Urteilsverkündigung

Bremer erschießt und zerstückelt Nachbarn - 14 Jahre Haft für 65-Jährigen

Zum möglichen Motiv schwieg der Angeklagte bis zuletzt: Am Mittwoch hat das Landgericht Bremen den 65-jährigen Rentner (r.) wegen Totschlags zu 14 Jahren Haft verurteilt.
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Zum möglichen Motiv schwieg der Angeklagte bis zuletzt: Am Mittwoch hat das Landgericht Bremen den 65-jährigen Rentner (r.) wegen Totschlags zu 14 Jahren Haft verurteilt.
  • Steffen Koller
    vonSteffen Koller
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Bremen – Sie waren einander vertraut, kannten sich seit Jahren. Sie nahmen zusammen Drogen und verkauften diese auch. Vieles im Prozess um die zerstückelte Leiche eines 50-Jährigen konnte das Bremer Landgericht rekonstruieren, doch eine Frage blieb bis zuletzt: Warum erschoss der Angeklagte seinen Nachbarn und zerteilte seinen Leichnam? Dass er es getan hat, davon ist die Kammer überzeugt – und verurteilte den 65-Jährigen am Mittwoch zu 14 Jahren Haft wegen Totschlags, Störung der Totenruhe und Betäubungsmittelhandels im großen Stil.

Prozess um zerstückelte Leiche: Ermittler finden Kopf des Opfers zwischen Eiscreme und Pommes

Verbindungsdaten des Mobiltelefons, diverse Zeugenaussagen, forensische Gutachten – die Schwurgerichtskammer ließ kaum etwas unversucht, um den Tod eines 50-Jährigen aus Gröpelingen aufzuklären. Am 9. September 2019 verliert sich die Spur des Mannes, mehrere Wochen weiß nur einer, was mit dem Opfer passiert ist. Es ist der 65-jährige Nachbar, so die Überzeugung des Gerichts, der den Mann mit einem Minirevolver Kaliber 22 erschoss und im Anschluss seine Leiche zerstückelte, zum Teil entsorgte und einzelne Körperteile einfror.

Den Kopf des Mannes fanden Ermittler in einer Kühltruhe – zwischen Eiscreme und Pommes hatte der Angeklagte ihn versteckt. Auch davon war die Kammer unter Vorsitz von Richter Jürgen Seifert überzeugt. Wegen Totschlags, Störung der Totenruhe und bewaffneten Drogenhandels im großen Stil wurde der Rentner nun zu 14 Jahren Haft verurteilt. Mit der Strafe blieb das Gericht knapp unter der Forderung von Staatsanwältin Nadine Hartmann, die am Montag 14 Jahre und neun Monate Gefängnis beantragt hatte.

Insbesondere ein Gutachten des Bundeskriminalamtes (BKA) belastet den Angeklagten schwer. In seiner Analyse kam das BKA zum Ergebnis, dass sich das Opfer weder selbst erschossen hat noch ein tragischer Unfall infrage kommt. Gegen diese Thesen, die der angeklagte Rentner ins Spiel gebracht hatte, sprächen sowohl Eintrittswinkel der Kugel als auch die Entfernung von mindestens 30 Zentimetern, aus der die Patrone abgefeuert worden sein müsse. „In der Gesamtschau“, so Richter Seifert, „konnten wir einen Unfall sowie einen Suizid ausschließen.“ Weder fanden sich DNA-Spuren des Opfers an der Waffe noch Schmauchspuren an seiner rechten Hand. Beides hätte jedoch vorhanden sein müssen, machte Seifert klar. Fazit des Gerichts: „Der todbringende Schuss kam vom Angeklagten.“

Prozess um zerstückelte Leiche: Täter muss nach fünfjährigem Gefängnisaufenthalt in Entziehungsanstalt

Trotz mehr als zehn Verhandlungstagen und Dutzender von Zeugen vermochte es die Kammer nicht zu klären, warum der Rentner seinen nur knapp 100 Meter weiter entfernt lebenden Nachbarn erschossen hatte. „Viele Fragezeichen verbleiben leider.“ Zudem habe weder das Mordmerkmal der Heimtücke noch der Habgier vorgelegen, für einen sexuellen Hintergrund gebe es „keine konkreten Anhaltspunkte“, sagte Richter Seifert.

Auf den Angeklagten warten nach dem Urteil zunächst fünf Jahre in Haft, den Rest seiner Strafe muss er auf Anordnung des Gerichts in einer Entziehungsanstalt verbringen. Da der Mann, so die Urteilsbegründung, einen Hang zum Drogenkonsum habe und weitere Rauschgiftdelikte „sehr wahrscheinlich“ seien, lägen die Kriterien für eine Unterbringung vor. Bei der Durchsuchung seiner Wohnung fanden Polizisten eine Cannabisplantage sowie knapp ein Kilo Marihuana. Immer griffbereit: der Minirevolver, der letztlich den Tod brachte, so die Überzeugung des Gerichts.

Von Steffen Koller

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