benannt. Und gerügt. Manches davon blieb unvergessen, wie etwa der teure Spaß mit dem versenkbaren Poller an der Zufahrt zum Theater. Zur Auffrischung der Erinnerung: Der Senkpoller kostete 40 000 Euro. Das Versetzen eines Klapppollers oder der Einbau einer Schranke wären wesentlich günstiger gewesen. Zudem hieß es im Rechnungshofbericht des Jahres 2004: „Der Poller erwies sich bald als unbrauchbar. Er fuhr manchmal unkontrolliert aus seinem Fundament hoch oder senkte sich nicht vollständig ab und beschädigte mehrere Autos.“

Auf Kosten des Theaters wurde er schließlich wieder ausgebaut. Der Poller hatte „nur fünf Jahre an seinem Platz gestanden und in dieser Zeit mehr Schaden angerichtet als Nutzen gebracht“, kritisierte Spielhoff damals mit der für ihn charakteristischen sehr feinen Ironie. Und: „Weiterhin und auf unabsehbare Zeit wird die Stadt für diese Aktion Zinsen von durchschnittlich rund 2 300 Euro€ jährlich zahlen müssen.“

Ein kleines Beispiel für den öffentlichen Umgang mit Geld in Bremen – ein kleines Beispiel für das, was Spielhoff beschäftigt hat. Finanzsenatorin Linnert – zu Poller-Zeiten noch in der Opposition – dankte ihm gestern und betonte, dass ihr der Präsident fehlen werde: „Grund zur Trauer habe ich.“ Darauf Spielhoff: „Ist alles relativ.“ Linnert: „Sind Sie jetzt wehmütig?“ Wieder Spielhoff: „Nicht direkt.“

Eine große Verabschiedung Spielhoffs folgt am Mittwoch, 19. August, im Parlament. Redner: Bürgerschaftspräsident Christian Weber und Dr. Jann Meyer-Abich, der Präsident des Hamburger Rechnungshofs. Spielhoffs Nachfolgerin wird Bettina Sokol, noch bis heute Datenschützerin in Nordrhein-Westfalen.

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