Der Leuchtturm Roter Sand in der Weser gilt als Aushängeschild deutscher Ingenieurbaukunst

130 Jahre im Strom der Gezeiten

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Ein einzigartiges „elektrifiziertes Funktionsmodell“ aus dem Jahr 1930 ist Teil des Bestands im Deutschen Schiffahrtsmuseum. Der Schifffahrtshistoriker Dirk Peters prüft den Fortschritt der Restaurierungsarbeiten.

Bremerhaven - Von Marvin Köhnken. „Da hat er wohl auf Sand gebaut“, heißt es immer dann, wenn jemandem ein Plan gründlich daneben gegangen ist. „Das hast Du aber ganz schön in den Sand gesetzt“, schlägt in die gleiche Kerbe. Wenn es allerdings gelingt, ein aufwendiges Projekt auf sandigen Untergrund zum Erfolg zu führen, ist das – wie im Fall des Leuchtturms Roter Sand – auch noch 130 Jahre danach ein Grund, eine solche Meisterleistung angemessen zu würdigen.

Das weithin sichtbare Bauwerk ist heute offiziell ein „Wahrzeichen der Ingenieurbaukunst in Deutschland“. Rund um den Globus ist der Name Roter Sand bekannt, die Form des Bauwerks gilt als absolut stilprägend. Der Clou: „Als erstes Gebäude wurde der Leuchtturm auf offener See gebaut – 22 Meter unter Niedrigwasser auf der Sandbank ,Roter Sand‘“, erklärt Dr. Dirk Peters, Experte für Schiffsbaugeschichte und Mitglied der Interessengemeinschaft Seezeichen. Historisch bedeutsam sei also gar nicht der weithin sichtbare Leuchtturm, sondern vielmehr sein Fundament.

Für Peters, der sich seit seiner akademischen Ausbildung in den 60er Jahren mit der Geschichte des Leuchtturms beschäftigt hat, ist der Rote Sand der berühmteste Leuchtturm in Deutschland und Beweis für den Aufstieg des Deutschen Reichs zu einem stolzen Industriestaat – in einer Zeit der Kolonisation, in der Europas Nationen um die Vorherrschaft auf dem Meer stritten. Eindrucksvolle zeitgenössische Gemälde illustrieren den Stolz der Deutschen auf dieses Bauwerk.

Zwischen 1885 und 1986 in Betrieb

Seit seiner Inbetriebnahme am 1. November 1885 wies der etwa 30 Meter hohe Leuchtturm genau 101 Jahre und zehn Tage den Seefahrern einen sicheren Weg durch die Außenweser. Seit dem Mittelalter erschwerten Gezeitenströme, der sich stetig wandelnde Boden und eine oft sehr schlechte Sicht die Einfahrt größerer Schiffe auf der Fahrt in Richtung Bremen.

Nach einer Idee von Bremerhavener Ingenieuren wurde 1884 ein stählerner Senkkasten (Caisson) mit Hilfe von Dampfmaschinen tief in die Sandbank „Roter Sand“ gepresst und anschließend mit Beton aufgefüllt.

„Es gab zwar bereits seit der frühen Neuzeit Tonnen, Feuerschiffe im Verlauf des Fahrwassers und Lichter an der Küste, die den Weg wiesen. Bei schlechter Sicht half das aber alles nichts, da fiel die Orientierung schwer. Oft mussten zudem die Feuerschiffe zurück in den Hafen“, berichtet Dr. Albrecht Sauer, Nautik-Experte am Deutschen Schiffahrtsmuseum (DSM) in Bremerhaven. „Am Eingang der Außenweser, etwa 50 Kilometer vom Deich am Nationalmuseum entfernt, diente der Rote Sand fortan als dauerhafter wetterfester Bezugspunkt für die Schifffahrt in einem ausgesprochen schwierigen Terrain.“ Mit Hilfe stetiger Leuchtfeuer konnten Schiffsführer und Fischer ohne Probleme an der Küste navigieren.

Dass der Leuchtturm bis heute in der Weser steht, ist vor allem dem Förderverein „Rettet den Leuchtturm Roter Sand“ und Rolf Seedorf zu verdanken, die sich Mitte der 80er Jahre für den Erhalt des Turmes in der Außenweser starkgemacht haben. Wasser- und Schifffahrtsamt-Mitarbeiter Seedorf war gut mit dem Roten Sand vertraut und entwickelte eine kostengünstige Methode, um das marode Fundament zu erhalten: Ein Schutzmantel und neuer Beton – zum großen Teil durch Spendengelder finanziert – verstärken seitdem den Stahlrahmen des Leuchtturm-Fundaments.

Bis 1964 ununterbrochen bemannt

Heute wird das Gebäude von den Mitgliedern des Fördervereins instandgehalten, um das seit 1964 unbemannte und für Übernachtungsgäste umgebaute Seezeichen vor den Gewalten der Natur zu schützen.

„Der Turm ist das erste Offshore-Bauwerk der Welt und ermöglicht bis heute vielen eine Reise in die Zeit, in der Menschen an diesem einsamen Ort lebten und arbeiteten“, sagt Rolf Pilz, Vorsitzender des rund 500 Mitglieder umfassenden Fördervereins „Rettet den Leuchtturm Roter Sand“. Während der Turm von 1885 bis 1964 ununterbrochen von drei Männern besetzt war, die bei schlechtem Wetter bis zu mehrere Monate ohne fließendes Wasser und andere Annehmlichkeiten ausharren mussten, gibt es im Keller des Turms heute Wassertanks und eine moderne Toilette für die Gäste.

www.rotersand.de

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