„Liaison-Offiziere“ betreuen die Seeleute

Freundlich und flexibel

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Tanja Glawatty ist bei der „Sail“ in Bremerhaven eine von den ehrenamtlichen „Liaison-Offizieren“ und betreut die Besatzung von zwei Schiffen.

Bremen - Von Janet Binder. Mit den 270 Schiffen kommen auch 4 000 Seeleute zur „Sail“ nach Bremerhaven, die von Ehrenamtlichen betreut werden. Wenn Tanja Glawatty an Bord eines Schiffes geht, ist sie hochwillkommen. Nicht nur, weil sie ein Gastgeschenk mitbringt, sondern vor allem, weil sie Wünsche erfüllt und Probleme löst. Damit die rund 4 000 internationalen Besatzungsmitglieder sich in der Seestadt wohlfühlen, bekommt jedes Schiff seinen eigenen ehrenamtlichen Betreuer – einen sogenannten „Liaison-Offizier“ – zur Seite gestellt. „Wir bieten den Mannschaften ein Rundum-sorglos-Paket“, sagt die 51-jährige Tanja Glawatty.

Die Bremerhavenerin wird sich an den fünf Festivaltagen von frühmorgens bis spätabends um die 120 Besatzungsmitglieder des französischen Dreimasters „Etoile Du Roy“ und um die 75 Seeleute des portugiesischen Viermasters „Santa Maria Manuela“ kümmern – ehrenamtlich. „Ich habe mir dafür Urlaub genommen.“ Als Fremdsprachenassistentin bringt sie die nötigen Sprachkenntnisse für ihren „Sail“-Einsatz mit. Doch das ist nicht das Wichtigste: „Die Qualifikation der ,Liaison-Offiziere‘ ist deren Persönlichkeit“, sagt Chef-Liaison Stefan Apel. „Sie müssen freundlich und flexibel sein und ein großes Durchhaltevermögen haben.“

Diese Eigenschaften hat Tanja Glawatty bereits auf vier „Sail“-Veranstaltungen bewiesen. Fast jeden Wunsch konnte sie bisher erfüllen – und sei er noch so ungewöhnlich. Als dem Koch der französischen Bark „Belem“ nach monatelanger Reise in Bremerhaven die gesalzene Butter ausging, klapperte sie mit ihm sämtliche Läden danach ab. Weil sich aber nichts auftreiben ließ, griff sie in ihre eigene Tiefkühltruhe. „Ich liebe selbst auch gesalzene Butter und hatte mir beim letzten Frankreichurlaub einen Vorrat angelegt“, erzählt Tanja Glawatty. Ein Kilo gab sie an die Mannschaft ab.

Aber auch wenn es technische Probleme an Bord gibt, leitet sie das weiter. Sie begleitet die Mannschaften zu eigens für sie angebotenen Sportveranstaltungen wie Fußball und Tauziehen am Weserstrand, besorgt Karten für ein Fußballspiel oder organisiert einen Bus für einen Ausflug nach Hamburg. „Die Liaisons tragen entscheidend dazu bei, dass sich die Schiffsbesatzungen in Bremerhaven wohlfühlen und gerne wieder hierherkommen“, betont Heino Tietjen, Leiter des „Sail“-Organisationsbüros. „Nicht zuletzt deswegen kommen so viele Schiffe nach Bremerhaven wie zu keinem anderen Windjammertreffen in Deutschland.“

23 zivile Liasion-Offiziere aus dem gesamten Bundesgebiet sowie aus den Niederlanden und Finnland helfen während der „Sail“, dazu kommen zwölf Marine-Offiziere, die sich um die Besatzungen der Marineschiffe kümmern. „Die Leute sind mit Herzblut und Begeisterung dabei“, sagt Chef-Liaison Apel. Kein Wunder: „Keiner kommt so dicht an die Schiffe wie die Liaisons.“ Dafür nimmt Tanja Glawatty wenig Schlaf während der „Sail“ in Kauf. „An Bord eines Schiffes fühle ich mich zu Hause“, sagt die Bremerhavenerin, die selbst aber keines besitzt. „Und es macht Spaß, meine Stadt würdig zu vertreten.“ Als Dank für ihre Unterstützung wurde sie schon mehrfach von Kapitänen zum Mitsegeln eingeladen. Leider passte es bei ihr zeitlich nie. „Aber das wäre noch mal ein Traum von mir“, sagt sie.

dpa

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