Fragen und Antworten

Letzte Hilfe: Kurse für Menschen, die Sterbende begleiten

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Sterben ist ein Thema, das auch die helfenden Menschen fordert.

Bremen - Seit 2015 gibt es in Deutschland Kurse in „Letzter Hilfe“. Sie sollen Menschen, die Sterbende begleiten, Sicherheit geben. Die Idee für die in Deutschland, Dänemark und Norwegen stattfindenden Kurse stammt von dem schleswig-holsteinischen Mediziner Georg Bollig. Hier Fragen und Antworten zu Kursinhalten und dazu, worauf es ankommt.

Was kann man tun, wenn man jemanden helfen will, der im Sterben liegt?

Wichtig ist Zuwendung. Da sollen die Kurse Unsicherheit abbauen. Christiane Pröllochs (53) vom begleitenden sozialen Dienst im Altenpflegeheim Kirchweg des Vereins für Innere Mission in Bremen, die auch in solchen Kursen unterrichtet, sagt: „Wenn man sich auf einen Menschen einlässt und sich einschwingt, dann spürt man das Verhältnis von Nähe und Distanz. Wir fragen, was braucht der Mensch körperlich, sozial, geistig und spirituell.“ Es gehe darum, eine möglichst hohe Lebensqualität zu erreichen. „Menschen mit Krebs wollen zum Beispiel möglichst keine Schmerzen und Atemnot erleiden.“ Thomas Rothe (50), Krankenhausseelsorger im Diako-Krankenhaus und Psychchoonkologe, wie auch Pröllochs von Georg Bollig in „Letzter Hilfe“ ausgebildet, fasst das Ziel so zusammen: „Es geht nicht darum, dem Leben mehr Tage zu geben, sondern den Tagen mehr Leben.“

Wie erkennt man die Bedürfnisse von Menschen, die sich nicht mehr richtig äußern können, etwa bei Demenz?

Hier ist eine gute Beobachtungsgabe gefragt. „Ein Mensch mit Demenz kann sich mitunter verbal nicht mehr äußern. Er äußert aber schon, wenn er sich nicht wohlfühlt“, sagt Pröllochs. „Menschen, die nahe mit der Person zu tun haben, können das erkennen, etwa Angehörige und Pfleger.“ Dementen sei es oft auch gar nicht bewusst, dass sie sich auf ihr Lebensende zubewegten.

Wie ändert sich die Nahrungsaufnahme im Sterbeprozess?

Das Essen und Trinken hört auf. „Die Organe stellen langsam die Funktionen ein. Der Körper kann im Sterbeprozess keine Nahrung mehr verwerten und ausscheiden. Darum ist es nicht angezeigt, im Sterbeprozess eine Magensonde zu legen“, sagt Pröllochs. „Die Angehörigen haben die Sorge, dass der Sterbende verhungert oder verdurstet. Das ist nicht so.“ Wichtig sei allerdings die Mundpflege. „Der Mund steht oft offen und kann austrocknen. Es kann zu Rissen kommen“, sagt Pröllochs. „Man kann den Menschen bei der Mundpflege noch einen Genuss bieten, indem man eine Flüssigkeit verwendet, die sie mochten, zum Beispiel Cola, Sekt oder Kaffee.“

Wie schützt sich der Helfer selbst?

Pröllochs gibt eine klare Antwort: „Sterbebegleitung macht man im Team.“ Hilfe böten Pfleger, Seelsorger und Ehrenamtliche. Bei einer Einzelperson bestünde die Gefahr, dass diese über ihre Grenzen geht. Die Kurse informieren Helfer darüber, welche Möglichkeiten es gibt.

Wie sind die Kurse formal gegliedert?

Die vierstündigen Kurse sind in vier Teile gegliedert. Der erste betrachtet Sterben als einen Teil des Lebens. Entscheidungen, etwa über Vollmachten, die unweigerlich getroffen werden müssen, und weitere Aspekte der Vorsorge werden in einem zweiten Teil behandelt. Der dritte Teil widmet sich der Linderung von Leid und zeigt mögliche Maßnahmen. In Teil vier geht es ums Abschiednehmen. Das hängt oft mit Ritualen zusammen. „Das Fensterkippen wird immer genannt“, sagt Pröllochs. „Man öffnet ein Fenster, wenn jemand verstorben ist.“ Auch verbreitet ist das Anzünden von Kerzen oder das liebevolle Herrichten des Verstorbenen, um Abschied zu nehmen.

Wie kann man sich für einen Kursus anmelden?

Die Kurse sind bundesweit gleich, es werden die gleichen Folien benutzt. Die Kurse werden nach Möglichkeit kostenlos angeboten. Maximal werden 20 Euro fällig. Angebotene Kurse in ganz Deutschland und weitere Informationen finden Interessierte auf der Seite des Projekts „www.letztehilfe.info“. Christiane Pröllochs empfiehlt, die Worte „Letzte Hilfe“ und „Kurse“ in die Suchmaschine einzugeben. Unter dem Stichwort „Letzte Hilfe“ könne man aber auch zu Befürwortern der Sterbehilfe gelangen, die für das Gegenteil dessen stünden, was das Projekt „Letzte Hilfe“ praktiziere.

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