Zwei Konfirmationen beim Gottesdienst auf der Osterwiese / Kirche streicht Seelsorgerstelle

Der letzte Auftritt der Schaustellerpastorin

Konfirmation im „Riverboat“: Alina Keese und Pastorin Regina Hallmann.

Bremen - Von Viviane StrahmannIhre Gemeinde kommt zum Gottesdienst nicht in die Kirche – Regina Hallmann besucht die Gläubigen auf dem Rummelplatz. Sechs Jahre lang war sie als Schaustellerpfarrerin regelmäßig auf dem Freimarkt und der Osterwiese zu Gast, nun ist ihre Stelle gestrichen worden.

Die Tränen konnte sie bei ihrem letzten Gottesdienst in Bremen dann auch nicht ganz verbergen; ein bisschen Wut über die Entscheidung der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) machte sich bei der 50-jährigen gebürtigen Bayerin ebenfalls bemerkbar.

Vorher aber betrat sie zum letzten Mal die kirchlich hergerichtete Bühne im „Riverboat“ von Familie Robert Weinert auf der Osterwiese, um zwei Schaustellerkinder – die 15-jährige Bremerin Sarah Huhn und Alina Keese (13) aus Schwanewede – zu konfirmieren. Diese waren merklich aufgeregt, obwohl „der Ort für unsere Konfirmation eigentlich für uns gar nichts Besonderes ist“.

Ein Jahr lang haben sie in einer Art „Fern-Konfirmationsunterricht“ sechs „Reisebriefe“ bearbeitet, Gottesdienste besucht und an einem dreitägigen Abschlussseminar teilgenommen. Gemeinsam mit einigen wenigen Besuchern saßen sie nun auf Bierzelt- statt Kirchenbänken – dort, wo sonst eine Band spielt und das Tanzbein geschwungen wird. Als sich Regina Hallmann nach dem Schaustellergebet bei ihren frommen Gemeindemitgliedern bedankte, übermannten die sonst so resolut wirkende Seelsorgerin die Gefühle: „Ich habe mich selten so frei und glücklich gefühlt wie bei dieser Aufgabe.“ Nun verlässt sie ihre insgesamt etwa 5 000 Mitglieder umfassende Gemeinde in der Region Nord Richtung Süden.

Dort tritt sie eine Stelle in der Offenbarungskirche München in Berg am Laim an. Die Streichung ihrer Stelle in der Zirkus- und Schaustellerseelsorge der EKD – eine Umstrukturierungsmaßnahme in Folge gesunkener Kirchensteuereinnahmen, so Hallmann – sei seit 2005 abzusehen gewesen. Seitdem habe sie darum gekämpft, ihre Aufgabe weiterführen zu können.

Betreuten zu Beginn ihrer Tätigkeit noch insgesamt fünf Seelsorger die Regionen in Deutschland, komme diese Aufgabe nach dem Wegfall ihrer Stelle nur noch einem zu. Dieser solle dann mit lokalen Pastoren vor Ort zusammenarbeiten. In Bremen übernimmt Ingrid Witte, Pastorin der Domgemeinde, diesen Part.

Für Pfarrerin Regina Hallmann ändert sich in ihrem neuen Job einiges. Statt Biertheke, Tanzfläche und Autoscooter muss sie sich jetzt zu ihrem Leidwesen auch um ihr Dach über dem Kopf kümmern – die Kirche will schließlich in Schuss gehalten werden. „Das Herumreisen wird mir sehr fehlen“, sagt sie. Kein Wunder, etwa 40 000 Dienstkilometer kamen bei der Schaustellerseelsorgerin im Jahr zusammen.

WWW.

bremer-osterwiese.de

ekd.de

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