Logistik-Unternehmer verzweifeln an der Verkehrspolitik und hängen an Bremen

Die Leiden der Spediteure

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Lang-Laster („Gigaliner“, hier auf dem Hof einer Spedition in Meppen) sind 25,25 Meter lang und bis zu 44 Tonnen schwer. Sie dürfen auf Bremens Straßen nicht fahren. Bremer Spediteure halten die Entscheidung für ein falsches Signal.

Bremen - Von Thomas Kuzaj - Was ist zu erwarten, wenn mehrere Spediteure zusammenkommen? Mit Klagen über Bremens Politik ist zu rechnen – keine Anbindungen, keine „Gigaliner“, keine Atomtransporte.

Genauso kam es gestern auch, als der Verein Bremer Spediteure seine Jahresbilanz vorstellte. Und noch ein bisschen schlimmer.

„Wir brauchen einen Partner, der nicht nur zuhört, sondern einen auch ernstnimmt“, sagte Vorstandsmitglied Eduard Dubbers-Albrecht (Ipsen Logistics). „Wir haben die Sorge, dass wir in Bremen nicht mehr ernstgenommen werden von der Politik. Sämtliche Signale, die von der Politik kommen, laufen unseren Überlegungen entgegen.“

„Es gibt keine Verbindlichkeit. Absichtserklärungen wurden nicht in Realität umgesetzt“, klagte Vorstandsmitglied Uwe Bielang (Kühne + Nagel). Investitionsentscheidungen seien aber nicht möglich ohne Verbindlichkeit, auf die man bauen könne.

Klingt alles nach einem Ort, den man am liebsten verlassen möchte – und tatsächlich: „Unser Unternehmen überlegt konkret, ein Erweiterungsprojekt mit 30 000 Quadratmetern nicht im Güterverkehrszentrum umzusetzen, sondern sich ins Umland zu begeben“, sagte Bielang. Und nannte auch gleich die Begründung: „Weil wir einfach der Bremer Verkehrspolitik nicht mehr glauben können.“

„Wir können mit Aussagen der Regierung keine Kunden gewinnen“, sagte auch Simon Reimer (BWG Reimer), der Vorsitzende des Vereins Bremer Spediteure. Die Transportfachleute wünschen sich eine bessere Anbindung des Güterverkehrszentrums und fordern „endlich eine verlässliche Perspektive zur Fertigstellung“ der Autobahn 281.

Klingt alles nach einem Ort, den man am liebsten verlassen möchte – aber nein: „Man muss sich zusammensetzen, keine Gegenpositionen aufbauen“, sagte Reimer. Aber: „Ein Verkehrskonzept, das auf Fahrräder setzt und den Wirtschaftsverkehr ausbremst, ist standortschädlich.“ Schädlich sei letztlich alles, was zu Verlängerungen von Transportzeiten (nicht: Transportwegen) führe.

Für schädlich halten die Spediteure zudem so manches „Signal“, das von Bremen ausgehe. Etwa die Abkehr vom Prinzip des Universalhafens durch das rot-grüne Transportverbot für Kernbrennstoffe. Und auch die „Weigerung Bremens“, am Feldversuch für Lang-Laster („Gigaliner“) teilzu-nehmen „oder zumindest den Transitverkehr über die eigenen Autobahnstrecken zu dulden“. Das werde „dem Anspruch eines herausragenden Hafen- und Logistikstandortes nicht gerecht“, hieß es gestern im Haus Schütting. Uwe Bielang: „Das sind Themen, die diskutieren Kunden mit uns. Das ist negatives Standortmarketing.“

„Marketing“ eines Standorts übrigens, der im vergangenen Jahr ein Rekord-Umschlagsergebnis in seinen Häfen verzeichnete. 5,9 Millionen Standardcontainer (TEU) wurden in Bremerhaven umgeschlagen. Mit einem großen Teil davon hatten Bremer Speditionsunternehmen zu tun. Also ist Bremen im Grunde kein Standort, den sie am liebsten verlassen würden.

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