Stadtschloss im viktorianischen Stil

„Verschwunden“ in Bremen: Der Rutenhof am Domshof

Ein Bild aus den letzten Tagen des Gebäudes – der Rutenhof kurze Zeit vor dem Abriss Ende der 60er Jahre. - Foto: Archiv
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Ein Bild aus den letzten Tagen des Gebäudes – der Rutenhof kurze Zeit vor dem Abriss Ende der 60er Jahre.

Bremen - Von Thomas Kuzaj. Er zählte – wie die Kunsthalle, die Villa Am Dobben 91 (Ortsamt Mitte) und das Häuserensemble Mathildenstraße – zu den Bauwerken des Baumeisters und Brauereiunternehmers Lüder Rutenberg (1816 bis 1890).

Und er war sogar nach ihm benannt – der Rutenhof, ein elegantes Geschäfts- und Kontorhaus auf der Westseite des Domshofs. Heute ist der Rutenhof Thema in unserer Serie „Verschwunden“.

Den Rutenhof hatte Rutenberg in den Jahren 1873 bis 1875 errichtet. Es war ein prominentes Gebäude im Herzen der Stadt – nicht zuletzt wegen des großzügigen Restaurants und des Weinlokals in seinem Inneren. Hier ging Bremens feine Gesellschaft Ende des 19., Anfang des 20. Jahrhunderts ein und aus.

Äußerlich hatte Rutenberg sich für den Rutenhof – einer Mode der Zeit folgend – am viktorianischen Stil orientiert. An vertikalen Mauerblenden – Lisenen – zierten Steinfiguren die Fassade. Sie waren zugleich Ausdruck eines aufgeklärten bildungsbürgerlichen Repräsentationsbedürfnisses: Johannes Gutenberg und Martin Luther, Gottfried Wilhelm Leibniz und Gotthold Ephraim Lessing – Wegbereiter des modernen Geisteslebens blickten da auf den Domshof. Und auf die Gäste, die Restaurant und Weinlokal besuchten.

Zuvor hatten drei Pastorenhäuser der Liebfrauengemeinde auf dem Areal gestanden, auf dem Rutenberg, der auch an einer Förderung des Kulturlebens interessiert war, sein viktorianisches Altstadt-Schloss errichtete. Adresse: Domshof 26–28. Ein Standort, der sich im Lauf der Zeit wieder und wieder verändert hatte. Vor gut 100 Jahren zum Beispiel wandelte der Domshof sich langsam, aber sicher zum Bankenplatz.

Und das wirkte sich auch auf den Rutenhof aus. Als das Bankhaus Loose sich vergrößern wollte, kaufte es das Nachbarhaus – eben den Domshof 26–28. Der Rutenhof wurde umgebaut. Loose ging später in der Danat-Bank auf, die wiederum meldete Anfang der 30er Jahre – es war die Zeit der Weltwirtschaftskrise – Konkurs an. 1937 zogen Behörden im Rutenhof ein.

Jahrzehnte später kam dann wieder eine Bank zum Zuge – die Bremer Landesbank. 1967/68 wurde der Rutenhof größtenteils abgerissen. Anfang der 70er Jahre eröffnete die Landesbank hier einen Neubau. Auch dieses Gebäude ist inzwischen Geschichte, sprich: abgerissen worden. Es sei „sowohl technisch unwirtschaftlich als auch von den Abläufen her nicht mehr zeitgemäß“ gewesen, hieß es bei der Landesbank. Im Sommer vorigen Jahres erffnete die Bank erneut einen Neubau – inzwischen mitten in einer durch Schiffskredite hervorgerufenen Krise.

An Lüder Rutenberg, den Schöpfer des Rutenhofs, erinnert unterdessen (neben seinen erhaltenen Bauwerken, verstehtn sich) noch so manches in Bremen. Die Rutenstraße im Ostertorviertel etwa ist nach ihm benannt worden. Und in Bremerhaven gibt es eine Rutenbergstraße. Den Rutenberg-Pavillon im Bürgerpark hat der Unternehmer und Architekt anno 1870 selbst gebaut und gestiftet. Und dann ist da natürlich noch die ob ihrer Schönheit vielfach bewunderte Mathildenstraße im Viertel. Sie hat ihren Namen von Rutenbergs Ehefrau Mathilde, geborene Merker.

Serie „Verschwunden“:

Der Fangturm

Das „Amerika-Haus“

Bremer Freimarkt in der Neustadt

Die „Jacobihalle“ in der Innenstadt

Das „Regina“ in Walle

Hillmanns Hotel

Das Bremer Zentralbad

Die ovale Wurstbude auf Reisen

Das Ronning-Haus in der Sögestraße

Das Jacobs-Stammhaus

Kleine Helle

Die „Neue Börse“ am Marktplatz

Denkmalpfleger sorgt sich um Nachkriegsarchitektur

Das Katharinenkloster der Dominikaner

Das Lloydgebäude an der Papenstraße

Das „Kornhaus“ an der Langenstraße

Der „Opel-Turm“ am Hauptbahnhof

Das „Essighaus“ an der Langenstraße

Aquarium und Terrarium des Übersee-Museums

Warum dem Roland zeitweilig das Schutzgitter fehlte

Die St.-Ansgarii-Kirche

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