Mehr Fehltage durch Psycho-Erkrankungen / DAK stellt „Gesundheitsreport“ vor

Die Leiden der Bremer

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Susanne Hildebrandt (l.) und Regina Schulz präsentieren den „Gesundheitsreport“. ·

Bremen - Von Thomas Kuzaj. Psycho-Leiden machen den Bremern besonders zu schaffen. In den vergangenen zwölf Jahren stiegen die Fehltage durch psychische Erkrankungen hier um 92 Prozent an – und im Bund um 85 Prozent. Das ist ein Ergebnis des „Gesundheitsreports“ der Krankenkasse DAK.

Regina Schulz, Norddeutschland-Chefin der DAK, stellte die aktuelle Ausgabe der jährlichen Untersuchung gestern in Bremen vor – gemeinsam mit der Mathematikerin Susanne Hildebrandt vom Berliner IGES-Institut, das den Report erarbeitet hat. Das Institut wertete dafür Daten von etwa 14 000 erwerbstätigen DAK-Versicherten in Bremen aus.

Nach den Berechnungen für den „Gesundheitsreport“ blieben im vergangenen Jahr in Bremen 100 Arbeitnehmer im Schnitt an 237 Tagen wegen einer psychischen Erkrankung dem Arbeitsplatz fern. „Hochgerechnet bedeutet das für alle Erwerbstätigen in Bremen mehr als 980 000 Fehltage in den Betrieben“, hieß es bei der Präsentation. Bremen stehe damit im Bundesvergleich an vierter Stelle – hinter dem ebenfalls kleinen Saarland (266 Tage) und den Stadtstaaten Hamburg (262 Tage) und Berlin (250 Tage).

Wieso gibt es in Bremen so viel seelisches Leid, so viele Psycho-Diagnosen? „Heute wird anders gearbeitet als vor 25 Jahren“, sagte DAK-Chefin Schulz. Eine „Entgrenzung von Job und Privatleben“ sei zu beobachten – und parallel dazu ein „Anstieg von Depressionen“. Schulz: „Arbeit hat zwei Gesichter. Einerseits wirkt sie schützend und stabilisierend auf die Psyche. Wer jedoch zu viel Arbeit hat, kann andererseits durch chronischen Stress im Job ausbrennen – mit ernsten Folgen für die psychische Gesundheit.“

Hinzu kommt, dass Betroffene und Ärzte heute anders mit seelischen Leiden umgehen als früher. Wer heute mit einem psychischen Problem krankgeschrieben wird, wurde dies vor Jahren beispielsweise noch wegen chronischer Rückenschmerzen.

Burnout übrigens halten die DAK-Fachleute nicht für ein „Massenphänomen“. Es komme nur besonders häufig in den Medien vor – und sei durch die massive Berichterstattung sozial eher akzeptiert als etwa eine Depression.

Die Erhebungen ergaben zudem, dass berufliche Telefonate und E-Mails außerhalb der Arbeitszeit weniger verbreitet seien als die öffentliche Debatte darüber vermuten lässt. Festgestellt wurde aber zugleich, dass „schon ein mittleres Ausmaß an Erreichbarkeit nach Feierabend mit einem erhöhten Risiko verbunden ist, an einer psychischen Störung zu erkranken“. Noch höher liege das Gesundheitsrisiko für die ständig erreichbaren Mitarbeiter: „Jeder vierte von ihnen leidet unter einer Depression“, hieß es.

Druck gibt es aber offenbar auch auf anderer, subtilerer Ebene. In Krisenzeiten melden sich weniger Menschen krank. Im Vergleich zu früheren Zeiten seien die Krankenstände seit Jahren „sehr niedrig“, sagte Hildebrandt. Dies sei ein „bundesweiter Trend“.

Auch der Krankenstand der erwerbstätigen DAK-Mitglieder in Bremen ist gesunken – vom Rekordhoch mit 4,1 Prozent im Jahr 2011 auf 3,8 Prozent im vergangenen Jahr. Im Vergleich zum Bundesschnitt hatte Bremen weniger Krankheitsfälle. Die durchschnittliche Dauer einer Krankschreibung aber liegt jedoch über dem Schnitt.

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