Eike Besuden verfilmt in „Gibsy“ das Schicksal des Boxers Johann Trollmann

Der letzte Sieg ist tödlich

Fimdreh in einer Lagerhalle in der Bremer Überseestadt: Regisseur Eike Besuden (l.) weist Hannes Wegener (in den gelben Boxershorts) und Caner Arici (als Adolf Witt) in die Szene ein. ·

Bremen - Von Jörg Esser. Es ist ein Einzelschicksal. Ein bislang weithin unbekanntes Sportlerleben, das durch die Vorgaben der Zeit bestimmt wurde. Es ist die Geschichte des Boxers Johann „Rukeli“ Trollmann, die der Bremer Regisseur Eike Besuden (Pinguin Studios) im Dokudrama „Gibsy“ nachzeichnet.

Derzeit laufen Dreharbeiten in der Hansestadt. Johann Trollmann (Jahrgang: 1907) aus Hannover ist ein Lebemann, ein Siegertyp. Er wird hofiert, wo er auftritt. Und er gewinnt meistens seine Kämpfe. Ende der 20er Jahre deutet nichts darauf hin, dass sein Leben in einer Katastrophe enden wird.

Trollmann wird Boxprofi. Im Juni 1933 gewinnt er die Deutsche Meisterschaft im Halbschwergewicht gegen Adolf Witt. Es ist der Anfang vom Ende. Der Boxverband, in dem die Nazis die Macht übernommen haben, erkennt dem Hannoveraner den Titel ab, weil er Zigeuner ist und „undeutsch und unsportlich boxt“. Offiziell liest sich das so: „Der deutsche Boxer tänzelt nicht herum und weicht nicht aus, der deutsche Boxer steht und schlägt zu.“

Trollmann wird noch einmal zwischen die Boxseile zitiert. Gegner ist Gustav Eder, stärkster Halbschwergewichtler seiner Zeit. „Rukeli“ weiß, dass er keine Chance hat, zu gewinnen. Doch er trainiert „deutschen Boxkampf“. Und steigt in den Ring – als Karikatur eines Ariers. Seine schwarzen Locken färbt er blond, seinen ganzen Körper bestäubt er mit einem weißen Pulver. Trollmann verliert, obwohl er der bessere Boxer ist. Seine Karriere ist beendet. Er laviert sich zunächst durch die Nazi-Zeit, wird mit Kriegsbeginn zur Wehrmacht eingezogen, landet später in verschiedenen Konzentrationslagern. Im März 1943 fordert ihn ein Kapo zum Kampf heraus. Der geschwächte Trollmann gewinnt. Und unterschreibt damit sein Todesurteil. Der Kapo rächt sich. „Sein letzter Sieg kostete ihn sein Leben“, sagt Besuden.

Der Filmemacher ist vor rund zehn Jahren in Hannover auf die Geschichte Trollmanns gestoßen. Und hat sich „aufgemacht, ein paar Verbündete zu finden“. Das gestaltete sich schwierig. Vor drei Jahre holte Besuden dann David Safier ins Boot, ein Spielfilm über ein außergewöhnliches Sportlerschicksal war geplant. Mit Bremedia und Bavaria stiegen große Produktionsfirmen ein. Doch die kippten das Projekt im Frühjahr 2010. Nach drei Flops mit Streifen über Sportschicksale im Dritten Reich (unter anderem „Berlin 1936“) schien das Thema ausgelutscht zu sein.

Besuden schwenkte um: „Dann wird’s ein Dokudrama.“ Der NDR stieg ein, Nordmedia bewilligte Fördergelder. Derzeit entsteht ein 90-minütiges Werk, das je zu einem Drittel Archivmaterial, Zeitzeugenberichte und Spielszenen enthält, die das Leben Trollmanns nachzeichnen.

Noch bis Juli laufen die Dreharbeiten unter anderem in einer Lagerhalle in der Überseestadt. Dort werden die Kämpfe „Rukelis“ gegen Witt und Eder nachgespielt. In die Rolle Trollmanns schlüpft der junge Hannes Wegener aus Potsdam. Er hat für seine Rolle eigens vier Wochen Boxunterricht genommen. „Alle Sprechrollen sind mit Schauspielprofis besetzt“, sagt Besuden. Im Ring trifft Wegener dann auf Amateurboxer. „Das hat bislang klasse geklappt“, sagt der Regisseur. Im Herbst soll „Gibsy“ (jenen Spitznamen hat sich Trollmann auf seine gelben Boxershorts sticken lassen) fertig sein. Dann beginnt die Reise durch die Filmfestivals. „Ich will ins Kino“, sagt Besuden. Und erst danach kommt „Gibsy“ auch ins Fernsehen.

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