Linnert bleibt stärkste Frau

Grünen-Vorstand will mit weiblichem Spitzentrio in den Wahlkampf ziehen

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Anja Stahmann (v.l.), Maike Schaefer und Karoline Linnert sollen als „drei starke Frauen für Bremen“ im Bürgerschaftswahlkampf viele Prozentpunkte für die Grünen sammeln. 

Bremen - Von Jörg Esser. Eins, zwei, drei – die ersten Listenplätze der Bremer Grünen für die Bürgerschaftswahl im Mai 2019 sollen mit Frauen besetzt werden. So hat es der Landesvorstand einstimmig vorgeschlagen. „Mit drei starken Frauen für Bremen“, lautet der Slogan. Finanzsenatorin Karoline Linnert (59) soll erneut als Spitzenkandidatin antreten. Das Trio komplettieren Fraktionschefin Maike Schaefer (46) und Sozialsenatorin Anja Stahmann (50).

Linnert geht in einem Jahr zum fünften Mal als Spitzenkandidatin für die Grünen ins Rennen. Sie hat die Partei aus der Oppostion (2003: 12,8 Prozent) 2007 mit 16,5 Prozent der Wählerstimmen in die Regierung und dann auf das Allzeithoch von 22,5 Prozent geführt, ehe die Ökopartei 2015 wieder auf 15,1 Prozent absackte.

Die 59-Jährige hat als bundesweit erste Grüne ein Finanzressort übernommen und das klamme Bundesland auf Konsolidierungskurs gesteuert. „Dass Bremen als Bundesland finanzpolitisch eine echte Chance und Zukunft im kommenden Jahrzehnt hat, war vor einigen Jahren angesichts der Hinterlassenschaften aus CDU-Mitregierungszeiten nicht zu erwarten“, sagte der Landesvorstandssprecher der Grünen, Ralph Saxe (58), am Montag bei der Präsentation des Spitzenpersonals vor Journalisten.

Linnert verwies auf das für Bremen sehr gute Ergebnis der neuen Bund-Länder-Finanzbeziehungen. Dadurch öffneten sich ab 2020 neue Handlungsspielräume. „Die schwarze Null ist ja kein Selbstzwecke. Sie dient dazu, politisch handlungsfähig zu bleiben.“ Linnert jedenfalls „hat Lust auf noch mehr Legislaturperioden“ und sagte: „Ich arbeite als Grüne für Bremen.“ Die Finanzsenatorin sagte auch: „Für Erneuerung stehe ich in der Tat nicht.“

Elf Jahre Parlamentserfahrung

Sozialsenatorin Anja Stahmann ist seit 2011 im Amt. Sie betonte: „Wir sind nicht neu, aber erfahren.“ Auch die 50-Jährige soll ihren Job nach den Vorstellungen des Grünen-Vorstands weitermachen. Sie soll eine tragende Rolle behalten und will das auch. „Ich sehe mich im Amt in erster Linie als Vernetzerin, von der lokalen Ebene über die Ressorts bis in die Bundespolitik.“ Stahmann stellte klar: „Die soziale Zusammenarbeit beginnt in den Quartieren, wo wir die Vielfältigkeit der Menschen weiter fördern wollen.“

Maike Schaefer ist die Nachwuchskraft in der Spitzenriege – mit 46 Jahren und elf Jahren Parlamentserfahrung. Schließlich strebt sie erstmals ein Senatorenamt an. Geht alles glatt und bleiben die Grünen an der Macht, soll Schaefer das Umwelt- und Verkehrsressort übernehmen. Amtsinhaber Joachim Lohse (59) hat ja just seinen Rückzug aus der Bremer Politik nach der Bürgerschaftswahl angekündigt.

Weiterregieren wollen die Grünen. Mit wem, das lassen sie offen. Linnert: „Wir kämpfen für ein gutes grünes Wahlergebnis.“ Und weiter: „Wir machen grünen Wahlkampf.“ Soll heißen: Über eventuelle Koalitionen wird nach der Wahl entschieden. Berührungsängste haben die Grünen nicht. „Mit der AfD reden wir natürlich nicht“, warf Linnert ein.

Drei Frauen auf den ersten Plätzen, das ist neu. „Wo bleibt die Geschlechtergerechtigkeit?“ Saxe antwortete: „Dass drei Frauen an der Spitze stehen, zählt für mich zur Geschlechtergerechtigkeit.“ Das sei ein „Qualitätsmerkmal“.

Die endgültige Entscheidung über die Liste fällt die grüne Basis im Dezember – auf einer Landesmitgliederversammlung.

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Grüne  Planspiele: Die Posten sind verteilt

Jörg Esser

Von Jörg Esser. Karo will es noch einmal wissen. Und Karo soll es auch noch einmal machen, zum fünften Mal. Karo soll weiterhin die Bremer Kröten schützen, die Millionen aus Kupfer und Papier. Die Bremer Grünen wollen mit ihrer stresserprobten und langjährigen Finanzsenatorin (seit 2007) Karoline Linnert in den Bürgerschaftswahlkampf 2019 ziehen. Die 59-Jährige bekommt mit Fraktionschefin Maike Schaefer und Sozialsenatorin Anja Stahmann geballte Frauenpower an die Seite gestellt. Drei Frauen auf den Plätzen eins bis drei – ein Novum.

out.stream powered by ADITION „Das ist ein Qualitätsmerkmal“, sagt Ralph Saxe, die männliche Hälfte des Landesvorstands. Es wird zumindest als solches verkauft. Die grünen Männer bleiben in der Versenkung. Dorthin verschwindet mit Joachim Lohse auch der in Parteikreisen nicht allzu beliebte Bau- und Umweltsenator.

Neue Wahl, neues Glück. Die Grünen geben sich selbstbewusst. Sie verteilen schon mal die Posten in der zukünftigen Regierung. Finanzen, Umwelt, Soziales – alles grün. Drei Spitzenfrauen, drei Spitzenämter. Das passt ja wunderbar.

Eine durchaus offensive Strategie. Die potenziellen Partner wissen schon mal, woran sie sind. Das kommt bestimmt gut an. Und die Wähler wissen, was ihnen blüht. Sie müssen nur noch richtig wählen.

Ach so. Partner. Dass es noch einmal für Rot-Grün reicht, scheint unwahrscheinlich zu sein. Bleiben wohl zwei Möglichkeiten – Rot-Grün-Rot oder Jamaika. Linnert und die Grünen sind da offen. Man müsse nach der Wahl sehen, was möglich ist. Und rechnen. Die Posten sind ja schon verteilt.

Ach ja. Generationswechsel ist auch ein Stichwort bei den Grünen. Dafür steht Maike Schaefer. Die ist 46 und sitzt seit zwölf Jahren im Parlament. „Maike Schaefer steht für den gemeinsam getragenen Generationswechsel an der Spitze in vier Jahren bereit“, heißt es in der Pressemitteilung.

Ach was. Das heißt ja: Die Grünen haben jetzt, im April 2018, auch schon über die Spitzenkandidatur 2023 entschieden. Das ist doch mal eine vorausschauende Planung.

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