Studentenprotest und Rudi Dutschke

Bremens Zentrale für linke Revolutionäre: „Lila Eule“ wird 60

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Politisch engagierte Jugendliche trafen sich in der Eule – ein Bild aus dem Jahr 1968.

Bremen gilt weithin als linkspolitisch - vor allem in der Zeit der Studentenproteste hatte die Hansestadt eine deutliche rote Färbung. Die „Lila Eule“, ein Mittelpunkt dieser Bewegung Bremens, wird nun 60 Jahre alt.

  • Geschichte der „Lila Eule“ beginnt 1957 an der Langenstraße
  • Rudi Dutschke besucht das Bremer Lokal 1967
  • Straßenbahnunruhen nehmen dort ihren Anfang
  • Geburtstagsfeier startet am 27. und 28. Dezember

Bremen – Das Wort „Legende“ wird sehr oft benutzt, manchmal etwas leichtfertig. In diesem Fall aber ist es wirklich angebracht. Die „Lila Eule“ ist ein legendärer Schauplatz des bremischen Nachtlebens und auch bremischer Politik, keine Frage. Jetzt wird das Lokal 60 Jahre alt, gerade bereiten die Betreiber – Michael Pietsch und Fuat Ates – die entsprechenden Feierlichkeiten vor.

„Ab diesem Dezember wird ein ganzes Jahr lang gefeiert“, sagen sie. Denn die „Eule“ sei der „wahrscheinlich älteste deutsche Musikklub“. Eine weit über Bremen hinaus bekannte Institution im Viertel ist das Lokal allemal. Seine Geschichte aber begann woanders, in der Innenstadt nämlich. Als Jazzlokal eröffnete die „Lila Eule“ am 27. Dezember 1959 an der Langenstraße 27.

Traditionalisten wie der Klarinettist Mr. Acker Bilk und der britische Bandleader Chris Barber traten dort auf. Im Januar 1965 folgte der Umzug ins Ostertor, in die Bernhardstraße. Eine Gruppe hatte die „Eule“ übernommen – unter anderem gehörten ihr der Architekt und spätere Grünen-Urvater Olaf Dinné und Gert Settje an, der spätere Gründer des dieser Tage gerade 50 Jahre alt gewordenen Kinos Cinema Ostertor.

„Lila Eule“ in Bremen: Rudi Dutschke im Viertel

Jetzt begannen die wilden Jahre, denn in der „Eule“ traf sich die revolutionär gestimmte Jugend. Hier wurde nicht allein musiziert, sondern auch diskutiert. Im November 1967 hielt Rudi Dutschke in der „Lila Eule“ eine Rede; Dinné hatte den Gast selbst aus Berlin abgeholt. Wenige Tage später folgte eine „turbulente Schülerversammlung“ in dem Lokal, die „man als Auftakt zu den Straßenbahnunruhen Anfang 1968 bezeichnen kann“, heißt es im „Großen Bremen-Lexikon“ des Historikers Herbert Schwarzwälder (1919 bis 2011). „Hier war die Zentrale der Aktionen.“

Schummerige Beleuchtung und Zigarettenqualm – an der „Lila-Eule“-Theke im Jahr 1965.

Die „Eule“ war nun ein politisches Lokal, ein Treffpunkt der außerparlamentarischen Opposition. Auch Schauspieler des Theaters Bremen, an dem in jenen Tagen gerade der revolutionäre „Bremer Stil“ geprägt wurde, gingen hier ein und aus. Der Kampf gegen die „Mozart-Trasse“, die Rettung der historischen Bausubstanz und Struktur des Viertels – eng mit dem Namen Dinné verbunden, aber ebenso eng auch mit der „Lila Eule“.

„Lila Eule“: Der 60. Geburtstag wird kräftig gefeiert

Und heute? Wird gefeiert. Die Betreiber formulieren es so: „Wir feiern nicht nur den Auftakt zur Geburtstagssause, sondern auch die endgültig – nach kräftezehrenden und kostspieligen Jahren – vor Gericht gewonnenen Verfahren um Lautstärke und Betriebserlaubnis. Wir sind nun zwar ärmer, aber reich waren wir ja nie.“ Am Freitag und Sonnabend, 27. und 28. Dezember, macht die dänische Mod-Band „The Movement“ die Musik zur Party – ganz im Geist der 60er. Schon in wenigen Tagen geht‘s zurück in die 80er – bei der „Eule-1988“-Party am Sonnabend, 23. November, um 23 Uhr.

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