Linda Zervakis liest im „Landhaus Horn“

Kindheit an der Kiosktheke

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Von der ARD ins „Landhaus Horn“: Linda Zervakis (40) las gestern aus ihrem Buch „Königin der bunten Tüte“.

Bremen - Von Steffen Koller. Zwischen Zuckerstangen und Kiezgeschnatter: Linda Zervakis (40), Nachrichtensprecherin der „Tagesschau“, verbrachte viele Jahre ihrer Kindheit im väterlichen Kleinbetrieb. Aus ihrem Buch „Königin der bunten Tüte“ las sie gestern in der „Stiftungsresidenz Landhaus Horn“ vor. Geschichten aus dem Dunstkreis von Nikotin, Schweiß und Gulasch aus der Dose.

Während Linda Zervakis über die „Tagesschau“ in viele deutsche Wohnzimmer schaut, wurde der Spieß einmal umgedreht. Jetzt schauten ihr alle zu, stellten Fragen und amüsierten sich über das, was die Tochter eines griechischen Gastarbeiters zu erzählen hatte. Mit ihrem Buch trat sie vor das Publikum und entschuldigte sich gleich zu Beginn ihrer Lesung: „Sie haben so viel erlebt und jetzt sitzt hier eine Griechin – eine Pleitegriechin.“

Zervakis spielte damit nicht nur auf den Zweiten Weltkrieg an, den einige Residenz-Bewohner miterlebt hatten, sondern hob gleichzeitig auch den Grund für die Lesung hervor. Die Bewohner hatten als Zeitzeugen für „Radio Bremen“ an einer Chronik zum Kriegsende vor 70 Jahren mitgewirkt und die Verantwortlichen wollten mit der Lesung „Danke“ sagen. Doch zurück zum Buch, welches Einblick gibt in die 80er Jahre und den Stadtteil Hamburg-Harburg. Dort wuchs die heute 40-Jährige auf. Als sie zwölf Jahre alt war, übernahm ihr Vater Christos einen Kiosk, zwei Jahre später starb er. Seitdem war sie zusammen mit ihren Brüdern mitverantwortlich für den Verkauf von Brötchen, Schnaps und Gulasch aus der Dose – und lernte gleichzeitig den „Backstagebereich der Gesellschaft“ kennen.

Egal ob Anzugträger oder Obdachloser, mit vielen Menschen aus der Zeit verbinde sie heute eine Geschichte, jeder habe seine Macken gehabt, jeder war auf seine eigene Art einzigartig und mehr oder minder sympathisch. Auch ihre Mitschüler fanden sie sympathisch – zu Grundschulzeiten. Doch mit fortschreitendem Alter habe sich jeder profilieren wollen. „Es gab entweder Hugo Boss oder C&A. Ich hatte die bunten Tüten“, so Zervakis.

Neben Lakritz und sauren Bonbons habe sie ihren Mitschülern auch spannende „Kiezgeschichten“ erzählt. „Die klebten an meinen Lippen“, sagte sie rückblickend. Und auch wenn der Stadtteil im Süden Hamburgs schon seit langem einen schlechten Ruf genießt, stellte Zervakis fest: „Ich bin nicht ganz missraten.“ Das Publikum stimmte ihr zu und verabschiedete sie mit einem großen Applaus.

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