Die Liebe zur Stadt

„Mein Kunst-Stück“ mit Naser Agha: „Von Aleppo nach Bremen“

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Wie eine fotografische Mehrfachbelichtung: Naser Agha mit seinem Bild „Von Aleppo nach Bremen“.

Bremen - Von Ilka Langkowski. „Von Aleppo nach Bremen“ heißt Naser Aghas Bild, das er in unserer Serie „Mein Kunst-Stück“ vorstellt. Mit großer Tiefe zeigt es markante Punkte der Bremer Innenstadt. Eine stimmungsvolle Szenerie ergibt sich.

In dezenten Grautönen deutet Naser Agha aus Syrien Gebäude und architektonische Details an. In seinem vor kurzem fertiggestellten Acrylbild „Von Aleppo nach Bremen“ zeigt sich inmitten rauchigem Graus eine farbige Wolke wie aus warmem Wüstensand und Licht. 

Der Bremer Dom, in Pastellviolett mit grünem Dach, steht im Zentrum des Gebäudeensembles. Das Bild erinnert an eine fotografische Mehrfachbelichtung, in der Eindrücke sich halbtransparent überlagern. Die Szene auf Bremens zentralem Platz ist noch vage. Die beiden historischen Gestalten blasen das Horn. Sie sind ohne Farbe, aber fein ausgearbeitet.

„Es ist mir eine große Ehre, etwas von der jahrtausendealten Kultur Aleppos mit nach Bremen tragen zu können“, übersetzt Senaa Al-Khaffaji, die für den bekannten arabischen Künstler dolmetscht. „Ich lebe nun hier, und die Stadt hat mich mit offenen Armen empfangen. In den Bildern zeige ich meine Liebe zu der Stadt.“

Agha möchte Bremens Stimmung einfangen

Rund zwei Jahre ist Agha an der Weser. Mit den Augen des Künstlers geht er auf Entdeckungsreise durch die Stadt. Er möchte ihre Geschichte erfahren, ihre Stimmung aufnehmen und ihre Menschen verstehen lernen. „Was mich am meisten interessiert, sind die Schönheit, die Liebe und das Leben“, sagt er. Traurigkeit finde sich als Moment in seinen Bildern. Im Gegensatz zu früher arbeitet der Maler heute auch mit den Farben Schwarz und Grau.

Auf die Kunst ist Agha früh gekommen. Schon als Kind hat er viel gemalt. Später musste er sich zwischen den Talenten Musik, Sport und Kunst entscheiden. Agha wählte die Kunst. Er studierte in Damaskus und Aleppo. Überwindung kostete es ihn nicht, den unsicheren Weg des Künstlerlebens einzuschlagen. 

„Die Entscheidung war ganz klar. Sie kam aus einer inneren Überzeugung.“ Agha gelangte mit seinen Bildern zu internationalem Ansehen. Durch den Krieg, die Flucht und den kompletten Neustart in Bremen ist es für den syrischen Künstler nun so, als würde er wieder ganz von vorn anfangen.

Von Kunst zu leben ist schwierig

Abgesehen von den äußeren Umständen seien die Herausforderungen des Künstlerlebens dessen Höhen und Tiefen, meint Agha. „Aber wenn man an seine Arbeit glaubt, dann schrumpfen die Widerstände“, erklärt der Maler aus Aleppo. Schwierig sei die Vermarktung, damit man von der Kunst leben könne. Zu oft würden erst die verstorbenen Künstler wirklich gewürdigt, sagt er und nennt die Worpsweder Künstlerin Paula Modersohn-Becker. 

„Sie lebte arm, und heute ist ein Museum nach ihr benannt.“ In seinem kleinen Atelier malt Agha am liebsten spät abends. Wenn alles ruhig ist und schläft, genießt er diese besondere Atmosphäre. Er ist dann ganz bei sich, in seinen Gedanken und seinem Glauben.

Ob wir Kunst brauchen? „Auf jeden Fall, alles im Leben kommt von der Kunst – was wir anziehen, das Design, alles, was das Auge wahrnimmt.“ Zu den Künstlern, die für Agha besonders bedeutend sind, zählen der syrische Maler, Bildhauer und Schriftsteller Fateh al-Moudarres (1922 bis 1999) und der Niederländer Vincent van Gogh (1853 bis 1890). 

An van Gogh fasziniert Agha, dass er als einer der ersten Maler sein Atelier verließ, um Motive auf der Straße und aus dem echten Leben zu suchen. Al-Moudarres habe die syrische Kunst revolutioniert. Er war Mitbegründer der Moderne, die die die traditionelle Kunst Syriens ablöste.

Wenn Agha jemandem ein Bild als Botschaft schicken sollte, dann würde er seine Bilder am liebsten an alle Menschen adressieren: „Um sie daran zu erinnern, wie wichtig Frieden ist. Und dass Syrien eigentlich ein Land voller Schönheit ist.“

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