Bollerwagen „Smarty“ bei Mercedes vorgestellt / Projektarbeit mit dem Bremer Martinshof

Leichtgewicht: Zukunft auf acht Sitzen

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Kreative und Ingenieure entwarfen den Bollerwagen „Smarty“. Wilfried Hautop und Andreas Kellermann (vorne links und rechts am Gefährt) präsentierten den „Erlkönig“. ·

Bremen - Von Ilka LangkowskiAnlässlich des 60-jährigen Bestehens des Martinshofs ist gestern im Verwaltungsgebäude von Mercedes-Benz in Bremen eine interne Ausstellung eröffnet und ein „Erlkönig“ präsentiert worden, der das Produkt interdisziplinärer, ehrenamtlicher Projektarbeit ist.

Gestern durfte ein erster Blick auf den „Erlkönig“ geworfen werden – ein Bollerwagen in Leichtbauweise. Entwickelt wurde das Gefährt gemeinsam von Martinshof, Betriebsmittelbau von Mercedes-Benz Bremen, den Materialforschern des Faserinstituts Bremen sowie der Hochschule für Künste. „Wir transportieren mit diesem CO2-freien Gefährt ein Stück Zukunft“, sagte Mercedes-Werksleiter Andreas Kellermann. Denn das Modell „Smarty“ ist ein Achtsitzer aus Faserverbundstoffen, in dem der Nachwuchs Platz nehmen soll. Im Vergleich zu herkömmlichen Bollerwagen, die in den Kindertagesstätten verbreitet sind und rund 40 Kilo mehr wiegen, ist „Smarty“ jedoch schon jetzt ein Leichtgewicht. „Wir wollen das Gewicht auf rund 20 Kilo reduzieren“, erklärte Christian Wolters vom Mercedes-Centerbetrieb. Dann soll der „Smarty“ in Serie gehen und zusätzliche Arbeitsplätze in den Werkstätten schaffen. Die Bremer Autobauer kooperieren seit 1979 mit den Werkstätten Martinshof. Damals habe man bei Mercedes nicht genügend schwerbehinderte Mitarbeiter direkt im Betrieb einsetzen können, erzählte Betriebsratschef Uwe Werner. Statt die somit fälligen Ausgleichszahlungen zu leisten, entschied man sich, die Werkstätten direkt zu unterstützen. 360 von insgesamt 1 800 Beschäftigten des Martinshofes arbeiten heute für Mercedes. „Arbeit gibt einen Lebensinhalt, man wird geachtet und wertgeschätzt“, sagte Werner. Deswegen setzten sich auch die Ausbilder hartnäckig für diese Kooperation ein, zu der Austauschprogramme wie „Schichtwechsel“ zählen, in denen Azubis für einige Wochen beim Martinshof die Sicht wechseln.

Die „Behindertenwerkstätten“ der 70er Jahre gebe es nicht mehr, unterstrich Wilfried Hautop, Geschäftsführer des Martinshofs. Vielmehr handele es sich um eine Werkstatt für angepasste Arbeit, wo Menschen auch langsamer oder anders arbeiteten.

Das Produkt „Smarty“ ist als Serienproduktion der Werkstätten in Sindelfingen und in Bremen geplant. Dafür wird der Martinshof um eine Logistikeinheit zur Direktanlieferung im Vierstundentakt mit bis zu 25 versicherungspflichtigen Arbeitsplätzen ergänzt. Die neue Einheit soll als Integrationsprojekt mit 40 Prozent schwerbehinderten Arbeitnehmern die bisherige Prozesskette in Schichtarbeit verstärken.

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