Genauer Blick auf 8.000 Tote

Leichenschau: Senat beschließt Gesetzentwurf

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Die Bürgerschaft muss dem Gesetzentwurf noch zustimmen. 

Bremen - Von Elisabeth Gnuschke. Bremen wird als erstes Bundesland die qualifizierte Leichenschau einführen. Künftig wird jede Person, die im Land Bremen stirbt, nach Feststellung des Todes einer Begutachtung unterzogen.

Damit wird bei allen Verstorbenen untersucht, ob eine natürliche Todesursache vorliegt. Das bedeutet nicht, dass jeder Tote obduziert wird, aber alle Verstorbenen äußerlich genau in den Blick genommen werden.

Auf das Institut für Rechtsmedizin am Klinikum Mitte, das mit der Leichenschau beauftragt wird, kommt eine Menge Arbeit zu: Im Land Bremen sterben nach Angaben des Gesundheitsressorts jährlich rund 8000 Menschen. Hintergrund für Bremens Vorstoß war die Mordserie des Krankenpflegers Niels H. in Oldenburg.

Der Senat hat am Dienstag einen entsprechenden Gesetzentwurf zur Leichenschau beschlossen. Wenn die Bürgerschaft das Gesetz beschließt, kann es am 1. August in Kraft treten, sagte Christina Selzer, Sprecherin des Ressorts. „So erhalten Angehörige mehr Sicherheit über die Todesursache, und auch Verbrechen können leichter aufgedeckt werden“, betonte Gesundheitssenatorin Eva Quante-Brandt (SPD).

Ziel der qualifizierten Leichenschau sei, mehr Informationen über die Todesarten zu bekommen. Es gebe Hinweise darauf, dass viele Tötungsdelikte unerkannt blieben – und somit nicht geahndet und die Verantwortlichen nicht zur Rechenschaft gezogen würden, heißt es aus dem Gesundheitsressort. Es gehe mit der Änderung aber nicht darum, Angehörige von Verstorbenen unter Generalverdacht zu stellen, betonte Quante-Brandt. Man habe mit den Beteiligten „eine praktikable Lösung gefunden, die Rücksicht auf die trauernden Angehörigen nimmt und gleichzeitig die Möglichkeiten einer Untersuchung vor Ort gibt“, sagte die Senatorin.

Weiterentwicklung der rechtsmedizinischen Versorgung

Ihren Worten nach stellt die qualifizierte Leichenschau eine Weiterentwicklung der rechtsmedizinischen Versorgung dar. Bisher bescheinigten die Mediziner, die den Tod einer Person im Krankenhaus oder im privaten Umfeld feststellten, auch den Tod. Künftig wird die Todesfeststellung von der Leichenschau getrennt. Das bedeutet: Jeder Mensch, der im Land Bremen stirbt, wird nach der Feststellung des Todes durch einen Arzt zusätzlich einer Leichenschau unterzogen. „Damit verbessert sich außerdem die Datenbasis über Krankheiten und ihre Verläufe“, so Quante-Brandt.

Die Leichenschau wird von einem besonders ausgebildeten Mediziner durchgeführt, und zwar entweder in einer Leichenhalle eines Bestatters oder im Krankenhaus. Falls der Arzt, der den Tod feststellt, den Verdacht hat, dass es sich um einen nicht natürlichen Todesfall handelt, führt der Spezialist die Leichenschau direkt vor Ort durch, also auch zu Hause.

Das Verfahren wird nach zwei Jahren ausgewertet und bei Bedarf verändert.

Delmenhorst als Vorreiter 

Die beiden Krankenhäuser in Delmenhorst haben die qualifizierte Leichenschau bereits im August 2015 eingeführt. In einer der Kliniken ermordete der Krankenpfleger Niels H. seine Opfer. 

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