„Wir stochern sehr im Nebel“

Legionellen-Alarm: Bremen führt Meldepflicht ein

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Besorgt: Staatsrat Gerd-Rüdiger Kück (Gesundheitsressort, l.) und Jörg Henschen (Gewerbeaufsichtsamt).

Bremen - Von Thomas Kuzaj. Bremen kriegt sein Legionellenproblem nicht in den Griff. Jetzt führen die Behörden eine Meldepflicht ein, die mit einer hohen Bußgeldandrohung verbunden ist. Sie gilt ab morgen, Freitag. Das haben die Staatsräte Gerd-Rüdiger Kück (Gesundheitsressort) und Ronny Meyer (Umwelt) am Donnerstag mitgeteilt.

Wie berichtet, tritt in Bremen eine ungewöhnliche Häufung von schweren Legionellenerkrankungen auf. In einer ersten Welle gab es im November vergangenen Jahres 19 gemeldete Erkrankungen und einen Todesfall. In einer zweiten Welle – seit Februar – wurden inzwischen 20 Erkrankungen gemeldet. Auch in dieser Welle ist ein Patient gestorben. Sieben liegen nach Angaben der Leiterin des Gesundheitsamts, Monika Lelgemann, auf der Intensivstation – zwei von ihnen in einem kritischen Zustand. Alle Betroffenen haben sich häufig im Bremer Westen (Walle, Gröpelingen, Überseestadt) aufgehalten.

Nach wie vor suchen die Behörden nach der Infektionsquelle. In einer Arbeitshypothese gehen sie davon aus, dass der Legionellenherd in einer sogenannten Rückkühlanlage zu finden ist. Das sind gewerbliche Kühlanlagen von Gebäuden. Die Verdunstungskühlanlagen sind nicht genehmigungs- und meldepflichtig.

Das ändert sich nun wenigstens teilweise. Die Gewerbeaufsicht schätzt, dass etwa 100 dieser Anlagen in Bremen zu finden sind. Die Behörden suchen unter anderem mit der Hilfe von Luftbildern. Ein erster Aufruf an Betreiber, die Anlagen zu melden, stieß auf ein verhaltenes Echo. Es meldeten sich nur zwei Firmen, sagt Jörg Henschen vom Gewerbeaufsichtsamt. „Wir stochern sehr im Nebel.“

Möglich, dass Betreiber staatsanwaltschaftliche Ermittlung wegen fahrlässiger Körperverletzung oder fahrlässiger Tötung befürchten. „Wir suchen nach einer gewerblichen großen Klimaanlage“, sagt Umwelt-Staatsrat Meyer. Im Normalbetrieb drohe keine Legionellengefahr. Also: „Wir suchen eine Anlage, die nicht fachgerecht betrieben, kontrolliert und desinfiziert wurde.“

Die Behörden haben bisher 32 Rückkühlanlagen in Bremen identifiziert. Fünf davon sind nicht in Betrieb. In 16 Betrieben wurden bislang 44 Proben entnommen. Der Legionellenherd war bislang nicht dabei.

Umwelt- und Gesundheitsressort verpflichten Betreiber von Rückkühlanlagen nun mit einer behördlichen Verfügung, die Anlagen zu melden. Dazu, so Staatsrat Kück, wird eine Allgemeinverfügung auf Basis des Bundesimmissionsschutzgesetzes erlassen. Sie tritt Freitag in Kraft. Betreiber, die ihre Anlage daraufhin – innerhalb einer Frist von 14 Tagen – nicht melden, droht ein Bußgeld (wegen einer Ordnungswidrigkeit) von bis zu 50 000 Euro. Zudem können die Behörden die Anlagen auch stilllegen.

Der Legionellentyp, der in Bremen auftritt, gilt als eindeutig identifizierbar. Er war in beiden Wellen gleich. Legionellen, so Gesundheitsamts-Chefin Lelgemann, sind „robust“ und „verstecken sich in schützenden Amöben“ – „ein wirklich tückisches Bakterium“.

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